Hannover-Messe 2008 – Hermes-Award Direct-Pipe-Verfahren von Herrenknecht vereinfacht Rohrvortrieb

Redakteur: Helmut Klemm

Voraussichtlich bis 2016 arbeiten sich die Tunnelbohrmaschinen noch durch das Gotthard-Massiv in der Schweiz – diese Kolosse mit Bohrköpfen von über 9 m Durchmesser haben langfristig einen sicheren Job, aber sie sind keineswegs die spektakulärsten Exemplare aus der Produktfamilie der Herrenknecht AG in Schwanau.

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Der sogenannte Pipe Thruster umklammert die fertige Versorgungsleitung mit dem Bohrkopf an der Spitze und schiebt sie durch das Erdreich.Bild: Herrenknecht
Der sogenannte Pipe Thruster umklammert die fertige Versorgungsleitung mit dem Bohrkopf an der Spitze und schiebt sie durch das Erdreich.Bild: Herrenknecht
( Archiv: Vogel Business Media )

Im Frühjahr 2006 lieferte das Unternehmen zum Beispiel Maschinen mit Bohrköpfen von über 15 m Durchmesser nach Shanghai, mit denen derzeit noch unter dem Yangtze-River die weltweit geräumigsten Autobahntunnel vorgetrieben werden; und im Herbst 2007 meldete Herrenknecht Vollzug eines Projekts, das am eher entgegengesetzten Ende des Produktspektrums Zeichen setzte. Innerhalb von nur 13 Tagen ist da bei Worms eine über 400 lange Versorgungsleitung mit 1,3 m Durchmesser unter dem Rhein durchgeführt worden.

Bohren und Vortrieb des Rohres bisher nicht möglich

Bei diesem Projekt wurde erstmals ein Verfahren angewandt, das bei Herrenknecht Direct Pipe genannt wird und das bei der Jury des Hermes-Awards Anerkennung fand und als preiswürdiger Kandidat nominiert wurde. Diese Auszeichnung honoriert vor allem, dass die unterirdische Verlegung der Rohrleitung in einem einzigen Arbeitsgang erfolgt; das heißt: Erstellen des horizontalen Bohrlochs und Vortrieb des vorgefertigten Rohrstrangs geschehen gleichzeitig. Bisher sei das nicht möglich gewesen, heißt es.

Das neue Verfahren kombiniert laut Herrenknecht Vorteile der etablierten Verlegeverfahren, bei denen je nach Bodenbeschaffenheit und sonstigen Umständen stets zwei- oder mehrstuftig vorgegangen wird. Beim sogenannten HDD-Verfahren (Horizontal Directional Drilling) erfolgt zum Beispiel zunächst eine Pilotbohrung, dann eine Aufweitung und schließlich – im dritten Arbeitsschritt – werden Rohre oder Kabelkanäle eingezogen.

Oft arbeiten Tunnelbauer auch mit speziellen Vortriebsrohren, die nach dem Einführen von Versorgungsleitungen als Mantelrohr verbleiben, aber auch demontiert werden können.

Bohrkopf an der Spitze einer Versorgungsleitung

Beim Direct-Pipe-Verfahren sitzt der Bohrkopf bereits an der Spitze der echten Versorgungsleitung, die bei dem Projekt in Worms rund 10 m unter dem Rheinbett in einem einzigen Arbeitsgang unter ständiger Vermessung der Position durch ein Gemisch von Schluff, Sand und Kies geschoben wurde. Die Schubkraft brachte ein Pipe Thruster auf, eine Schubeinheit, die das Rohr umklammert und in das Erdreich vortreibt. Der Abraum wurde über einen Spülkreislauf entfernt.

Das Rohr setzt sich aus 11 m langen Teilstücken zusammen, die erst vor Ort zusammengeschweißt wurden. Die installierte 48-Zoll-Rohrleitung umhüllt ein Wasserrohr mit 60 cm Durchmesser und zwölf Rohre für Energie- und Kommunikationskabel.

Herrenknecht AG, Halle 27, Stand E45

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