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Zustand der Forschung in Deutschland
Die drei Säulen der organisierten Innovation bestehen in Deutschland aus der Forschung in den Universitäten und den Akademien der Wissenschaften, der Forschung in den Forschungsinstituten und -zentren, die von den großen deutschen Forschungsgesellschaften betrieben werden oder mit diesen assoziiert sind, und den Forschung in der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Privatunternehmen.
In der Tat ist die Forschungslandkarte in Deutschland von Stecknadeln nur so übersät. Zu den etwa 1000 öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen kommt ein Vielfaches an Forschungs- und Entwicklungszentren hinzu, die von (größeren) Unternehmen betrieben werden. Ein Verzeichnis von Forschungsstandorten in Deutschland listet über 24.500 universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen hierzulande auf.
Im internationalen Vergleich ergibt sich ein durchwachsenes Bild. Einerseits sehen Analysten wie die der KfW-Bank Deutschland auf einem vorderen Platz. Zwar vor den USA, Frankreich oder Großbritannien, aber dennoch nur auf Platz 5 hinter Südkorea, Finnland, Schweden und Japan.
Als Vergleichsmaß der Forschungs- und Entwicklungsaktivität ziehen die Volkswirtschaftler die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt heran. Im Jahr 2012 waren das in Deutschland fast 3 %. Jüngere Untersuchungen sehen Deutschland schlechter positioniert: Der Unesco-Wissenschaftsbericht gibt ebenfalls Südkorea mit 4,3 % als führend an. Es folgen Israel mit 4,1 % und Japan mit 3,6 %. Deutschland steht mit 3 % in dieser Rangliste nur noch auf Platz 9, einen Platz vor den USA.
China bekommt erhöhte Aufmerksamkeit
Der Unesco-Bericht widmet China besondere Aufmerksamkeit. In absoluten Zahlen leistet China fast 20 % aller F&E-Investitionen weltweit. Bei den derzeitigen Wachstumsraten dürfte China den Rückstand zu den USA, die annähernd 30 % aller F&E-Investitionen weltweit tätigen, bald aufgeholt haben. Bereits jetzt wird China von vielen als das weltweit wichtigste Ursprungsland wissenschaftlicher Publikationen angesehen.
Zwar fehlen den Chinesen trotz sehr hoher Finanzmittel, sehr gut ausgebildeter Forscher und erstklassiger Ausrüstung noch die bahnbrechenden Erfolge. Nur wenige rein chinesische Forschungsergebnisse konnten bislang in innovative und wettbewerbsfähige Produkte umgesetzt werden. Doch es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, dass sich dieser Umstand grundlegend ändert.
Es kommt noch ein weiterer Wermutstropfen hinzu: Die relative Stärke der deutschen Wirtschaft basiert auf dem verarbeitenden Gewerbe, etwas mehr als die Hälfte konzentriert sich auf die drei Branchen Kraftfahrzeugbau, Elektronik und Maschinenbau. So weit so gut, allerdings liege das relativ gute Abschneiden mehr an der günstigen Branchenstruktur denn am Ausmaß der F&E-Anstrengungen innerhalb der jeweiligen Branchen, betonen die Analysten.
Die Verbandsvertreter sind sich der Bedeutung von F&E bewusst und führen gegen die Sorge der Volkswirtschaftler die Anstrengungen ihrer Mitglieder ins Feld. Erst kürzlich hob der Chefvolkswirt des Zentralverbands der Elektronik- und Elektroindustrie (ZVEI), Andreas Gontermann, die Leistungen der Mitglieder für F&E hervor.
In der MM-MaschinenMarkt-Ausgabe 6 betonte er, die Elektronikindustrie beschäftige rund ein Viertel aller deutschen Forscher und erbringe mit fast 16 Mrd. Euro ein Fünftel aller privatwirtschaftlichen F&E-Aufwendungen hierzulande.
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