Zeitarbeit

Die Kräfte haben sich hin zum Mitarbeiter verschoben

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Mittlerweile zeichnet sich in der Politik ein breiter Konsens für einen Mindestlohn in der Zeitarbeitsbranche ab. Was bedeutet dies für Sie?

Polak: Ich gehe davon aus, dass es zum Mindestlohn kommen wird, aber nicht zu einem gesetzlichen Equal-Pay-Gebot. Zum einen ist Equal Pay formaljuristisch kaum umsetzbar, weil es in die Tarifautonomie der Sozialpartner eingreift. Zum anderen werden uns Betriebe zunehmend auffordern, höhere Entgelte zu zahlen, weil sie Personal mit klaren und spezifischen Anforderungen benötigen.

Graf: Bei Höherqualifizierten haben wir bereits jetzt in Osteuropa ein mit dem Westen vergleichbares Gehaltsgefüge. Ich glaube nicht, dass diese Region eine gute Quelle für neue Talente darstellt, weil andere Länder das Potenzial schon viel früher entdeckt haben. Deutschland ist ein Land mit exzellenten Autobahnen, auf denen die osteuropäischen Facharbeiter in die Niederlande und nach Großbritannien weiterfahren

Traub: Ich denke, die Mindestlohndiskussion geht von falschen Voraussetzungen aus, da sie nur die untersten Lohngruppen betrifft. Wir reden hier über Facharbeiter und Ingenieure. Selbst wenn in Deutschland ein Mindestlohn eingeführt wird, steht der Verdienst für den ausländischen Arbeitnehmer und auch die Marge für den ausländischen Personaldienstleister in keinem günstigen Verhältnis zu den Kosten für Reise und Unterkunft. Die Rechnung geht nicht auf.

Dauch: Die Vorstellung, dass nach dem Öffnen der Grenzen lauter Menschen quasi über Nacht bei uns arbeiten wollen, die unsere Sprache nicht beherrschen, wird nicht Wirklichkeit werden. Aber wir müssen unsere Mitarbeiter schützen, die ein Recht auf faires Entgelt haben. Deshalb hoffe ich, dass die Politik eine Branchenregelung bei den Löhnen und Gehältern durchsetzt.

Für Manpower und Randstad ergäben sich neue Geschäftsfelder, wenn sie in Osteuropa über die dortigen Tochtergesellschaften Arbeitskräfte für Deutschland rekrutieren können.

Dauch: Wir hätten zwar theoretisch dazu die Möglichkeit, stehen aber zu 100% zu unserem Tarifvertrag mit den DGB Gewerkschaften und haben weder die Möglichkeit noch das Interesse, unsere Mitarbeiter schlechter zu stellen. Die Gesundheits- und Pflegeberufe zeigen, dass der Bedarf in den Heimatländern in einigen Branchen so hoch ist, dass die ausländischen Fachkräfte nicht bereit sind, bei uns zu Niedriglöhnen zu arbeiten. Der deutsche Arbeitsmarkt muss finanziell attraktiv sein, damit gut ausgebildete Arbeitskräfte den Weg zu uns finden.

Graf: Als starker Unterstützer des Tarifvertrags unternehmen wir keinerlei Aktivitäten, ihn zu unterlaufen. Bereits jetzt spiegeln die dort festgelegten Gehaltsuntergrenzen häufig nicht mehr die Wirklichkeit wider. In einigen Regionen bezahlen wir auch im untersten Lohnniveau übertariflich.

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