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Mehr Ausbildungsabbrüche in MINT-Berufen Eignungsdiagnostik als Chance für einen erfolgreichen Abschluss

Autor / Redakteur: Dr. Christian Montel und Barbora Zimmer / Andrea Gillhuber

Die Arbeitslosenquote in MINT-Berufen ist aktuell so niedrig wie noch nie! Während ein Studium in MINT-Fächern in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen hat, ist die Zahl der Ausbildungsabschlüsse rückläufig. Diesem Negativtrend kann mit dem Einsatz eignungsdiagnostischer Tools begegnet werden.

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Eignungsdiagnostik ist ein Baustein auf dem Weg zu mehr Ausbildungsabschlüssen in MINT-Berufen.
Eignungsdiagnostik ist ein Baustein auf dem Weg zu mehr Ausbildungsabschlüssen in MINT-Berufen.
(Bild: © hurca.com - Fotolia.com)

Die Arbeitslosenquote in MINT-Berufen ist aktuell so niedrig wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen (MINT-Frühjahrsreport 2017, Institut der deutschen Wirtschaft Köln). Gleichzeitig bleiben immer mehr Stellen in den Bereichen Maschinenbau, Forschung, Informatik und Co unbesetzt. Während ein Studium in MINT-Fächern in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen hat, ist die Zahl der Personen mit einem MINT-Ausbildungsabschluss rückläufig. Die Abbruchquote in MINT-Ausbildungen liegt derzeit bei 24,9 %. Unbesetzte Facharbeiterstellen, sinkende Auszubildendenzahlen und eine steigende Zahl von Ausbildungsabbrüchen führen langfristig zu Wettbewerbsnachteilen und verlangen nach kreativen Lösungen, wollen deutsche Industrie-, Fertigungs- und Produktionsbetriebe weiter auf Weltmarktniveau mithalten. Diesem negativen Trend kann mit dem Einsatz eignungsdiagnostischer Tools begegnet werden. Mit ihrer Hilfe werden Schulabgänger bei der für sie passenden Berufswahl unterstützt, die am besten für eine Stelle geeigneten Bewerber ermittelt und Azubis und Ausbildern Feedbackinstrumente an die Hand gegeben, um Probleme im Rahmen der Ausbildung frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Gründe für Ausbildungsabbrüche im MINT-Bereich

Die steigende Zahl der Ausbildungsabbrüche stellt Unternehmen zusehends vor Herausforderungen: Die kurzfristig frei gewordene Ausbildungsstelle kann in der Regel nicht sofort neu besetzt werden und bleibt möglicherweise bis zum nächsten Ausbildungsjahr vakant. Die Arbeitskraft der Azubis fehlt, und die Aufgaben müssen umverteilt werden. Erfolgt der Abbruch in einem frühen Stadium der Ausbildung, haben Unternehmen zudem bereits Kosten und Mühen investiert, die Azubis jedoch zum Betriebsergebnis bisher kaum etwas beigesteuert. Aber auch für die Auszubildenden selbst bedeutet ein Abbruch einen deutlichen Einschnitt in den beruflichen Lebensweg. Sie machen sich die Entscheidung meist nicht leicht, da diese häufig in der Arbeitslosigkeit mündet und sie als Abbrecher in einem neuen Bewerbungsverfahren mit weniger guten Chancen auf einen Ausbildungsplatz rechnen müssen.

Dabei erfolgt der Abbruch selten ohne vorhergehende Warnsignale. Die Ursachen eines MINT-Ausbildungsabbruchs sind vielfältig und oft nicht eindeutig zu identifizieren.

Ausbildungsabbrüchen kann bereits in der Schule entgegengewirkt werden, beispielsweise durch eine ausführliche Information über mögliche Berufswege, durch die Teilnahme an Ausbildungsmessen oder in Form von Schülerpraktika, bei Schülerinnen durch den Besuch eines Girls` Days. Zusätzlich zu diesen bekannten Maßnahmen kann die Eignungsdiagnostik zu einer Reduktion der Abbruchquote von Berufsausbildungen beitragen. Mit Orientierungstools setzt sie bereits vor der Wahl des eigentlichen Ausbildungsberufes an und zeigt Schülerinnen und Schülern anhand von Fähigkeits- und Interessentests auf, welche Berufsfelder für sie infrage kommen. Für den Auswahlprozess selbst stellt sie valide Instrumente zur Verfügung, mit denen zuverlässig die für eine Ausbildungsstelle am besten geeigneten Bewerber ermittelt werden. Durch gezielte Begleitung während der Ausbildung und den Einsatz von Feedbackinstrumenten können Entwicklungsfelder identifiziert und Kompetenzen durch individuelle Schulungs- und Trainingsmaßnahmen aufgebaut werden.

Orientierungstools bringen Interessen und Stärken zusammen

Es gibt inzwischen eine Vielzahl unterschiedlicher Beratungsangebote und -instrumente für Schülerinnen und Schüler. Dabei stehen sowohl Interessen als auch Fähigkeiten der angehenden Auszubildenden im Fokus. Interessentests basieren meist auf dem Konzept von Holland (1997), wonach die Berufswahl durch die grundlegende Persönlichkeitsorientierung geprägt wird und berufliche Interessen eine wichtige Ausdrucksform der Persönlichkeit darstellen. Die Passung zwischen Person und Beruf ist demnach am größten, wenn die allgemeinen Wesensmerkmale einer Person mit den Schwerpunkten des Berufs übereinstimmen. Je mehr diese korrespondieren, desto höher sind Arbeitszufriedenheit, beruflicher Erfolg und Stabilität der Karriereentwicklung. Dieser Ansatz stößt bei den Ratsuchenden auf ein hohes Maß an Akzeptanz: Interessentests besitzen eine hohe Augenscheinvalidität, die Ergebnisse überraschen meist wenig und werden somit auch gerne angenommen, zudem sind solche Verfahren schnell zu bearbeiten und im Vergleich zu Fähigkeitstests, die Merkmale wie mathematisches Verständnis, logische Denkfähigkeit oder räumliches Vorstellungsvermögen messen, weniger anstrengend.

Eine Berufsberatung aufgrund der Interessen ist aber nur dann gerechtfertigt, wenn sie auch die Fähigkeiten der Person, Ausbildungsinhalte zu lernen, berücksichtigt. So kann die Berufswahl ausschließlich nach Interessen zu einer Überforderung führen, oder aber deutlich geringere Anforderungen beinhalten, als der junge Mensch eigentlich an Potenzial mitbringt. Diese Umstände münden nicht nur in einem möglichen Ausbildungsabbruch, sie führen im Fall der Unterforderung auch zu volkswirtschaftlichen Nachteilen, da der Nachwuchs in anderen, besser passenden Berufen fehlt. Für den Ausbildungserfolg entscheidend sind neben den Interessen auch die kognitiven Fähigkeiten sowie Fragen der Arbeitshaltung, beispielsweise Durchsetzungsfähigkeit, Leistungsmotivation oder Konfliktverhalten. Die Investition in Orientierungstools, die jungen Menschen Hinweise darauf geben, welche Ausbildung gut zu ihren Potenzialen passt, lohnt sich vor allem für MINT-Unternehmen, die verschiedene Ausbildungswege anbieten. Sie fördern das Arbeitgeberimage und besitzen eine anziehende Wirkung auf potenzielle Nachwuchskräfte, was im Zuge weiter sinkender Bewerberzahlen von immer größerer Bedeutung sein wird.

Die Zahl der Abbrüche durch valide Bewerberauswahl minimieren

Liegen dann die Bewerbungen vor, stellt sich die Frage nach den für die Ausbildungsstelle passenden Kandidaten. Durch eignungsdiagnostische Verfahren lassen sich Bewerbungen valide vergleichen. Sie messen die Fähigkeiten und Eigenschaften, die für eine erfolgreiche Ausübung der jeweiligen Stelle relevant sind. Grundlage für die Gestaltung des Assessments ist immer eine Anforderungsanalyse der zu besetzenden Stelle, anschließend werden die passenden Module zusammengestellt. Diese ermitteln beispielsweise die entsprechende Kompetenzausprägung in den Bereichen Abstraktionsfähigkeit, logisches Denken, Problemlösungsfähigkeit, räumliches Denkvermögen, Umgang mit schwierigen Aufgaben, Belastbarkeit oder Zielorientierung. Auf dieser Grundlage kann vorhergesagt werden, ob ein Bewerber die Anforderungen der Stelle voraussichtlich erfolgreich bewältigen wird. So lässt sich die Zahl der möglichen Ausbildungsabbrüche aufgrund von Unter- oder Überforderung reduzieren.

Mit Fremd- und Selbstbild zur realistischen Einschätzung

Während der Ausbildung kann auf Grundlage der Kompetenzausprägung gezielte Personalentwicklung dabei helfen, junge Menschen in ihrer Ausbildungszeit zu unterstützen. Ebenso wichtig sind aber auch Instrumente, die Hinweise auf potenzielle Probleme, die Zufriedenheit der Auszubildenden oder Konflikte im Team geben und die Gefahr eines möglichen Ausbildungsabbruchs frühzeitig erkennen lassen. Mithilfe des 360-Grad-Feedbacks können Auszubildende aus unterschiedlichen Blickwinkeln eingeschätzt werden. In einem Fremdbild werden Beurteilungen der Auszubildenden beispielsweise durch Kollegen, Vorgesetzte, den Ausbilder sowie andere Azubis vorgenommen, hinzu kommt die Selbsteinschätzung. Durch die Integration des Fremd- und Selbstbilds kann die Situation der jungen Menschen strukturiert und ausführlich dargestellt wie auch mit Blick auf die Zufriedenheit und auf mögliche Problemfelder analysiert werden. Auf dieser Grundlage kann das Gespräch gesucht werden und die anschließenden Fördermaßnahmen beugen dann einem möglichen Ausstieg aus der Ausbildung vor.

Mehr Produktivität durch zur Stelle passende Mitarbeiter

Eine Abbruchquote von fast 25 % bei Ausbildungen in MINT-Berufen bedeutet vor allem für viele kleine und mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer eine geschäftskritische Herausforderung. Umso wichtiger ist eine gute Begleitung der Azubis, besonders in den ersten Monaten der Ausbildung. Nur so lassen sich frühzeitig Alarmsignale, die zu einem vorzeitigen Ausbildungsabbruch führen können, identifizieren und der Unzufriedenheit gezielt entgegensteuern. Die Investition in eignungsdiagnostische Verfahren stellt eine sinnvolle Ergänzungen für MINT-Unternehmen dar, um geeignete Kandidaten zu identifizieren und diese durch den Einsatz entsprechender Feedbackinstrumente und Trainingsmaßnahmen während der Ausbildung bedarfsgerecht zu begleiten. Dabei amortisieren sich die Investitionskosten für solche Instrumente schnell: Unternehmen, die eignungsdiagnostische Tools einsetzen, verzeichnen Produktivitätszuwächse von bis zu 15 %.

* Dr. Christian Montel ist Geschäftsführer der Eligo Psychologische Personalsoftware GmbH, Barbora Zimmer ist Managing Consultant bei der Eligo Psychologische Personalsoftware GmbH in 10965 Berlin.

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