Digitale Fabrik Dem deutschen Mittelstand fehlt eine Vision

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Zwei Drittel der Digitalisierungsprojekte im deutschen Mittelstand sind erst in der Planungsphase und die meisten Anwendungen sind nicht Teil einer übergreifenden Strategie. Es fehlt eine Vision.

Die vollständig digialisierte Fabrik ist im deutschen Mittelstand noch nicht angekommen. Das hat eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger herausgefunden.
Die vollständig digialisierte Fabrik ist im deutschen Mittelstand noch nicht angekommen. Das hat eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger herausgefunden.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die vollständig digitalisierte Fabrik ist im deutschen Mittelstand noch längst keine Realität. Zwei von drei Projekten bei Industrie 4.0 sind noch nicht über die Planungsphase hinausgekommen. Oft existieren in Unternehmen nur Einzelanwendungen, die nicht optimal mit der Wertschöpfungskette verknüpft sind. Das zeigt eine Studie „NextGen production“ der Unternehmensberatung Roland Berger. Befragt wurden Führungs- und Fachkräfte des Mittelstands aus fünf Branchen.

Die Studie zeigt außerdem, dass 70 Prozent der Befragten in den kommenden beiden Jahren ihre Investitionen steigern wollen: Im Durchschnitt sind 20 bis 30 Prozent des gesamten Investitionsbudgets für die Digitalisierung vorgesehen. „Obwohl die Digitalisierung in den meisten deutschen Unternehmen ganz oben auf der Agenda steht, existiert die digitale Fabrik bislang erst in Ansätzen“, sagt Oliver Knapp, Partner und Leiter der Innovationsplattform „Next Generation Manufacturing“ bei Roland Berger.

„In den meisten Fällen sind die existierenden Anwendungen einzelfallbezogene Lösungen, entwickelt für ganz spezielle Aufgaben. Hier fehlt es an einer klaren Priorisierung und entsprechenden Strategien. Damit lassen Mittelständler Potenzial ungenutzt, ihre Abläufe zu optimieren und so ihre Position im internationalen Wettbewerb zu verbessern.“

Digitale Projekte existieren nur als Idee

Wie die Studie zeigt, steht der Großteil der IoT-Anwendungen noch ganz am Anfang im Umsetzungsprozess: 40 Prozent der Projekte existieren als Idee, 25 Prozent befinden sich in der Planung. Vor allem die Skepsis hinsichtlich der Profitabilität lässt Entscheidungsträger vor konkreten Maßnahmen zurückschrecken. Wo neue Technologien bereits verwendet werden, nennen die Unternehmensvertreter vor allem das Verbessern von Prozessen (64 Prozent) und Senken von Kosten (44 Prozent) als Haupttreiber für die Digitalisierung, gefolgt von Qualitätssteigerungen (24 Prozent).

Es fehlt eine klare Vision

Heute eingesetzte Anwendungen fallen mit einem Wert von 25 Prozent hauptsächlich in die Kategorie Big Data und Analysen, die sich auf künstliche Intelligenz stützen. Künftig soll ihr Anteil auf 29 Prozent wachsen. Auf dem zweiten Rang, mit 23 Prozent, folgen heutige Projekte in den Bereichen anspruchsvolle Automatisierung und Robotik. Für die Zukunft wird ihr Anteil ebenfalls auf 29 Prozent prognostiziert.

Die Cloud wird am häufigsten genutzt

„Die erfolgreichsten Unternehmen sind heute schon die, die das Thema Digitalisierung in ihre bestehende Wertschöpfung integrieren und nicht als parallelen, separaten Prozess aufsetzen“, berichtet der Co-Autor der Studie Marc Bayer von Roland Berger. „Es gibt keinen Zweifel, dass die Industrie 4.0 die industrielle Produktion komplett umgestalten wird. Wollen Firmen bestehen, sollten ihre Ansätze alle Aspekte von den Produktionsanlagen über die Fähigkeiten der Belegschaft bis hin zu strategischen Forschungspartnerschaften miteinbeziehen.“

In der Studie entwickeln die Autoren ein Zielbild, das anhand von fünf Dimensionen den Weg zur digitalen Fabrik vermittelt – mit Blick sowohl auf Technologie als auch Organisationsstruktur. Dazu gehört der Aufbau eines digitalen Ökosystems, das Netzwerke über die eigene Unternehmung hinaus definiert, die Digitalisierung der Produktionssysteme sowie der im Zentrum der Fertigung stehenden Werkstätte.

Details zur Umfrage

Für die Umfrage wurden 40 Interviews durchgeführt. Dabei wurden fünf Industriesegmente erfasst: Technische Produkte für Endanwender, Maschinenbau, Grundstoffindustrie, Automobilzulieferer und die Automatisierungsbranche.
Die Teilnehmer kommen überwiegend aus mittelständischen Unternehmen mit bis zu fünf Milliarden Euro Jahresumsatz. In der Studie berücksichtigt wurden wesentliche Funktionen und Führungsebenen: Top- und mittleres Management, Projektmanagement sowie Fachkräfte aus Technik, IT und Produktion.

Studie: Die Produktion der Zukunft

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