Nachholbedarf

Die „digitalen Muskeln“ der deutschen KMU haben Trainingsbedarf

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Lieber Kosten senken als Neugeschäfte ankurbeln

Noch werde Digitalisierung häufig als Pflichtaufgabe begriffen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Förderer mit Blick auf das Barometer: „Wenn überhaupt digitalisiert wird, zielt knapp die Hälfte der Unternehmen heute auf Kostenreduktion oder Prozessverbesserungen.“ Dagegen haben erst ein Viertel der Unternehmen umsatzsteigernde Initiativen wie das Erschließen neuer Geschäftsfelder im Blick, wie es weiter heißt. Doch die Untersuchung ließe schon ein Umdenken erkennen, das sich bei der nächsten Auflage des Fortschrittsbarometers im kommenden Jahr manifestieren dürfte. Denn gefragt nach einer 2-Jahres-Perspektive, werden die Ziele Kostenreduktion und Umsatzsteigerung praktisch gleich stark priorisiert, wie sich zeigt. Die Studie zeigt, dass die Unternehmen sehr bedacht und kostenbewusst vorgehen, fasst Förderer zusammen. Doch bei allem Effizienzstreben dürften die Chancen der digitalen Transformation für das Neugeschäft nicht unterschätzt werden. Der Experte merkt an: „Wir möchten als Bildungspartner ermuntern, in guten Zeiten Technologieexperimente zu wagen und in die Transformation zu investieren.“

Wer sich unsicher ist, sollte externe Berater konsultieren

Gefragt nach Erfolgsfaktoren, nennen 87 Prozent die Rückendeckung der Unternehmensleitung an oberster Stelle. Die Einbindung der Beschäftigten sehen 65 Prozent als wichtig an. Klare Ziele (64 Prozent) und eine systematische Überführung von Pilotprojekten (54 Prozent) werden ebenfalls als bedeutend erachtet. Überraschend aus Sicht der TUM-Experten ist hingegen, dass das Messen von Zielgrößen und das Einbinden externer Kompetenzen jeweils nur 36 Prozent der Verantwortlichen als erfolgskritisch betrachtet werden. Förderer kommentiert: „Durch fehlende Messbarkeit sinkt die Durchsetzungskraft. Es mangelt zudem an Planungssicherheit und Argumenten für die Nachfinanzierung.“ Kräfte zu bündeln und externe Berater einzubinden, bringe in der Praxis außerdem Vorteile. Unternehmen sollten also hinterfragen, ob sie eine Transformation tatsächlich allein in die Hand nehmen wollten.

Ein wichtiger Faktor bei der Digitalisierung heißt Fehlerkultur

Einige Vorreiter beschreiben in den Interviews der Studie offen, welche Erfolgsfaktoren sie selbst erleben und wo Hemmnisse bestehen. Es kommt auf Mut und Geschlossenheit an, sagt Timo Gessmann, Chief Technology Officer (CTO) der Schunk SE & Co. KG aus Lauffen am Neckar. Man müsse die eigene Fehlerkultur weiterentwickeln und schnell lernen, wie neue Technologien zielgerichtet weiterentwickelt werden könnten. Als Maschinenbauer gelte es umzudenken, denn Software ließe sich eben nicht mal fix in der Betriebsschlosserei entwickeln. Für Schunk geht es nach Aussage von Gessmann heute darum, in Partnersystemen zu denken und Digitalisierung als kontinuierlichen Prozess zu begreifen, der alle im Unternehmen angeht. Dr. Christoph Geier, Director Digital Transformation der TUM Campus Heilbronn gGmbH und Co-Autor des Fortschrittsbarometers, bestätigt diese Erfahrungen: „Das Ziel sollte sein, den digitalen Muskel zu trainieren, den Wert von Technologie zu erkennen – und Lust auf Transformation zu generieren.“ Der nächste Punkt behandelt die Bremsklötze, die dem Zug der Digitalisierung die Anfahrt erschweren.

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