Thyssen-Krupp Steel Europe Durchbruch für Tailored Tempering

Redakteur: Josef-Martin Kraus

Tailored Tempering hat den industriellen Durchbruch geschafft. Nach dem von Thyssen-Krupp Steel Europe weiterentwickelten Verfahren der Warmumformtechnik werden künftig B-Säulen für

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Nach Erhitzen und Formgebung wird der Stahl schnell abgekühlt. Das Ergebnis ist eine Werkstofffestigkeit bis 1500 MPa. Bild: Thyssen-Krupp
Nach Erhitzen und Formgebung wird der Stahl schnell abgekühlt. Das Ergebnis ist eine Werkstofffestigkeit bis 1500 MPa. Bild: Thyssen-Krupp
( Archiv: Vogel Business Media )

Tailored Tempering hat den industriellen Durchbruch geschafft. Nach dem von Thyssen-Krupp Steel Europe weiterentwickelten Verfahren der Warmumformtechnik werden künftig B-Säulen für mehr als 100000 Fahrzeuge (Kompaktklasse) im Jahr produziert. Das Tochterunternehmen Thyssen-Krupp Umformtechnik hat von einem deutschen Automobilhersteller den entsprechenden Auftrag erhalten.

Laut Thyssen-Krupp Steel Europe ermöglicht die Warmumformtechnik – Hot Forming – bei Automobilbauteilen eine Gewichtseinsparung bis 30%. Der Grund dafür wird in Festigkeitswerten bis 1500 MPa gesehen, die als letzter Schritt im Umformwerkzeug durch schnelles kontrolliertes Abkühlen einer speziellen Stahllegierung erreicht werden. Zuvor werden die mit Mangan und Bor legierten Stahlbleche auf 880 bis 950 °C erhitzt und im Werkzeug umgeformt.

Höhere Festigkeit erlaubt Reduzierung der Bauteilwanddicke

Die erreichten Festigkeitswerte seien deutlich höher als bei den derzeit leistungsfähigsten kalt umformbaren Stählen, heißt es. Die Bauteile erreichten dadurch ein niedrigeres Gewicht. Angesichts der höheren Festigkeit werde die Bauteilwanddicke reduziert oder auf zusätzliche Verstärkungsteile verzichtet.

Aus dieser Möglichkeit der Festigkeitssteigerung leitet Thyssen-Krupp einen Boom ab, den die Warmformtechnik derzeit im Automobilbau erfährt. Jedoch ermögliche das konventionelle Warmumformen nur die Herstellung von Bauteilen, die überall gleich fest seien.

Dagegen produziert Tailored Tempering Teile, die nicht nur sehr fest, sondern in bestimmten Bereichen auch nachgiebig seien. Diese Eigenschaften brauche man zum Beispiel bei crashrelevanten Teilen, die nicht nur Insassen schützten, sondern durch Verformung auch gezielt Aufprallenergie absorbierten.

Beispiel B-Säule: Die vom Schweller zum Dachrahmen führende Säule muss im unteren Drittel Crashenergie abbauen. Im oberen Bereich stabilisiert sie laut Thyssen-Krupp die Fahrgastzelle und schützt die Insassen beim Seitenaufprall. Tailored Tempering ermögliche, solche Bauteile in einem einzigen Arbeitsschritt aus einem homogenen Stahlblech herzustellen.

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