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Wie ist die Verteilung zwischen Helfern und Fachkräften bei den Zeitarbeitskräften in Ihrer Branche?
Lindner: Zeitarbeitskräfte finden sich eher bei den gering- oder unqualifizierten Tätigkeiten, nicht bei Facharbeitern und Ingenieuren. Allerdings entwickelt sich der Trend in die gegenläufige Richtung. Das liegt auch daran, dass viele Menschen andere Lebensarbeitsvorstellungen als frühere Generationen haben und Flexibilität als eine Chance statt als Risiko sehen. Mittlerweile werden immer öfter hochqualifizierte Konstrukteure und Ingenieure für Projekte nachgefragt.
Aufgrund der sinkenden Arbeitslosigkeit finden jetzt auch wieder Menschen eine Stelle in der Zeitarbeit, die vorher kaum zu vermitteln waren. Heißt dies, dass die Produktivität von Zeitarbeitnehmern sinkt?
Lindner: Ja, das bringt die Entwicklung mit sich. Ich glaube, es wird in der Diskussion häufig unterschätzt, dass auch bei weniger qualifizierten Tätigkeiten die Produktivität von Leiharbeiter und einem Helfer aus der Stammbelegschaft gleich sein muss. Wenn ein Mitarbeiter dasselbe verdienen will wie sein Kollege, muss er auch denselben Beitrag zur Wertschöpfung liefern.
Das ist nicht nur eine Frage der Eingangsqualifikation, sondern auch der Dauer der Einarbeitung. Diese braucht im Maschinenbau tendenziell mehr Zeit als in anderen Branchen, in denen Sie beispielsweise viele Montagearbeitsplätze haben.
Der zunehmende Arbeitskräftemangel, die Einführung eines Mindestlohns sowie die gestiegene Verhandlungsmacht der DGB-Gewerkschaften in der Zeitarbeitsbranche werden Personaldienstleistungen verteuern. Sind Leiharbeitnehmer dann noch für den Maschinenbauer attraktiv?
Lindner: Wir werden uns grundsätzlich in Deutschland mit der Lohnentwicklung auseinandersetzen, weil wir auf einen Arbeitskräftemangel zusteuern. Angebot und Nachfrage steuern die Höhe der Löhne, und wenn das Arbeitsangebot knapper wird, schlägt sich das zuerst bei den Fachkräften nieder, aber irgendwann steigen auch die Entgelte bei Leiharbeitern und Helfern.
Die Frage ist nur, wie die Firmen reagieren, etwa wenn sie noch mehr einfachere Tätigkeiten ins Ausland verlagern. Am Ende muss der Kunde uns alles bezahlen.
Wenn er aber nicht dazu bereit ist, weil die ausländischen Wettbewerber günstiger sind, nützen uns die ganzen Überlegungen in Deutschland nichts. Wir müssen vielmehr mit unserer Kostenstruktur so aufgestellt sein, dass wir im internationalen Wettbewerb und damit beispielsweise auch gegenüber chinesischen Unternehmen bestehen können.
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