Deutsche Forschung

Der Chef, die eigene Forschungsabteilung

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Ungleich verteilte Anstrengungen

Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) versucht, das Thema positiv zu besetzen: Im Jahr 2014 hätten 55 % aller Branchenmitglieder unternehmensinterne Forschung und Entwicklung betrieben, 40 % forschten kontinuierlich. Dabei seien insgesamt mehr als 6,2 Mrd. Euro für F&E investiert worden, Tendenz steigend. Der größte Anteil entfalle mit fast 5,7 Mrd. Euro dabei auf interne, also in den Unternehmen durchgeführte Forschung und Entwicklung. Noch bedeutender fallen die Zahlen ins Auge, wenn von Innovationsaufwendungen die Rede ist.

Hier stehen für das Jahr 2014 rund 13,5 Mrd. Euro in den Büchern – eine stattliche Summe. Beim zweiten Hinsehen wird jedoch klar, dass neben den eigentlichen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen ebenfalls Ausgaben gemeint sind für

  • den Erwerb von Maschinen, Anlagen, Software und externem Wissen für Innovationsprojekte,
  • die Produktgestaltung, Konstruktion, Dienstleistungskonzeption und andere Vorbereitungen für Herstellung und Vertrieb von Innovationen,
  • die Weiterbildung in Verbindung mit Innovationsprojekten sowie
  • die Markteinführung von Innovationen.

Zusammenhänge, die zeigen, dass auch bei den Maschinen- und Anlagenbauern passend zum innovativen Image hohe Ausgaben und Engagement für Innovation vorhanden sind, aber eben auch vergleichsweise wenig strukturelle Innovationsentwicklung. Und so relativiert auch der VDMA die eigenen Zahlen: „87 % der Unternehmen haben weniger als 250 Mitarbeiter. Gerade in kleineren Unternehmen fehlen oft die Kapazitäten, um regelmäßig Forschung und Entwicklung zu betreiben.“

Forschungsforderungen richten sich an den Bund

Dass sich insgesamt mehr tun muss, ist auch den Verbänden klar und so haben sich ZVEI, VDMA und BDI im Januar in Berlin noch einmal für eine steuerliche Forschungsförderung von mindestens 10 % der Forschungs- und Entwicklungskosten stark gemacht.

Empirische Studien würden belegen, dass eine Steuergutschrift in Höhe von 10 % der Aufwendungen zu einer Ausweitung der privaten Investitionen um zusätzlich etwa 14 % führen. „Eine allgemeine steuerliche Forschungsförderung ist schnell wirksam, entfaltet unabhängig von Forschungsgegenstand und Unternehmensgröße starke Anreizwirkungen und erreicht damit die ganze Bandbreite der Unternehmen“, kommentiert der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer Hartmut Rauen die Initiative.

Von der Bundesregierung ist an dieser Stelle wenig zu vernehmen; Bundesforschungsministerin Johanna Wanka steht für ein Interview zum Thema nicht zur Verfügung. Dabei könnte auch sie erst einmal große Zahlen produzieren. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium hat ihr Haus in den vergangenen Jahren das Thema Industrie 4.0 vorangetrieben.

Um den digitalen Strukturwandel der Industrie zu unterstützen, hat die Bundesregierung vor einiger Zeit die Plattform Industrie 4.0 ins Leben gerufen. Für Forschungsarbeiten in diesem Zusammenhang hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mehr als 120 Mio. Euro bewilligt, das Wirtschaftsministerium noch einmal 80 Mio. Euro.

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