Supply-Chain-Trends Dringender Nachholbedarf: Lieferketten als kritische Infrastruktur

Von Mauro Adorno

Jedes Land ist davon betroffen, viele Menschen und Organisationen reden darüber, aber nur wenige handeln. Die Rede ist vom Aufbau einer robusten, globalen und durchgängigen Lieferketteninfrastruktur. Dabei ist sie für den Fortschritt von grundlegender Bedeutung.

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Die Technologie, um eine kritische Infrastruktur für eine globale End-to-End-Lieferkette aufzubauen stehen zur Verfügung.
Die Technologie, um eine kritische Infrastruktur für eine globale End-to-End-Lieferkette aufzubauen stehen zur Verfügung.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Im Jahr 2021 hatten die Lieferketten mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen. Die Dinge sind nicht zur Normalität zurückgekehrt, wie viele Ende 2020 gehofft hatten. Anstatt dass sich die Auswirkungen von Corona auf die globale Lieferkette abschwächten, wurden sie durch das Zusammentreffen mehrerer Millionen von Bullwhip-Effekten erheblich verstärkt. Dies führte zu Engpässe in den Lieferketten für Produkte und deren Komponenten – von Halbleitern über Autoteile bis hin zu Kaffeebohnen.

Hinzu kam, dass so viele Unternehmen angesichts der Schwierigkeiten ihre Supply-Chain-Planung völlig aufgegeben hatten und damit die Situation noch verschlimmerten. Die Auswirkungen waren weitere globale Unterbrechungen, Bestandsaufstockungen, falsche Bestandsmischungen und Lieferkettenengpässe. Und diese Folgen dauern auch weiterhin an – analog könnte man hier auch vom Long Covid der Lieferkette sprechen.

Die Auswirkungen dieser Verkettungen sind sogar noch schlimmer als die Situation selbst. Zum ersten Mal in der Geschichte sind laut führender Finanzexperten Unterbrechungen der Lieferkette direkt für steigende Inflationszahlen weltweit verantwortlich. Dabei trifft die Inflation diejenigen mit den niedrigsten Einkommen meist am härtesten, was zu sozialen Unruhen und Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit führen kann. Deshalb müssen diese Lieferketten-Herausforderungen angegangen werden. Die gute Nachricht: Wir haben die Technologien, um sie zu bewältigen.

Es liegt in unserer Hand, die Lieferkettenkrise jetzt zu lösen

Wir verfügen bereits über die Technologie, um eine kritische Infrastruktur für eine globale End-to-End-Lieferkette von den Rohstoffen bis zum Verbraucher aufzubauen.

Das System muss in der Lage sein, mehrere Akteure in der Lieferkette und die Systeme verschiedener Anbieter zu integrieren, um eine kollaborative, optimierte Planung zu ermöglichen. Allein mit Transparenz ist es nicht mehr getan, wenn man bedenkt, dass von der Planung von Millionen von SKU-Locations die Rede ist.

Wie sieht so eine Infrastruktur aus? Damit Lieferunterbrechungen vermieden werden, hätten Unternehmen bereits im letzten Jahr stärker auf solche vernetzten Supply-Chain-Umgebungen setzen sollen (siehe Artikel von 2021). Die ideale Umgebung für unternehmensübergreifende E2E-Lieferketten sind offene Supply-Chain-Plattformen in der Cloud. Die Dringlichkeit hat sich durch die Ereignisse des letzten Jahres noch verstärkt, sodass im Laufe des kommenden Jahres wichtige Fortschritte zu erwarten sind.

Große Cloud-Anbieter wie Google, Amazon oder Microsoft werden sich als dominierende Player der offenen Supply-Chain-Plattform durchsetzen. Sobald dies der Fall ist, werden sich andere SaaS-Anbieter, die Dienstleistungen wie Lieferkettenplanung, Transportmanagement und Rechnungsstellung offerieren, um diese Hosts gruppieren und beginnen, gemeinsam an der Entwicklung der Plattform zu arbeiten.

Stärkere Regulierung der Lieferketteninfrastruktur

Weitere Länder mit produktionsintensiven Volkswirtschaften werden versuchen, die Lieferketteninfrastruktur zu regulieren. Deutschland hat mit dem Lieferkettengesetz, das letztes Jahr verabschiedet wurde und 2023 in Kraft tritt, bereits den Anfang gemacht. Aber auch die EU hat nachgelegt und ein neues Lieferkettengesetz entworfen, dessen Ziele Harmonisierung, Rechtssicherheit und die Gewährleistung gleicher Wettbewerbsbedingungen für alle EU-Staaten sind.

Die Regulierungen unterstützen den Aufbau einer robusten globalen Lieferketteninfrastruktur und haben positive Auswirkungen auf allen Ebenen. Aus dem gleichen Grund unterliegen Branchen der kritischen Infrastruktur, obwohl mittlerweile weitgehend privatisiert, wie die Telekommunikation, das Bankwesen und die Energieversorgung, nach wie vor bestimmten Regulierungen.

Was das Lieferkettengesetz angeht, ist davon auszugehen, dass im Laufe des nächsten Jahres weitere Regierungen entsprechende Regulierungen verabschieden werden.

Verstärkte Nutzung der Blockchain zur Rückverfolgung von Produkten

Die Blockchain wird ein wichtiger Bestandteil der offenen Lieferkettenplattform sein. Aufgrund des kritischen Charakters medizinischer Versorgungsketten ist dies der Bereich, in dem Blockchain im kommenden Jahr am meisten Anklang finden wird. Schließlich hat Corona klargemacht, dass die Lieferketten für kritische Güter wie Beatmungsgeräte, PSA und Impfstoffe nicht unterbrochen werden dürfen. Auch wenn die Umweltprobleme, insbesondere der hohe Energieverbrauch von Blockchain, noch gelöst werden müssen, ist die Technologie ideal, um mehrere Akteure zu orchestrieren und für Transparenz und Rückverfolgbarkeit zu sorgen.

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KI-Technologien: Integraler Bestandteil von offenen Supply-Chain-Plattformen

KI-Technologien, vornehmlich Algorithmen und maschinelles Lernen, werden ebenso wie die durch sie ermöglichte probabilistische Vorhersage zum Standardwerkzeug für die Lieferkettenplanung – gerade, weil sie die Auswirkungen des extremen Arbeitskräfte- und Fachkräftemangels abschwächen können.

Die Herausforderungen in der Supply Chain erfordern den Willen zur Zusammenarbeit, zum Kompromiss und zur Abkehr von überholten etablierten Ideen. Nach der Krise kommt hoffentlich eine Zeit der Erneuerung, der Kreativität und des nachhaltigen Fortschritts.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Industry of Things erschienen.

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