Internationalisierung Der Weg zur Kern-Fusion

Autor / Redakteur: Frank Jablonski / Rosemarie Stahl

Es gibt praktisch kein Land, das seinen Handel mit China seit dem Jahr 2000 nicht vervielfachen konnte. Ob eine Verdreifachung der japanischen, deutschen oder US-Lieferungen oder eine Verzehnfachung der brasilianischen Ausfuhren nach China – der Handelspartner China wird immer wichtiger. Jüngste Übernahmeprojekte von chinesischen Unternehmen lassen viele aufhorchen und machen einigen Angst. Doch warum eigentlich?

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Chinesische Unternehmen investieren weltweit. Jüngstes Beispiel: In diesem Monat startet die Produktion des zweiten Glasfaser-Ofens in Ägypten. Investor der 80.000-t-Anlage ist das Unternehmen China Jushi aus Zhejiang.
Chinesische Unternehmen investieren weltweit. Jüngstes Beispiel: In diesem Monat startet die Produktion des zweiten Glasfaser-Ofens in Ägypten. Investor der 80.000-t-Anlage ist das Unternehmen China Jushi aus Zhejiang.
(Bild: Amac GmbH)

Er sitzt entspannt zurückgelehnt auf dem Ledersofa und lächelt in die Kamera, lächelt einfach die „German Angst“ weg. Als wäre nicht gerade ein Aufschrei durch das Land gegangen und bei Mitarbeitern, informierten und uninformierten Bürgern, Politikern und Journalisten die Angst vor dem Ausverkauf des Tafelsilbers umgegangen. Schlimmer noch: Ein Herzstück der goldenen Zukunft rund um Industrie 4.0 – ein systemrelevanter Teil sozusagen – soll nach China verkauft werden.

Gerade erst hat der Hausgerätehersteller Midea das verlockende Angebot von 115 Euro je Kuka-Aktie abgegeben, nicht unwahrscheinlich, dass Großaktionär Voith schwach wird, ziemlich sicher sogar viele Anleger der fast 60 % aus dem Streubesitz. Eine feindliche Übernahme bereits in trockenen Tüchern? Nicht wenn man Kuka-Chef Till Reuter fragt, er lehnt sich zurück und lächelt. Keine Spur von Sorge, im Gegenteil: Auch wenn er Kritik vom anderen Großaktionär Friedhelm Loh einstecken muss. Reuter freut sich über das große Interesse an „seinem“ Unternehmen, das er von einem Wert um die 250 Mio. Euro auf heute 4,5 Mrd. Euro gebracht hat. Auch der Umsatz hat sich seit den schlechten Zeiten um 2009 verdreifacht und liegt heute bei drei Mrd. Euro.

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Am chinesischen Wachstum teilhaben

Reuter hat klare Wachstumsziele vor Augen und die werden am ehesten im Wachstumsmarkt China erreicht. Auch wenn die Seidenstraßen-Lokomotive gerade etwas langsamer die Weltkonjunktur zieht, wird China mit Abstand der wichtigste Markt bleiben. Und aus Sicht von Kuka vor allem der größte Absatzmarkt für Roboter. Die künstlichen Kuka-Arbeiter werden in sämtlichen produzierenden Industrien eingesetzt und vermehren sich so im Gleichschritt mit ihren Abnehmern. Mehr noch: Auch in China wird Arbeitskraft teuer und es ist heute schon der Trend abzusehen, dass Roboter viele Tätigkeiten auch im Billiglohnland ersetzen werden – sie kosten heute schon nur etwa die Hälfte eines chinesischen Arbeiterstundenlohns.

Wie lauten die Argumente der Ängstlichen und Sorgenträger, vor allem derjenigen, die sich auf glattem politischem Parkett äußern? Während es Siegmar Gabriel um „Fairness, nicht um Protektionismus“ geht, äußert sich EU-Kommissar Günther Öttinger differenzierter: Sein Kernargument lautet, Verwendung von europäischen Fördergeldern und deren Nutzen für die heimische Wirtschaft im Blick behalten zu wollen. Es könne nicht angehen, dass beispielsweise Kuka mit 15 Mio. Euro im Rahmen des Förderprogramms Public Private Partnership gefördert werde und die Technologieführerschaft im gleichen Zuge nach Asien abwandere. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung deutet er allerdings nur an, dass Maßnahmen gegebenenfalls an betroffenen Unternehmen vorbei geschehen könnten.

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