Cebit 2017

Die Cebit an einem Tag – ein Erfahrungsbericht

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Biohacking und Edward Snowden

In Halle 8, meinem nächsten Ziel, finden die Cebit Global Conferences statt. Hier komme ich später wieder, werde mir eine Live-Schaltung zu Edward Snowden anschauen. Jetzt erst mal weiter. Aber halt, in einer Ecke gibt es doch noch etwas Spannendes zu sehen: Das sogenannte Biohacking, also das Verbessern des eigenen Körpers mit Hilfe von Elektronik. Sehr exotisch, noch. Ich (und ein Dutzend weitere Schaulustige) darf live dabei sein, als sich ein junges Mädchen einen NFC-Chip unter die Haut an der Hand implantieren lässt. Wirklich glücklich sieht sie nicht aus, aber was tut man nicht alles, um Industrie 4.0 zu sein.

Es ist schmerzhaft, ein digitaler Pionier zu sein.
Es ist schmerzhaft, ein digitaler Pionier zu sein.
(Bild: Robert Horn)

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Halle 9 gehört Salesforce, amerikanischer Anbieter von Cloud-Lösungen und besonders im bereich CRM aktiv. Ja, die ganze Halle. Und irgendwie gibt es hier alles. Stände, bei denen es um die Business Software geht genauso wie Fußballspiele mit dem FC Schalke 04, Live Konzerte und irgendwie jede Menge Heiterkeit. Alles wirkt ein wenig amerikanisch kitschig. Oder vielleicht bin ich auch nur zu deutsch.

Man kann hier zum Beispiel eine ganz süße Plüschfigur gewinnen, wenn man dann eine Art Rallye teilnimmt. Dazu gilt es, Stempel zu sammeln und dabei die ein oder andere Station in der Salesforce-Halle abzuklappern.

Erstmal raus an die frische Luft. Draußen pumpt der Salesforce-Bass Fröhlichkeit in die Außenbereiche (die Raucher wird´s freuen), ich bahne mir meinen Weg zu Halle 11. Der autonom fahrende Bus ist nirgends zu sehen.

Ein kleines Zwischenfazit: ich habe bisher acht Hallen gesehen und mein Fitness Tracker sagt, dass ich etwa 7000 Schritte gelaufen bin. Mein Rücken brennt wie Feuer, ein wenig stellt sich Müdigkeit ein. Dehalb schnell weiter in Halle 11:

Ich lande im Bereich der Scale11. Das ist der Start up Bereich der Cebit. Hier ist deutlich weniger los, anders als in allen anderen Hallen, dafür ist es zum Glück auch ein wenig luftiger ich bin sicher, gibt es sehr viele spannende Sachen zu entdecken.

Oder auch nicht.

Komisch, das kenne ich vom letzten Jahr anders. Ich gehe weiter in Halle 12 Uhr. Hier findet sich die Welt der Reseller. Ein großer Teil davon chinesische Verkäufer. Eine düstere Welt aus kitschig-bunten, grellfarbenen Ständen und finster und gelangweilt auf Smartphone starrende Asiaten. Zu holen gibt es hier für mich nichts.

Willkommen in Japan, Teil 2

Und dann ist er da plötzlich, der Japan-Pavilion. Stolze 12.000 Quadratmeter, die gar nicht so aussehen, gedrängt ins letzte Eck der Halle 12. Und, das freut aus Sicht eines Maschinenmarkt-Redakteurs, vollgestopft mit Unternehmen die auf einer Cebit eigentlich weniger zu finden sind, etwa Yaskawa oder Kawasaki Robotics oder Yamaha Electric. Es geht das Gerücht, raunt man mir später im Pressezentrum zu, dass ein hohes Tier aus der japanischen Regierung japanische Unternehmen dazu angewiesen hat, auf der Cebit Flagge zu zeigen. Ob sie etwas mit Digitalisierung zu tun haben, oder nicht. Es macht die Messe auf jeden Fall ein bisschen spannender.

Wer Roboter im Einsatz sehen will, sollte den Japan-Pavillon aufsuchen.
Wer Roboter im Einsatz sehen will, sollte den Japan-Pavillon aufsuchen.
(Bild: Robert Horn)

Eine Currywurstpause weit er später geht es weiter. Halle 16 ist vollgestopft mit mit chinesischen Hardware Anbietern. Hier gibt es alles: Von Monitoren über Batterien bis zu Handydisplays, Fitnesstracker, batteriebetriebene Klingeln, Kassensysteme, Geldautomaten, Computerzubehör, smarte Fahrradhelme, Kopfhörer, Adapter, Tastaturen, Gamecontroller, Computermäuse, Kopfhörer, Modems, Voice-over-IP-Anwendungen, Gateways, Handyhüllen, 3D-Drucker, Laptops ... Uff.

Plötzlich bin ich hier raus aus dem Elektronikdschungel und mittendrin in der Drohnenhalle. Diesen Bereich gibt es erst seit Oktober letzten Jahres, die Bedeutung der fliegenden Helfer ist seitdem aber stetig gewachsen. Die Halle wird beherrscht von einem riesigen abgesperrten Bereich, in dem professionelle Drohnenflieger Rennen veranstalten. In anderen Ländern ist das schon eine Riesensache, mit Live-Übertragungen, hohen Preisgeldern, und professionellen Piloten. Das Areal wird auch von den Herstellen selber genutzt, um ihre Drohnen dem Publikum vorzuführen. Ein hohes Summen begleitet einen hier Schritt auf Tritt.

Drumherum gibt es Drohnen jeder Größe und für jeden Zweck zu bestaunen. Kleine Flitzer fürs Hobby, größere wie die der Marke DJI zum Fotografieren und Filmen im Amateur bis Halb-Profibereich, industrielle Drohnen mit aufwendigen Gimbal-Systemen, die zur Wartung eingesetzt werden können, oder, ausgestattet mit Wärmebildkameras, zur Suche nach Vermissten.

Viel Platz zum Ausprobieren bietet der VR Bereich, der in derselben Halle angesiedelt ist. Hier tummeln sich vor allem Startups wie realities.io, dass es Usern per VR-Brille ermöglicht, exotische Orte auf der ganzen Welt zu bereisen und sich dort virtuell umzuschauen.

Hier findet man vor allen Dingen Startups. Man merkt, dass die VR-Branche noch jung ist und nach Ideen sucht. Es gibt viele nette Anwendungen, das meiste sind jedoch Spielereien. Besonders industrielle Anwendungen sind noch Mangelware. Aber, gerade im Bereich der Augmented Reality tut sich einiges, hier werden bereits Systeme zur Fernwartung eingesetzt.

Ich beende meinen Hallenrundgang, dankbar, dass jetzt der Teil des Tages kommt, den ich sitzend verbringen darf: Ich werde mir auf den Global Conferences Edward Snowden ansehen. Und davor noch Raimund Genes, CTO von Trend Micro. Ehrlicherweise bin ich nur hier, weil ich für Snowdens Auftritt einen guten Platz haben will. Eine Fehleinschätzung: Genes zerstört auf erfrischende Art und Weise, untermalt von zynischem Humor, die Mythen, die sich um Cybersecurity und Antivirenschutz drehen. Die Videoempfehlung weiter unten geht auf sein Konto.

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