Werkstoff Stahl Die Ansprüche an Stahl-Werkstoffe steigen

Autor / Redakteur: Ulrich W. Schamari / Ulrike Gloger

„Heute wird eine breite Palette von Stählen unmittelbar für die Automobilindustrie hergestellt. Selbst in Bereichen der Autoproduktion, an die man nicht ohne weiteres denkt, wird Stahl eingesetzt.“ Mit diesen Worten unterstreicht Jürgen Horsthofer von den zur Schmolz + Bickenbach-Gruppe gehörenden Deutschen Edelstahlwerken die enge Verzahnung von Stahlerzeugung und Automobilfertigung.

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Horsthofer, als stellvertretender Vorsitzender in der Geschäftsführung der Deutsche Edelstahlwerke GmbH, Witten, für Technik und Sonderwerkstoffe zuständig, zeigte anlässlich der SCT-Konferenz in Wiesbaden die Vielfalt der Stähle und Dimensionen auf, die allein auf dem Feld der Edelstahllangprodukte, auf die sein Unternehmen spezialisiert ist, im Automobilbau Verwendung finden.

800 Sorten von Stahl-Werkstoffen für den Fahrzeugbau

Etwa 800 verschiedene Stahlsorten halten die Deutschen Edelstahlwerke für die Fahrzeugindustrie bereit. Dazu zählen Werkzeugstähle ebenso wie rost-, säure- und hitzebeständige Stähle. Durch genaue Einstellung der chemischen Zusammensetzung und durch besondere Herstellungs- und Prüfbedingungen werden maßgeschneiderte Verarbeitungs- und Gebrauchseigenschaften erreicht.

Viele neue Stahlqualitäten sind in Projekten entwickelt worden, die gemeinsam mit den Automobilherstellern durchgeführt wurden. „Eine beträchtliche Vielfalt an Stahlsorten ist allein schon aus dem Anwendungsgebiet des Antriebsstrangs erwachsen“, stellt Horsthofer fest. Nockenwellen, Achsen und Getriebeteile seien nur einige der zahlreichen Komponenten, für deren Herstellung spezifische Stähle eingesetzt werden.

Stahl muss hohen Anforderungen genügen

Essenziell für die Verwendung von Stählen in Antrieben sind ihre Verschleißfestigkeit, Ermüdungsresistenz und ein hoher Reinheitsgrad des Werkstoffs. Als aktuelle Anforderung kommt besonders für das Getriebe die Verringerung des Gewichts hinzu, was bedeutet, dass die Härte der Stähle in dem Maß zunehmen muss, in dem die stählernen Komponenten im Volumen abnehmen. Auch beim Motor bemüht man sich intensiv um die Gewichtsreduzierung durch leichtere, aber härtere Stähle.

„Alle Komponenten des Motormanagements werden daher aus Spezialstählen gefertigt“, so Horsthofer. Bei geringerem Gewicht müssten diese Stähle heute auch wesentlich höhere Belastungen als vor 20 Jahren aushalten. Man denke nur an die Drücke, die auf die Ventile eines modernen Hochleistungsmotors einwirken.

Der Stahlindustrie ist es laut Horsthofer durch beachtliche Anstrengungen gelungen, Werkstoffe auf einem Niveau zu entwickeln, das den gewachsenen Ansprüchen der Automobilindustrie gerecht wird. Das zeigt sich auch an der Passagierzelle eines Pkw, an die heute extrem hohe Sicherheitsanforderungen gestellt werden. Ohne die höher- und höchstfesten Stähle wären diese Sicherheitsstandards nicht einzuhalten.

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