Zeitarbeit

Die Kräfte haben sich hin zum Mitarbeiter verschoben

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Wie ist im industriellen Mittelstand die prozentuale Verteilung zwischen Stammbelegschaft und Zeitarbeitnehmern?

Graf: Da sollten wir nach der Qualifikation differenzieren. Der Anteil von Zeitarbeitskräften beträgt in Deutschland 2% der Erwerbstätigen, was im Vergleich zum internationalen Durchschnitt sehr wenig ist. In der Produktion kann ich mir einen Anteil von bis zu 20% vorstellen, in der Forschung & Entwicklung rund 10%. Aber davon sind wir heute in Deutschland weit entfernt.

Traub: Häufig wurde in Betriebsvereinbarungen das Maximum festgelegt. Der Anteil schwankt zwischen 5 und 25%. Je spezialisierter die Leute sein müssen, umso niedriger wird dieser Prozentsatz sein. Wenn Sie Standardmaschinen fertigen, ist flexibles Personal selbstverständlich einfacher anzulernen und einzusetzen.

Dauch: Mittelständler greifen immer häufiger auf Zeitarbeit zurück, um ihre Flexibilität zu verbessern. Vor fünf Jahren war dies noch ein Thema für Konzerne. Entsprechend sind wir Personaldienstleister in der Lage, sowohl eine einzelne Überlassung zu tätigen als auch Hunderte von Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen.

Polak: In anderen europäischen Staaten haben sich Personaldienstleister eine Position erarbeitet, in der sie über die verschiedensten Rekrutierungswege die geeigneten Mitarbeiter für ihre Kunden finden und sie ähnlich entlohnen wie das Stammpersonal. Damit entfällt aber der in Deutschland oft geäußerte Vorwurf, Zeitarbeit würde zum Lohndrücken eingesetzt. Wenn wir es schaffen, in der öffentlichen Diskussion unsere Fähigkeiten in den Vordergrund zu rücken, flexibel und effizient Personal zur Verfügung stellen zu können, kommen wir auch von diesen Vorwürfen los.

Viele Mittelständler produzieren in Zweigwerken in Osteuropa. In wie weit sind Sie grenzüberschreitend für Ihre Kunden tätig?

Graf: Das Volumen des grenzüberschreitenden Recruitings – des perfect Match around the wold - steigt. Anders als Konzerne - und völlig ungerechtfertigt - hegen Mittelständler jedoch häufig Vorbehalte gegenüber grenzüberschreitender Personalgewinnung. Darüber hinaus unterstützen wir Mittelständler mit unserem zweiten Standbein - die Personalvermittlung. Wir sind ihre verlängerten Werkbänke wenn es um Fach- und Führungskräfte geht.

Polak: Internationalität spielt auch bei uns eine Rolle. Einer unserer Kunden ist ein bedeutender Spezialmaschinenbauer. Er entsendet von uns entliehene Inbetriebnehmer ins Ausland. Das ist rechtlich unproblematisch, weil der Entleihbetrieb ein deutsches Unternehmen ist, das im Rahmen von Montagetätigkeiten die Mitarbeiter mit ins Ausland nimmt, entsprechend honoriert und auch die Fürsorgepflicht stellvertretend für uns wahrnimmt.

Traub: Wir sind auf den deutschen Markt spezialisiert. Ich sehe im Mittelstand auf jeden Fall Potenzial für internationale Services, weil immer sehr viel vor Ort ausgehandelt wird. Einige unserer Kunden fragen an, ob wir für sie den europäischen Markt oder gar ihre weltweiten Aktivitäten abdecken – wofür Standorte im Ausland natürlich Voraussetzung sind.

Dauch: Es schlummert auch ein großes Potenzial in den Migranten im Inland. Wir haben viele als Hilfskräfte eingestellt, deren Abschlüsse nicht anerkannt wurden. Wenn in diesem Jahr die Anerkennung von Berufs- und Bildungsabschlüssen erleichtert wird, bergen wir damit einen Schatz an kaufmännischen und gewerblichen Qualifikationen.

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