Deutsche Forschung

Der Chef, die eigene Forschungsabteilung

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Strategie-Paper der Bundesregierung zur Forschung

In einem Strategie-Paper der Bundesregierung richtet sich der Blick der Politik jedoch eher nach außen als nach innen. Zum Thema Bildung, Wissenschaft und Forschung geht es Wanka eher um die richtige Internationalisierungsstrategie. Das BMBF will sein Förderangebot in der Initiative KMU-International bündeln. Im Fokus sollen dabei Betriebe des verarbeitenden Gewerbes mit hoher F&E-Intensität stehen. Allerdings betrifft das nur das Forschungsmarketing, lediglich Information und Beratung der Betriebe sollen intensiviert werden.

Ebenfalls auf Zusammenarbeit angelegt, der sogenannte 2+2-Projektansatz: Finden sich je eine Forschungseinrichtung oder Universität, ein deutsches Unternehmen und eines aus dem Zielland zu einem Projekt zusammen, könne diese Maßnahme bilateral finanziert werden.

Bei europäischen Projekten wird das Papier konkreter. Das Programm Euostars 2 wird im Rahmen der europäischen Forschungsinitiative Eureka von der EU betrieben. Seit dem Jahr 2008 wurden darüber 3400 Teilnehmer in über 1000 Projekten gefördert. „Aufgrund der positiven Erfahrungen werden die Fördermittel von Bund und EU auf durchschnittlich 15 Mio. Euro pro Jahr steigen. Derzeit sind dies etwas 350 Teilnehmer in mehr als 200 Eurostars-Projekten.“ Zahlen, die erst einmal niedrig klingen, aber doch Hoffnung aufkeimen lassen.

Kenner der Förderszene winken jedoch schnell ab. Man solle sich bei diesen zentralen, großen Programmen der damit verbundenen immensen bürokratischen Aufwände bewusst sein. Für den kleinen Mittelständler sei das eher keine Hilfe. Schon deutlich praktikabler würden kleinere, regionale Maßnahmen ankommen: Programme, wie beispielsweise vom Netzwerk Baden-Württemberg Connected, versprächen zwar geringere Fördersummen, seien aber in der Durchführung deutlich besser handhabbar.

Nicht auf den Retter warten

Zurück zu den offenen Fragen zu Beginn: Es gibt zwar keine Statistik, die besagt, in welchem Anteil erfolgreicher Betriebe der Inhaber oder der längst verstorbene Gründer das eigentliche Erfindergenie ist oder war, wo die Innovation am Wochenende in der Werkstatt erfolgte, ohne Forschungslabor und staatliche Förderung. Zweifel sind jedoch berechtigt, ob es angesichts zunehmender Komplexität und Wettbewerbs von außen morgen noch reichen wird, wenn im Rückgrat unserer Industrie die Innovation mehr oder weniger dem Zufall gehorcht.

Große Hoffnungen auf staatliche Förderung sind unbegründet und ohne entsprechendes Bewusstsein in den Betrieben auch wenig zielführend. Die Quintessenz kann nur lauten, den kleinen Unternehmen zuzurufen: Seht die Innovation als notwendigen Prozess an, setzt systematische Pläne für F&E auf, schaut euch gezielt Trends an und prüft, welche Maßnahme sich daraus für die Produktentwicklung ableiten lässt.

All das ist nicht selbstverständlich, aber auch nicht weltfremd. Planorientiertes Arbeiten, Investition in (Forschungs-)Zeit und (Forscher-)Köpfe zu stecken, ist gut investiertes Geld. Der Lohn steckt nicht nur in neuen Produkten für neue Zielgruppen, der Return on Invest kommt über interessante Kontakte und neue, spannende Partnerschaften.

* Mitarbeit: Lena Höhn

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