Lineartechnik

Der Systemgedanke bewegt die Lineartechnik

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Ähnlich sieht das auch Föhrenbach. Das Unternehmen stellt auf der Motek ebenfalls Systeme vor, die einfach und schneller in Betrieb zu nehmen sind. So hat man beispielsweise die bereits seit Jahren erhältlichen Rundtische der Baureihe RT2A als Plug-and-play-Lösung konzipiert, sodass sie ab sofort inklusive Servomotor und vorkonfigurierter Steuerung verfügbar sind. Zudem setzt der Hersteller von Positioniersystemen auf noch genauere und schnellere Systeme. Je nach Kundenanforderung kann er mit neuen Profilführungsschlitten mit entsprechenden Messsystemen im Bereich bis 0,5 µm positionieren. Die selbst entwickelten Linearmotoren sind an die Anwendungen angepasst und erlauben standardmäßig Geschwindigkeiten bis zu 3 m/s, mit Keramikwälzkörpern sind auch bis 10 m/s möglich. Zudem unterstützen sie gleichzeitig die hohe Positioniergenauigkeit, da keine Einflüsse durch Getriebespiel, Zahnriemendehnung, Wellentorsion oder Resonanz auftreten können.

Kosten sparen: beim System oder ​bei den Lebenszykluskosten?

Andererseits benötigen nicht alle Anwendungen höchste Genauigkeit, Geschwindigkeit oder Leistung. Wird gezielt nach günstigen Lösungen gesucht oder werden Systeme nach Kostengesichtspunkten analysiert, bieten die Hersteller unterschiedliche Unterstützung an. Igus hat sich grundsätzlich das Ziel gesetzt, mit seinen Entwicklungen beim Kunden die Kosten zu senken: schmierfreie Führungen, einbaufertige Antriebe oder einfache Motorsteuerungen unterstreichen dies. Föhrenbach bietet beispielsweise Linearsysteme an, die speziell nach diesen Gesichtspunkten für den Kunden entwickelt werden.

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Bosch Rexroth und Schaeffler hingegen legen Wert darauf, dass sie die Gesamtkosten und den Gesamtnutzen betrachten. Stefan Schmitz stellt klar: „Ziel ist es, Kosten sowohl für den Maschinenhersteller im Engineering-Prozess als auch für den Maschinenbetreiber im anschießenden Betrieb zu reduzieren.“ Wichtige Faktoren sind hierbei eine hohe Energieeffizienz und wartungsarme beziehungsweise wartungsfreie Systeme. Als Beispiel nennt Schmitz die Rollenschienenführungen RSHP mit einem neuen Universalschmierkonzept, das die Schmierintervalle um rund 20 % verlängert. Auch Dombek weist darauf hin: „Wir sind zwar technologiegetrieben, aber alle unsere Entwicklungen werden wertanalytisch betrachtet. Uns geht es immer darum, das Optimum an Preis-Leistung zu erreichen, aber nie darum, der billigste zu sein.“

Lineartechnik-Baukasten bietet Freiheit beim Konstruieren

Angesichts seiner völlig anderen Ausrichtung setzt Igus in der Weiterentwicklung seiner Lineartechnik auch andere Schwerpunkte. Im Vordergrund steht die Freiheit in der Konstruktion – aber möglichst aus dem Baukasten heraus und vor allem online. Niermann: „Gerade in der Vielzahl der Anwendungen, in denen Lineartechnik eingesetzt wird – vom Maschinenbau über den Rollstuhl bis hin zum Kaffeeautomaten – ist das entscheidend.“ Das treibt auch die Entwicklungen bei Igus an, um am Ende nicht nur standardisierte Produkte anzubieten, sondern dem Konstrukteur auch die Wahl zu lassen, welche Komponenten er für seine Anwendung nutzen will. „Daher arbeiten wir daran, das Baukastenprinzip weiter auszubauen und die einzelnen „Schubladen“ weiter zu entwickeln“, so Niermann. Das spiegelt sich auch bei den Ausstellungshighlights auf der Motek wider. Für raue Einsatzbedingungen stellt Igus einen Heavy-Duty-Schlitten der T-Serie mit individueller Spieleinstellung vor. Er ist hoch belastbar und benötigt keine externen Schmiermittel. Neben der bereits erwähnten Carbonführung sind darüber hinaus die gebogenen Drylin-Schienen für gebogene Verfahrwege zu sehen. Hierfür sind angepasste Schlitten erhältlich, die ohne Verkanten und Verklemmen um die Kurve fahren.

Was Linearsysteme in der Zukunft können sollen? Kompakt, genau, smart und auch flexibel integrierbar in die Kommunikationsebenen der Fertigung, sagen die einen, Nutzung direkt aus dem Baukasten für den schnellen Einbau, sagen die anderen. Doch in einem Punkt sind sich viele Anbieter einig: Die Linearsysteme müssen einfach zu konfigurieren und einfach zu installieren sein – kundenfreundlich eben. Föhrenbach und Schaeffler sprechen von Plug-and-play-Lösungen, Igus und Bosch Rexroth setzen auf Online-Tools zur Auswahl und Konfiguration. Intelligenz in den Systemen und höhere Leistungen bleiben aus technischer Hinsicht weiterhin wichtige Themen. Einen breiteren Einblick in die unterschiedlichen Systeme und Komponenten können sich Interessenten hierbei auf der Motek verschaffen. MM

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Über den Autor

 Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt