Kunststoff-Kreislauf Der Gelbe Sack – ein Quell für Wertstoff-Schätze

Redakteur: Peter Königsreuther

Die Forschenden am Fraunhofer-LBF laden am 22. April zu einem virtuellen Seminar ein. Sie Zeigen, wie man den Kunststoff-Mix in den Gelben Säcken wirtschaftlich sortieren und nutzbar machen kann.

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Der Gelbe Sack birgt Schätze! Das sind hochwertige Granulatkörner aus Kunststoffrezyklat. Macht man alles richtig, können neue Produkte daraus werden. Diese schließen den Werkstoffkreislauf. Das Verbrennen wird obsolet.
Der Gelbe Sack birgt Schätze! Das sind hochwertige Granulatkörner aus Kunststoffrezyklat. Macht man alles richtig, können neue Produkte daraus werden. Diese schließen den Werkstoffkreislauf. Das Verbrennen wird obsolet.
(Bild: U. Raapke / Fraunhofer-LBF)

Die bis heute gängige thermische Verwertung der angesammelten Gelben Säcke nebst Inhalt kann es auf Dauer nicht sein, so die Meinung der Experten des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt. Demnach rauschen in Deutschland rund 4 Millionen Tonnen der ausgedienten Kunststoffprodukte durch den Schornstein. Folglich werden nur 2 Millionen Tonnen wiederverwertet, rechnen die Forschenden vor. Das aber sei noch rech viel, denn weltweit liege die Recyclingquote unter 15 Prozent. Weil Rohöl, aus dem die meisten Kunststoffe heute noch hergestellt werden, knapp und begrenzt ist, sollte Altkunststoff so lange es geht, immer wieder zu neuen Produkten wiederverwertet werden. Aber das kostet nach Aussage der Wissenschaftler rund 20 bis 50 Prozent mehr Energie als die Herstellung von Neuware aus Rohöl.

Wie man den Knoten zumindest lockern kann, zeigt das Seminar mit dem Titel „ Rezyklate aus dem Gelben Sack: Potenzial für hochwertige Kunststoffanwendungen ?“, das am 22. April von 9:30 bis 12:00 Uhr abgehalten wird.

Hürden auf dem Weg zur echten Zirkularität

Die richtige Kreislaufführung der polymeren Wertstoffe befinde sich zwar in der Nutzungsphase, gehe aber über die Aktionen Sammeln, Sortieren und Recyceln hinaus. Die Wegbereiter zum höheren Rezyklateinsatz und zur echten Zirkularität von Kunststoffabfällen müssen nämlich noch diverse Hürden nehmen, bis es soweit ist, heißt es weiter. Denn ohne Fachkenntnisse erkennt man zum Beispiel nicht, wie hoch der Rezyklatanteil in einem Altprodukt schon ist oder ob es überhaupt ein Rezyklat ist, und nicht gar Neuware. Nur, wer die Qualität des Ausgangsmaterials kenne, könne den Kreislauf überhaupt richtig ankurbeln.

Beantwortet werden muss auch die Frage, wie weit ich oft ich Altmaterial recyceln kann, bis ein Produkt den Anforderungen nicht mehr gewachsen ist. Und ist Rezyklat, auch wenn es in reinster Form vorliegt, der Neuware des entsprechenden Kunststofftyps ebenbürtig? Und wenn es Unterschiede gibt, wie kann man diese aus dem Weg räumen?

Diese, und noch weitere Fragen erörtern die LBF-Forschenden im Rahmen des Seminars. Es richte sich an die Experten aus dem Bereich Berechnung und Prüfung von Kunststoffanwendungen, und an alle Interessierten. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung

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