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Deutsche Forschung Der Chef, die eigene Forschungsabteilung

| Autor: Frank Jablonski

Obwohl der Eindruck vorherrscht, es würde hierzulande an allen Ecken und Enden geforscht und entwickelt, entsteht allmählich ein Problem für Deutschland. Im internationalen Vergleich fallen wir zurück. Zudem forschen ganze Branchenzweige nicht systematisch. Dabei wird F&E künftig nicht nur wichtiger für das Überleben jedes einzelnen Unternehmens, sondern auch für unsere Volkswirtschaft: Eine Ausweitung der F&E-Ausgaben um 1 Mrd. Euro erhöht das Bruttoinlandsprodukt bereits im Folgejahr um denselben Betrag.

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Wenn in kleineren Unternehmen Innovation betrieben wird, ist es oft der Chef, der seine eigene Forschungsabteilung in Personalunion mit der Entwikclung stellt. Künftig ist es jedoch wichtig, dass F&E systematisch voran getriben wird.
Wenn in kleineren Unternehmen Innovation betrieben wird, ist es oft der Chef, der seine eigene Forschungsabteilung in Personalunion mit der Entwikclung stellt. Künftig ist es jedoch wichtig, dass F&E systematisch voran getriben wird.
(Bild: © Sunny studio - Fotolia.com)

Wie organisieren Sie Ihren Innovationsprozess?“ Schweigen. „Wann und wie kommen Sie auf neue Produkte?“ Augenbrauen heben sich. „In welchem Kontext entstehen Ihre Ideen für Weiterentwicklungen? So wie bei mir unter der Dusche oder beim Joggen?“ Lächeln und Nicken. „Ja, genau so“, lautet schließlich die Antwort des Geschäftsführers des mittelständischen Unternehmens.

Das Unverständnis zu Beginn des Gespräches war förmlich mit den Händen zu greifen. So etwas wie einen definierten Prozess für Innovationsentwicklung gibt es im Mittelstand einer bestimmten Größenordnung so gut wie nicht. Selbst in Betrieben mit 500 Mitarbeitern gibt es häufig keinen strategischen Ansatz, wie Innovation organisiert wird, und es gibt auch kein Problembewusstsein dafür, dass es notwendig wäre, sich hier strategischer aufzustellen.

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Innovationen aus Reklamationen und Produktionsnöten

Das Tagesgeschäft dominiert den Alltag und im Windschatten zwischen Reklamationen und Produktionsnöten der Auftraggeber entstehen – eher zwangsweise - die Innovationen. Denn das Tagesgeschäft wird vom Kunden dominiert. Er ist der Dompteur der Innovation, nur im direkten Kontakt mit „dem, der mit dem Auftrag droht“ entsteht das zündfähige Gemisch, aus dem später, wenn sich Schall und Rauch der Erstentwicklung verzogen haben, das neue Hochglanzprodukt im Scheinwerferlicht steht. „Wir haben das Produkt schon bei drei, vier Pilotanwendern im Einsatz“, heißt es dann stolz.

Indem bestehende Anwender oder künftige Kunden ihre Applikation nicht oder nur teilweise gut gelöst finden, setzen sie die Energie frei für die nächste Innovation – statt wissenschaftlicher Vorgehensweise also ein pragmatischer Ansatz, diesen einen Auftrag nicht zu verlieren. Geübte Praxis ist es dann allerdings, im Anschluss an diese „Zufallserfindung“ die gefundene Lösung für den gesamten Kundenkreis oder sogar neue Kundensegmente auszuweiten.

Wo liegt das Problem?, fragen sich jetzt eventuell Leser, die sich in dieser Beschreibung wiedererkennen. Wir stehen doch blendend da. Andere mögen anmerken, dass die Forschungslandschaft in Deutschland seit Jahr und Tag blüht wie in keinem anderen Industrieland der Erde. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Forschungslandschaft Deutschland.

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