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Deutscher Mittelstand nutzt Energie-Chancen im Iran

| Autor: Stéphane Itasse

Die Baustelle für den Solarpark Saidabad von Abo Wind: Nach Fertigstellung sollen hier mehr als 4100 Solarmodule stehen.
Die Baustelle für den Solarpark Saidabad von Abo Wind: Nach Fertigstellung sollen hier mehr als 4100 Solarmodule stehen. (Bild: Abo Wind)

Die Bevölkerung wächst, die Wirtschaft auch – damit steigt im Iran der Bedarf an elektrischem Strom. Dabei ergeben sich Möglichkeiten für Energieträger, die man nicht ohne Weiteres mit dem Land in Verbindung bringt, und deutsche Mittelständler wissen sie auch zu nutzen.

Die Iran Power Generation and Transmission Company (Tavanir) erwartet künftig ein Wachstum von bis zu 5 % pro Jahr beim Stromverbrauch. Bis zum Jahr 2025 sollen deshalb die Kraftwerkskapazitäten von 76 GW auf mehr als 120 GW erhöht werden.

Staatliche Elektrizitätsgesellschaft im Iran setzt auf erneuerbare Energien

Da der Iran zu den weltweit größten Förderländern von Öl und Gas zählt, dominieren diese Primärenergieträger auch in der Stromerzeugung mit einem Anteil von weit über 80 % im Jahr 2015 (neueste verfügbare Daten). Tavanir verweist jedoch ausdrücklich auf Erneuerbare-Energien-Träger, um die Ziele im Stromsektor zu erreichen. Nach Angaben des Berliner Unternehmens RDS Energies will die iranische Regierung den Anteil erneuerbarer Energien im Strombereich bis 2020 deutlich erhöhen. Laut eigener Mitteilung hat das Unternehmen kürzlich einen Vermittlungsauftrag für ein Turnkey-Solarprojekt in der Provinz Isfahan mit 10 MW Leistung unterschrieben.

Schon weiter ist die deutsche Athos Solar GmbH mit Sitz in Heidelberg. Das Unternehmen hat zwei Freiland-Photovoltaikanlagen als erster internationaler Investor im Iran installiert und in Betrieb genommen. Wie Athos berichtet, sind die beiden Solaranlagen in der Provinz Hamedan nahe der Hauptstadt Teheran mit einer Fläche von je 10 ha die ersten ihrer Größe im Iran überhaupt. Zusammen kommen sie auf eine Leistung von 14 MWp.

Iranische Behörden zeigen sich bei Photovoltaikprojekt kooperativ

Nur neun Monate benötigte Athos Solar ab der ersten Kontaktaufnahme zu dem iranischen Projektentwickler bis zur Fertigstellung der beiden Freilandanlagen, wie es in der Mitteilung des Unternehmens weiter heißt. Und dies trotz einer anspruchsvollen Logistik: Der Großteil der Anlagen einschließlich der rund 40.000 Photovoltaikmodule von Canadian Solar musste in den Iran importiert werden.

„Es sind die ersten großflächigen Solaranlagen, die nach Aufhebung der Sanktionen im Frühjahr 2016 im Iran erstellt wurden“, erläutert Christian Linder, Geschäftsführer von Athos Solar. „Initiiert haben das gemeinsame Projekt zwei Geschäftspartner aus dem Iran und England, die auch die Projektrechte entwickelt und an die neu gegründete gemeinsame Holding veräußert haben. Wir haben das Projekt zusammen mit unseren bewährten Partnern aus Deutschland realisiert und sowohl für vorbereitende Grundstücksarbeiten wie auch für die Elektroarbeiten Firmen aus dem Iran beauftragt.“

Die Arbeit mit den iranischen Behörden und Partnern verlief reibungslos und äußerst kooperativ, wie das Unternehmen berichtet. „Es herrscht spürbar eine große Offenheit und großes Interesse für diese Art der Energieerzeugung“, sagt Linder.

Auch Projekte bei erneuerbaren Energien leiden unter Zurückhaltung der Banken

Die Zurückhaltung der Banken, die auch andere Branchen beklagen, macht sich aber auch bei den Solarprojekten bemerkbar: Die Kosten von knapp 20 Mio. Euro finanzierte Athos Solar als Investor nach eigenen Angaben komplett aus Eigenkapital. „Das ist der einzige Weg, wie sich solche Projekte im Iran momentan realisieren lassen. Eine Finanzierung über Banken ist derzeit noch nicht möglich; schon der Zahlungsverkehr ist eine tägliche Herausforderung“, berichtet der Geschäftsführer. „Unser Vorteil ist in dieser Hinsicht, dass wir über ausreichend Eigenkapital verfügen, das es uns ermöglicht, selbst ins Risiko zu gehen und solche Großprojekte auch kurzfristig umzusetzen.“

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Die Anlagen sind zugleich das erste Projekt, das Athos Solar im Nahen und Mittleren Osten umsetzt. Dabei kommt den Heidelbergern ihre Expertise im Bau von Freilandanlagen zugute. So entsprechen die Richtlinien und Standards – zum Beispiel die Umweltprüfung – denen in Europa. „Für uns war das Projekt zwar geografisch Neuland, von den Rahmenbedingungen her aber kein Schritt ins Unbekannte“, sagt Linder. Weitere Projekte im Iran und anderen Ländern der Region sind nach den guten Erfahrungen mit den beiden Anlagen in Hamedan in Planung, wie es heißt – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen bleiben stabil.

Auch der Projektentwickler für erneuerbare Energien Abo Wind ist im Iran aktiv. Ende 2017 hat das Wiesbadener Unternehmen laut eigener Mitteilung mit den Bauarbeiten für den Solarpark Saidabad in der nordiranischen Provinz Semnan begonnen. Mehr als 4100 Solarmodule und 18 Wechselrichter sind auf der Baustelle eingetroffen. Der Solarpark soll nach Abschluss der Arbeiten mit einer Leistung von 1,3 MWp ans Netz gehen. „Mit unserem ersten iranischen Projekt liegen wir gut im Zeitplan“, sagt Florian Lüders, Abteilungsleiter für internationale Projektentwicklung bei Abo Wind.

Weitere Windkraft- und Photovoltaikprojekte im Iran angestrebt

Bereits Anfang 2016 hatte das Unternehmen nach der Aufhebung internationaler Sanktionen ein Büro in Teheran eröffnet. Inzwischen sind dort zehn iranische Mitarbeiter beschäftigt. „Wir haben gelernt, worauf es bei der Beantragung von Lizenzen und Genehmigungen ankommt“, sagt Lüders. „Mit dem Solarpark in Saidabad sammeln wir nun auch wichtige Erfahrungen beim Bau. Das sind gute Voraussetzungen, um in Kürze auch größere Wind- und Solarprojekte umzusetzen.“

„Im Iran herrschen hervorragende Bedingungen für den Bau von Erneuerbaren. Es weht viel Wind, die Sonne scheint regelmäßig, es gibt große Potenzialflächen und eine staatlich garantierte Einspeisevergütung für 20 Jahre“, erläutert der Abteilungsleiter. Allerdings sind Finanzierungen in dem politisch lange isolierten Land weiterhin schwierig. Das erste Projekt im Iran finanziert Abo Wind daher zunächst aus eigenen Mitteln. Als Betreiberin des Solarparks ist die Abo Pionier AG vorgesehen. Die neu gegründete Gesellschaft soll Erneuerbare-Energien-Projekte in Ländern betreiben, in denen diese noch nicht etabliert sind oder höhere politische Risiken herrschen.

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