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Fallbeispiel H2O

Deutsche Umwelttechnik punktet in China

| Autor: Stéphane Itasse

Auch wenn uns noch andere Bilder erreichen – China macht Ernst mit dem Umweltschutz. Davon profitieren auch deutsche Unternehmen, die die Technik zur Reinhaltung von Wasser, Luft oder Boden liefern. Ein Beispiel ist der Mittelständler H2O aus Steinen.

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Ein Vakuumverdampfer von H2O: Wegen der strengen Abwassergesetze sind diese Anlagen auch in China gefragt.
Ein Vakuumverdampfer von H2O: Wegen der strengen Abwassergesetze sind diese Anlagen auch in China gefragt.
(Bild: H2O)

Seit dem Jahr 2015 ist in der Volksrepublik der „Water Pollution Prevention and Control Action Plan“, auch bekannt unter dem Namen „Water Ten Plan“, in Kraft. Die Regierung in Beijing will damit die Wasserqualität deutlich verbessern, unter anderem soll das Wasser von sieben wichtigen Flüssen zu 70 % wieder Trinkwasserqualität nach chinesischen Maßstäben erreichen. Für das Jahr 2030 sind die Ziele noch höher gesteckt.

Hohe Entsorgungskosten in China

Im Juni des Jahres 2015 schließlich machte sich auch die H2O GmbH von Südbaden auf in das Reich der Mitte. Mit dem Eintritt in den chinesischen Markt übernahm Uwe Hanschke die Geschäftsführung der neu gegründeten chinesischen Tochtergesellschaft H2O Kunshan water treatment equipment co., Ltd. und damit die Verantwortung für den Verkauf und den Service der Vakuumdestillationsanlagen, die unter dem Namen Vacudest am Markt sind, zur Entsorgung industrieller Abwässer. Hanschke war bereits im Juli 2014 zum Unternehmen gestoßen und von Anfang an immer wieder einige Wochen in der Volksrepublik gewesen.

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„Die Vacudest erlaubt es, die sehr strengen Grenzwerte hier in China einzuhalten“, berichtet Hanschke in einem Interview seines Unternehmens. In manchen Regionen dürften Industrieunternehmen sogar gar kein Abwasser einleiten. Da bleibe nur noch die abwasserfreie Produktion als Alternative. Bei den Vakuumdestillationsanlagen bleiben üblicherweise nach dem Verdampfen des Wassers die zu entsorgenden Stoffe als fester Rest zurück.

„Ein anderer wichtiger Punkt sind die Entsorgungskosten“, sagt Hanschke weiter. In China sind sie fünf bis zehnmal so hoch wie in Deutschland, wie der Geschäftsführer schätzt, mit Unterschieden je nach Region. Damit rechne sich die Anschaffung einer Vakuumdestillationsanlage aus Deutschland in der Regel schon nach weniger als einem Jahr.

H2O konnte in China schnell durchstarten

Unter diesen Bedingungen konnte H2O in China schnell durchstarten. „2015 war auf jeden Fall ein gutes Jahr. Da haben wir schon direkt einige Anlagen verkauft“, berichtet Hanschke. Seiner Ansicht nach lag das aber auch an der Vorarbeit von Deutschland aus: „Die Kunden kannten H2O bereits und es hat einen positiven Eindruck gemacht, dass wir jetzt auch vor Ort Präsenz zeigen konnten.“ Im laufenden Jahr will der China-Geschäftsführer den Umsatz nach eigenen Worten „nochmal stark steigern“. Außerdem soll das ERP-System, das die Zentrale in Steinen bereits nutzt, auch in der Volksrepublik eingeführt und stabil zum Laufen gebracht werden. Schließlich ist geplant, die Mitarbeiterzahl in China aufzustocken.

Mittlerweile ist das Team des Mittelständlers in China auf sechs Mitarbeiter gewachsen. Neben einer Assistentin für die Verwaltungsarbeit hat Hanschke noch zwei Vertriebsmitarbeiter, einen Servicemonteur und seine Frau, die halbtags im Labor tätig ist. „Wir haben hier also mittlerweile die Möglichkeit, den kompletten Service, Inbetriebnahmen und Laborversuche direkt aus China anzubieten“, sagt er. Im Gegensatz zu Deutschland muss sich der China-Geschäftsführer aber quasi um alles selbst kümmern. „Ich bin im Prinzip Mädchen für alles“, sagt Hanschke. „Am Wochenende, wenn ich mal alleine bin, dann schraube ich hier auch schon mal die Stühle wieder zusammen, damit mir meine Mitarbeiter da nicht runterfallen.“

China bietet zahlreiche Herausforderungen auch für Asien-erfahrene Manager

Und auch wenn Hanschke schon vor seiner Arbeit bei H2O mehrere Jahre Erfahrungen in Asien gesammelt hatte, hält China für ihn immer noch manche Herausforderung bereit. „Hier spricht niemand wirklich Englisch, gerade in Kunshan ist es schwierig, sich zu verständigen“, berichtet er. Alle Verwaltungsaufgaben, wie das Bestellen eines Telefonanschlusses oder das Mieten einer Wohnung, müssten mit Hilfe erledigt werden.

„Man ist immer darauf angewiesen, dass man Leute in der Nähe hat, die übersetzen können. Da muss man sich dran gewöhnen, dass immer jemand dazwischen steht und man nie weiß, ob nicht vielleicht Informationen verloren gehen“, sagt Hanschke. Bei der Übersetzung könne ja immer mal etwas untergehen. Gerade bei den technischen Begriffen sei das möglich.

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 Stéphane Itasse

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, MM MaschinenMarkt