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Robotik

Ein italienischer Roboterriese fährt aktiven Strategiewechsel

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Roboter rentieren sich bei mehreren Stationen im Bearbeitungskonzept

Heute kommen alle fünf Comau-Roboter im Teiletransport zum Einsatz. Zum Portfolio zählen zwei Six-Roboter (mit dem Racer 7 hat Comau bereits das Nachfolgeprodukt auf dem Markt – bei gleicher Reichweite aber deutlich schneller) mit 6 kg Tragkraft und einer Reichweite von 1400 mm sowie zwei NS12 und ein NS16 mit einer jeweiligen Tragkraft von 12 und 16 kg.

„Die Roboter sind immer dann für uns interessant, wenn sehr viele Stationen in einem Bearbeitungskonzept angefahren werden müssen“, erklärt Steinmetz. So auch bei der HDM, der sogenannten Henrich-Drehmaschine. In der Anlage steht zentriert der Comau-Roboter NS12, der im Kreis- beziehungsweise Sternprinzip mehrere Stationen bestückt. Der Teiletransport durch den Roboter wird per Fernsteuerung in Auftrag gegeben. Das Roboterprogramm richtet sich demnach nicht nach einem festen Ablauf, sondern kann per Fernsteuerung individuelle Einzelprogramme ausführen. Dadurch gewährleistet die Steuerung auch die nötige Flexibilität, auf fehlerhafte Teile schnell und unkompliziert reagieren zu können.

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Flexible Schrittfolge ist nicht an Ablauf gebunden

Der Roboter nimmt ein Führungsrohr für höhenverstellbare Lenksäulen auf und legt es dann zum Messen ab; stellt die Messung im Anschluss fest, dass ein vermeintlich fehlerhaftes Rohteil gefunden wurde, muss dieses Teil aus der Anlage raus, was in einem normalen Ablauf nicht vorgesehen wäre. Dafür benötigt Walter Henrich den sogenannten Remote-Betrieb, um neue Aufträge zwischendurch senden zu können. „Das ist insofern komfortabel, dass man in der Schrittfolge nicht an einen Ablauf gebunden ist, sondern flexibel bleibt, indem man den großen Ablauf in kleine Abläufe unterteilt“, ergänzt Steinmetz. Ein Mitarbeiter steht dabei an der Anlage und ist für die externe Logistik zuständig: Es liegen rund 1000 Teile in einer Kiste, die er auflegen, abnehmen und in einem bestimmten Rhythmus auf bestimmte Merkmale hin prüfen muss.

Ein weiterer Comau-Roboter hat seinen angestammten Platz in einer Umformmaschine. Sein Job sieht folgendermaßen aus: Sobald das Rohrbauteil aus der Maschine kommt, nimmt der NS 12 das Teil auf, fährt dann hoch, erhält dort den Job Teilewechsel oben, ablegen, messen und geht dann wieder zum Aufnehmen. Dann erhält er unten einen anderen Job für die Drehbearbeitung. Dabei wird in der Mitte das Bauteil eingespannt, die gedrehten Flächen werden rechts und links in einer Aufspannung aufgebracht.

„Diese Mittenantriebs-Drehtechnik ist etwas Besonderes und in dieser Anlage ist es speziell noch so, dass wir hier eine Umformeinrichtung, eine Messeinrichtung, eine Drehmaschine mit zwei Spindeln und den Roboter für den Transport integriert haben“, erklärt Steinmetz. Das bedeutet, dass in der Zeit, in der die obere Spindel beladen wird, im unteren Gehäuse gedreht wird. Dann geht der Roboter wieder zurück, bringt ein neues Teil, in der Zeit geht die untere Beladeachse wieder rein, holt das Teil, oben wird dann gedreht und unten beladen. Immer im Wechsel, sodass ständig eine der beiden Spindeln am Laufen ist.

„Dadurch wurde praktisch ein verlustfreies Prinzip aufgebaut“, erklärt Steinmetz und führt fort: „Es ist ein komplexer Vorgang, ein Teil in der Mitte zu spannen und auf beiden Seiten gleichzeitig zu drehen. Die Spindeln sind recht kompliziert: packe ich das Teil und drehe auf beiden Seiten gleichzeitig, sind die beiden Bearbeitungen zueinander perfekt, was wiederum für die Kugellager oben und unten genau die Bedingung ist. Beide Löcher sind perfekt koaxial, weil sie in einer Aufspannung gemacht wurden.“ Die Anlage ging Ende 2013 ans Netz und wurde direkt mit einem Roboter geplant. „Die Roboter sind nicht billig, aber für die Tragkraft, Geschwindigkeit, Reichweite und Ausrüstung sind sie ausgesprochen erschwinglich“, so Steinmetz weiter.

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Mag. Victoria Sonnenberg

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Redakteurin MM MaschinenMarkt, MM MaschinenMarkt