Suchen

Robotik

Ein italienischer Roboterriese fährt aktiven Strategiewechsel

Seite: 2/4

Firmen zum Thema

Der Strategiewechsel setzt bei kleinen und mittleren Unternehmen an

Dass sich ein kleiner, vielen wohl auch unbekannter Werkzeugmaschinenbauer und Serienfertiger wie Walter Henrich bereits vor dem offiziellen Strategiewechsel für Comau entschieden hat, spricht für beide Bände und ist ganz im Sinne Comaus. Denn genau diese Nische will Comau vorerst besetzen. „Unser Ansatz wird es sein, all diejenigen aufzufangen, die bei den „Großen“ bisher nicht im Fokus waren, und davon gibt es jede Menge“, ergänzt Grönegräs. Dazu zählt eben auch Walter Henrich.

Zufällig sei die Wahl gewesen, erinnert sich Uwe Steinmetz, technischer Entwickler und Konstruktionsleiter beim familiengeführten Mittelständler: „Bereits der erste Eindruck auf der Messe hat gepasst und wir hatten ein gutes Gespräch. Der Mittelstand-Roboter ist ein solides Gerät, das meine Teile von A nach B transportiert. Das Gerät sollte der Aufgabe angepasst sein.“ Und von diesen sowohl roboter- als auch nicht roboterbasierten Aufgaben zählt Walter Henrich so einige. Dabei gehören prestigeträchtige Aufträge von Kunden wie Daimler oder Bugatti zum Produktportfolio, so zum Beispiel die Rotorwelle für den SLS E-Cell oder die Spurstange für die Lenkung im Bugatti Veyron. Prestigeaufträge, bei denen weltweit kleine Mengen im Jahr gebraucht werden. Um die Fertigungshallen im Westerwald dennoch auslasten zu können, müssen noch einige Großprojekte her, weshalb die Robotik ins Spiel kommt.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 7 Bildern

Als Großprojekt zählt beispielsweise die Fertigung eines Führungsrohres, ein Teil aus der neuen Audi-Lenksäule. Von dieser Ausführung wird es dieses Jahr etwa 450.000 Stück geben. „Das ist eine mittlere Größe für uns. Wenn alle Maschinen voll ausgelastet sind, schaffen wir von diesen Führungsrohren zur Zeit knapp 12.000 Stück am Tag“, sagt Steinmetz. Als wirklich richtigen Großauftrag sieht man bei Walter Henrich allerdings die Rohrwellenfertigung für die Sitzwellen des Volkswagen-Konzerns, in den verschiedensten Varianten. Der Auftrag läuft für Walter Henrich seit 2000 und in Spitzenjahren produziert der Mittelständler 6,5 Mio. Stück im Jahr.

Fünf unterschiedliche Comau-Roboter automatisieren die Fertigung

Bei den Aufgaben mit diesen hohen Stückzahlen kommen insgesamt fünf Comau-Roboter an verschiedenen Maschinen zum Einsatz. Als USP spricht für Walter Henrich die Roboterumgebung, denn der Mittelständler ist dafür bekannt, seine Maschinen selbst zu bauen. „In der Fertigung steht kaum eine Maschine, die nicht selbst gebaut wurde. Wir beschäftigen uns mit der Entwicklung von Maschinen, Werkzeugen und auch von Prozessen“, erläutert Steinmetz.

Die extreme Fertigungstiefe ist für eben diese namhaften Kunden ein Qualitätsgarant, dass sich Walter Henrich unter anderem auch dadurch sichert, indem an allen entscheidenden Stationen im Anlagenbau Mitarbeiter zum Einsatz kommen, die bereits vor Ort gelernt haben und schon ihr ganzes Leben bei dem Mittelständler arbeiten. Walter Henrich hat bereits in den 80er-Jahren mit einigen Roboterexponaten herumexperimentiert, so zum Beispiel mit Hitachi. In den 90er-Jahren stand auch ein kleiner Bosch-Handlingroboter in der Fertigung, aber zu dieser Zeit kam der Roboter ausschließlich bei Sonderfällen zum Einsatz. „Ab 2012 haben wir wieder verstärkt in der Schiene Roboter für das Handling nachgedacht und uns auch auf ein Fabrikat festgelegt“, erläutert Steinmetz.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 43801296)

Über den Autor

Mag. Victoria Sonnenberg

Mag. Victoria Sonnenberg

Redakteurin MM MaschinenMarkt, MM MaschinenMarkt