Digitalisierung im Werkzeugbau

Die Digitalisierung nicht großen Playern überlassen

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Denk- und Arbeitsweisen grundlegend verändern

Um die digitale Transformation erfolgreich mitgestalten zu können, bedarf es nicht lediglich neuer Technologien und innovativer Produkte. „Wir müssen auch unsere Denk- und Arbeitsweisen grundlegend verändern: Nicht durch Silodenken, sondern durch Kollaboration und Vernetzung mit unseren Kunden, Partnern und Zulieferern machen wir intelligente Fertigung, neue Bearbeitungsmethoden und innovative Lösungen zu einem echten Geschäftsvorteil und bieten unseren Kunden Mehrwert für die Zukunft“, sagt Dr. Niklas Kramer, Director Product and Industry Segment Management, Sales Area Central Europe, Sandvik Tooling Deutschland GmbH. Als Herausforderung identifiziert Kramer die Kompetenzlücke und die Jagd nach den besten Köpfen in den Bereichen Software, Datenanalyse und Digitalisierung. Kunden will man über ein erweitertes Angebot und neue Geschäftsmodelle ins Boot holen. „Die größten Vorteile sehe ich im Mehrwert, den wir unseren Kunden bieten können – von der Konstruktion über die Planung bis hin zur Fertigung und Analyse. Die Digitalisierung eröffnet uns neue Geschäftschancen und lässt uns Wege finden, unsere Kunden über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu bedienen – die Daten, die Software und die Technologie sind vorhanden“, ergänzt Kramer.

Um mit neuen Ideen und intelligenten Konzepten das Entwicklungspotenzial zu nutzen, setzen Sandvik selbst und auch zahlreiche Kunden in der Fertigung zunehmend auf digitale Modellierung und Simulation – bei der Entwicklung komplexer Produkte und Produktionssysteme ebenso wie bei der Werkzeugprüfung und Fertigungsplanung. Mit Blick in die Zukunft wird der Werkzeugbauer weiterhin in die kontinuierliche Verbesserung seiner Werkzeuge investieren und gleichzeitig die F&E-Ressourcen hinsichtlich Zerspanungsstrategien, Methoden und Programmierung erhöhen. „Das ist ein Bereich, in dem wir wirklich innovativ sein können. Darüber hinaus suchen wir nach innovativen Lösungen zur Datennutzung, Verwertbarkeit und Verfügbarkeit“, ergänzt Kramer.

Überforderung und Verständnisprobleme

Auf die Frage, wie der Entscheidungsprozess hin zur Digitalisierung aussehen kann, gibt Kramer zu bedenken: „Die Digitalisierung führt in den Unternehmen tendenziell zu Überforderung und Verständnisproblemen. Ich empfehle unseren Kunden immer, nur schrittweise vorzugehen. Es ist unklug, sich zu viel vorzunehmen, wenn man nicht über unbegrenzte Ressourcen verfügt. Nach der Identifizierung konkreter Bereiche, in denen die Digitalisierung den größten Nutzen bringt, sollte man dort beginnen.“ Um sich auch in Zukunft eine starke Position im digitalen Umfeld zu sichern, spricht Kramer von Offenheit, von Mut und der Fähigkeit, neu zu denken, kreativ, vorausschauend und mit der Bereitschaft, Erreichtes ständig zu hinterfragen und zu optimieren.

Von der Notwendigkeit von Offenheit und Transparenz in der Werkzeugindustrie und der Anwenderbranche spricht auch Eugen Bollinger, Vertriebsleiter bei TDM Systems: „Die Herausforderung ist, besser einschätzen zu können, welche Daten man wirklich benötigt, um effizienter und agiler zu werden. Ohne diese Offenheit wird die Industrie-4.0.-Rechnung nicht aufgehen, insbesondere nicht bei kleinen und mittleren Unternehmen.“ TDM Systems bietet Softwarelösungen und Services rund um die Verwaltung von Werkzeugdaten für Unternehmen der zerspanenden Industrie an – von der Einstiegsanwendung für kleinere Betriebe bis zu komplexen Lösungen für global agierende Konzerne, in der Cloud oder on-premises.

Bei der Entwicklung der Produkte und Lösungen arbeitet TDM Systems eng mit seinen Kunden zusammen. Was entscheidend für die effiziente Weiterentwicklung der Software ist. „Wir müssen wissen, welche Fragen sich unsere Kunden stellen, um die passenden Lösungen zu entwickeln: Wie kann ich meine Prozesse und Systeme bei der Planung und Fertigung sicher und nachhaltig vernetzen? Wie generiere ich eine einheitliche und immer aktuelle Datenbasis? Wie erhöhe ich meine Produktivität, die Qualität meiner Prozesse und wie reduziere ich Kosten?“, sagt Bollinger und fährt fort: „Für die zerspanende Industrie ist die digitale Transformation die größte Herausforderung – wie auch für alle anderen Branchen. Unsere Branche ist jedoch eher konservativ und die meisten Unternehmen nutzen allenfalls einen geringen Bruchteil der Möglichkeiten, die digitale Lösungen heute schon bieten.“ Es fehle zerspanenden Unternehmen schlichtweg an Überblick, welche und wie viele Werkzeugkomponenten oder Komplettwerkzeuge sie im Einsatz beziehungsweise auf Lager haben. „Hier müssen wir ansetzen, denn ein zentraler Aspekt von Industrie 4.0 ist das schnelle Reagieren auf Veränderung. Wir müssen die sich stellenden Fragen offen diskutieren, wie mit der unzähligen Masse an Daten sinnvoll umgegangen werden kann und wie die Sicherheit der eigenen Daten gewährleistet wird, wenn alle Systeme und Maschinen vernetzt sind. Transparenz ist hier enorm wichtig“, schließt Bollinger.

Daten durchgängig vorhalten

Dabei ist nicht nur die Quantität, sondern insbesondere im Umfeld der Digitalisierung die Qualität der Daten von ausschlaggebendem Charakter. Mapal nennt diese als wesentliche Herausforderung im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Denn will man digitale Lösungen etablieren, komme den Unternehmen erst einmal die Aufgabe zu, ihre Daten durchgängig, eindeutig und korrekt vorzuhalten. „Denn was einer konsequenten Umsetzung von Digitalisierungs- und Vernetzungsprojekten oft im Weg steht, sind nicht nur die IT-Infrastrukturen sondern vor allem die Qualität der vorhandenen Daten. Und ohne die passenden Daten braucht man gar nicht erst über Industrie 4.0 nachdenken“, sagt Giari Fiorucci, Vice President Services, Mapal. Als weitere Herausforderung nennt er fehlende Standards. „Oftmals fehlt bei vielen angebotenen Lösungen zudem die Vision einer umfassenden Digitalisierung der gesamten Lieferkette beziehungsweise einer Vernetzung aller Beteiligten“, so Fiorucci weiter. Es fehle die Möglichkeit zu einem weiteren, umfassenden Ausbau, wie es für eine durchgängige Digitalisierung erforderlich sei. Beim Thema Digitalisierung setzt Mapal vor allem auf die Open-Cloud-Plattform c-Com, die nicht nur für interne Abläufe und Projekte zum Einsatz kommt, sondern auch die Basis für neue Lösungen stellt. Mit der c-Com GmbH hat Mapal ein agiles Start-up, das analog zur IT-Branche schnell reagiert. Damit hat Mapal die Möglichkeit, Dinge schnell und unkompliziert ausprobieren zu können.

Im Zusammenhang mit hochautomatisierten, vollständig vernetzten und autonom agierenden Fertigungssystemen werden auch Spannmittel künftig eine wesentliche Rolle übernehmen. Sowohl Werkzeughalter als auch stationäre Spannmittel und Drehfutter befinden sich closest to the part. Damit ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur Erfassung von Werkstück- und auch Prozessdaten, die bislang nicht oder nicht vollständig genutzt werden. „Unser Ziel ist es, das ,Wissen' dieser Spannmittel zu nutzen und damit Daten des Prozesses aufzunehmen. Zudem sollen bei Abweichungen vom Ideal automatisch in Echtzeit entsprechende Reaktionen ausgeführt oder im Gesamtsystem ausgelöst werden“, sagt Henrik A. Schunk, Geschäftsführender Gesellschafter der Schunk GmbH.

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