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Digitalisierung im Werkzeugbau

Die Digitalisierung nicht großen Playern überlassen

| Autor: Victoria Sonnenberg

Für die Werkzeugbranche wird die weitere Vernetzung von Maschine, Werkzeug und Umgebung sowie cloudbasierte Lösungen zur datengestützten Überwachung von Werkzeugen, Maschinen und Fabriken immer wichtig werden.
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Für die Werkzeugbranche wird die weitere Vernetzung von Maschine, Werkzeug und Umgebung sowie cloudbasierte Lösungen zur datengestützten Überwachung von Werkzeugen, Maschinen und Fabriken immer wichtig werden. (Bild: Sandvik)

Die digitale Transformation beherrscht auch den Werkzeugbau und seine Kunden. Der Markt digitaler Lösungen ist vielfältig, gleichzeitig unübersichtlich und verlangt nach Orientierung. Auch hier gilt es, den Kunden bereits sehr früh in die Entwicklung miteinzubeziehen.

Dass Zerspanungsspezialisten mit fast hundertjähriger Tradition sich Trendthemen wie der Digitalisierung umfangreich annehmen können, stellt die Walter AG unter Beweis. Viele der Anwendungen, die der Werkzeugspezialist für sich selbst entwickelt oder eingekauft hat, wurden auch zu Produkten für Kunden weiterentwickelt. Da es bislang an Anwendungsfällen mangelt, die es auch ermöglichen, die Wirtschaftlichkeit des Prozesses anhand realer Daten aus der Produktion einzuschätzen, probiert Walter selbst viel aus und experimentiert mit Software und anderen Digitalisierungslösungen, die grundsätzlich interessant beziehungsweise relevant sein können.

Dafür nutzt Walter in seinem Technology Center mitunter ein Testlabor für digitale Anwendungen unter Realbedingungen, die man auch für die eigene Produktion testet. Dort hat sich der Werkzeugspezialist für sich und seine Kunden eine Infrastruktur errichtet, die viel Raum für strukturiertes Ausprobieren bietet.

Fehler dürfen und müssen gemacht werden

„Mindestens genauso wichtig wie eine aktuelle technologische Infrastruktur ist die Haltung, die ein Unternehmen an die Mitarbeiter kommuniziert. Im Umgang mit digitalen Lösungen haben wir bei Walter deswegen eine Kultur und Philosophie etabliert, die Fehler als notwendigen Schritt hin zu einem neuen Produkt oder einem besseren Prozess sieht. Fehler dürfen und müssen gemacht werden, um letztlich innovative Lösungen zu entwickeln“, sagt Florian Böpple, Manager Digital Manufacturing (Industrie 4.0) bei der Walter AG.

Trends und Entwicklungen sieht Böpple in individueller Prozessoptimierung und praxisnahen Lösungen anstelle massiver Komplettlösungen. „Riesige Datenmengen erfassen und darstellen, nur weil es technisch möglich ist, einen digitalen Zwilling für alles und jedes im Prozess erstellen, ohne Idee für die konkrete Relevanz im Produktionsprozess – das bringt insbesondere mittelständischen Unternehmen nichts“, erklärt Böpple. Walter fokussiert sich auf Digitalisierungslösungen, die ganz praktisch die Probleme und Herausforderungen in der Produktion adressieren – und das ohne massive Investitionen in Soft- und Hardware.

Hype um den digitalen Zwilling

„Insbesondere was Produktionsassistenz-Software betrifft, ist der Markt gerade ziemlich dynamisch, aber – typisch für Software – auch sehr unübersichtlich. Im Moment gibt es unglaublich viele Möglichkeiten beziehungsweise Produkte, um Daten aus der Produktion zu erheben, dazu kommt der Hype um den digitalen Zwilling“, so Böpple weiter.

Bei den eigenen Kunden werden starke Unterschiede im Grad der Digitalisierung festgestellt. „Vor allem die großen Unternehmen beziehungsweise First- und Second-Tier-Zulieferer sind in vielen Bereichen schon sehr weit, was die Digitalisierung der Produktion und der Beschaffung angeht“, erläutert Böpple. Genau da setzt Walter an, da sich aus dem Live-Feedback der Kundenanwendung oft weitere Entwicklungsmöglichkeiten für digitale Produkte ergeben, die dann auch ins Portfolio genommen werden.

Auf der anderen Seiten zählt der Werkzeughersteller aus Tübingen nicht wenige Kunden, für die Digitalisierung oder Industrie-4.0-Szenarien noch nicht wirklich relevant sind und in dem Umfang auch vielleicht nie werden, wie das bei großen Unternehmen der Fall ist. „Aber gerade für solche Unternehmen liegen schon in kleineren Digitalisierungsschritten einige Effizienzgewinne. Oft fehlen aber das notwendige Know-how und auch die nötigen personellen Ressourcen“, heißt es weiter. Hier übernimmt Walter eine wichtige Funktion als Prozessberater. Kurz: Hoch integrierte IT-Umgebungen auf der einen Seite, auf der andern Seite IT und Digitalisierung als eher lästiges „Muss“ – für Walter stellt das besonders im Vertrieb von digitalen Lösungen einen gewissen Spagat dar.

Digitalisierung selbst in die Hand nehmen

Mit Blick auf die gesamte Branche sieht Böpple noch viel Luft nach oben: „Viele Werkzeughersteller folgen uns auf unserem Weg, die Digitalisierung selbst in die Hand zu nehmen und sie nicht den großen Playern zu überlassen.“ Gleichzeitig spürt man eine gewisse Müdigkeit dem Thema gegenüber: So soll bei vielen Zuhörern das Interesse an digitalen Lösungen merklich sinken, sobald der Begriff Industrie 4.0 fällt.

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