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Drucklufttechnik

Einsparpotenziale freisetzen

| Redakteur: Barbara Schulz

Druckluft ist eine wertvolle Energieform. Etwa drei Viertel der Gesamtkosten im Lebenszyklus einer Druckluftanlage entfallen auf den Energiebedarf, doch viele Unternehmen unterschätzen das Einsparpotenzial. Die Versorgung an spezialisierte externe Unternehmen abzutreten (Druckluft-Contracting), verspricht Druckluftversorgung auf dem aktuellsten technischen Stand.

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Reiner Kordt, Geschäftsführer der Ultra-Air GmbH in Hilden: „Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie effizienter arbeiten, wenn sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Spezialaufgaben an entsprechende Spezialisten delegieren.“ Bild: Ultra-Air
Reiner Kordt, Geschäftsführer der Ultra-Air GmbH in Hilden: „Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie effizienter arbeiten, wenn sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Spezialaufgaben an entsprechende Spezialisten delegieren.“ Bild: Ultra-Air
( Archiv: Vogel Business Media )

Ehrgeizige Ziele hat sich die Europäische Kommission Anfang des Jahres gesetzt: Sie möchte ein internationales Übereinkommen erreichen, das für den Zeitraum nach 2012 zu einer Reduzierung der Emissionen der Industriestaaten um 30% bis zum Jahr 2020 führen soll. Europa soll sich dabei verpflichten, den Treibhausgasausstoß bis 2020 vor allem durch energiepolitische Maßnahmen um mindestens 20% zu senken.

Dass solche Maßnahmen weltweit dringend erforderlich sind, bestätigen auch die von der International Energy Agency (IEA) in ihrem World Energy Outlook 2006 veröffentlichten Prognosen zur weltweiten Entwicklung des Energiebedarfs. Die Zahlen sprechen für sich: Unter Annahme der Fortschreibung gegenwärtiger Trends wird eine Zunahme des weltweiten Energiebedarfs um 53% bis 2030 vorausgesagt. Außer einer beschleunigten Umstellung auf Energieträger mit niedrigem CO2-Ausstoß soll unter anderem die effiziente Energienutzung zum Erreichen dieser Ziele beitragen.

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Ein erhebliches Energieeinsparpotenzial schlummert in den Druckluftnetzen vieler Unternehmen – und Druckluft ist nach wie vor einer der teuersten Energieträger, die in Industrie und Handwerk genutzt werden. Typische Anwendungen sind Maschinensteuerungen und der Werkzeugeinsatz in Produktionsprozessen. Etwa drei Viertel der Gesamtkosten im Lebenszyklus einer Druckluftanlage fallen auf den Energiebedarf.

Energie-Einsparmöglichkeiten bietet vor allem die Druckluft

Eine vor einigen Jahren veröffentlichte Studie im Auftrag der EU hat gezeigt, dass bei Druckluftanlagen zwischen 5 und 50% Energie eingespart werden könnten. „Hinter der effizienten Nutzung von Druckluft verbergen sich enorme wirtschaftliche Potenziale, deren Ausschöpfung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen zuträglich wäre“, so Prof. Dr. Norbert Hüttenhölscher, Leiter der Energieagentur NRW und Vorsitzender der Jury.

Erzeugung und Handhabung der Druckluft sind sicher und einfach. Allerdings können Druckluftsysteme – je nach Anwendung und Betriebsgröße – sehr komplex werden, vor allem dann, wenn die Systeme im Laufe der Zeit wachsen. In vielen Fällen ist es dann kaum noch möglich, die mit der Druckluftbereitstellung verbundenen Energieverbräuche und Kosten verursachergerecht zuzuordnen.

Lecks in den Druckluftleitungen erhöhen den Energieverbrauch drastisch

Diese mangelnde Transparenz kann schließlich dazu führen, dass der Wartung nicht mehr genügend Aufmerksamkeit gewidmet wird: Solange noch genügend Druck und Druckluft beim Endverbraucher zur Verfügung stehen, wird kein Handlungsbedarf gesehen. Vor allem Leckagen im Verteilungsnetz führen schnell zu hohem Energieverbrauch, dessen Kosten meist unbemerkt bleiben und erst in der Gesamtstromrechnung des Unternehmens auftauchen.

Die Komplexität von Druckluftanlagen stellt vor allem für kleinere Betriebe schnell eine Herausforderung dar, die mit eigenen Ressourcen kaum noch zu bewältigen ist. In der Folge laufen viele der Anlagen nicht optimal und verursachen unnötig hohen Energieverbrauch.

Druckluft-Spezialisten helfen bei Energieeffizienz

Der Gedanke, die Druckluftversorgung an externe Experten abzugeben, ist daher naheliegend. „Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie effizienter arbeiten, wenn sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Spezialaufgaben an entsprechende Spezialisten delegieren“, weiß Reiner Kordt, Geschäftsführer der Ultra-Air GmbH in Hilden. „Ein Druckluft-Contractor kann die ausgiebig vorhandenen Effizienzpotenziale in der Druckluftversorgung erschließen, ohne dass der Anwender in neue Technologie investieren muss.“ Das Leistungsspektrum von Ultra-Air reicht von der Bedarfsanalyse über die Beratung, Planung, Projektierung und Installation bis hin zum Life-Cycle-Service. Durch Ferndiagnose übernimmt der Druckluft-Spezialist auch das Druckluftmanagement.

Auch bei Atlas-Copco hat der Kunde die Wahl zwischen den unterschiedlichsten Dienstleistungen und Finanzierungsvarianten. Mit dem Air-Scan wird zunächst eine Analyse der Druckluftversorgung zur Ermittlung des Einsparpotenzials durchgeführt. „Viele Betriebe informieren sich erst bei Problemen an der bestehenden Anlage über neue Entwicklungen in der Drucklufttechnik“, sagt Reimund Scherff, Business Line Manager Oilfree-Air bei Atlas-Copco, Essen. „Dabei gibt es in vielen Fällen Einsparpotenzial.“ Drehzahlgeregelte Kompressorenantriebe können laut Scherff bis zu 35% an Energieeinsparung erzielen. Leerlauf wird vermieden und der Betriebsdruck abgesenkt; denn unterschiedlich große Kompressoren weisen immer einen Leerlaufanteil auf und sind somit nicht energieeffizient.

Analyse des Gesamtsystems deckt Schwachpunkte auf

Wie sich bei der Druckluftversorgung ohne viel Aufwand und große Investitionen jährlich 9000 Euro Energiekosten sparen lassen, zeigt das Beispiel der Schoedel GmbH. Die Weberei im fränkischen Münchberg bei Hof hat sich auf Matratzen- und Orthopädiestoffe, beispielsweise für Bandagen, spezialisiert. Produziert wird auf 28 Luftdüsenwebmaschinen, in denen der Schussfaden mit einer Geschwindigkeit von 660 Schuss pro Minute auf einem Luftpolster gleitet. Diese Webmaschinen brauchen viel Druckluft. Weil auf lange Sicht keine Entlastung bei den Strompreisen zu erwarten sei, habe man sich bei Schoedel dafür entschieden, eine Analyse des gesamten Druckluftsystems durchzuführen, so Instandhaltungsleiter Karl-Heinz Köhler.

Obwohl die Druckluftstationen im Jahr 2000 modernisiert worden waren, fanden die Prüfer mit Hilfe des Air-Scans ein Einsparpotenzial von über 12 000 Euro Stromkosten pro Jahr. Gut die Hälfte davon (6200 Euro/Jahr) ließe sich durch eine Optimierung des Betriebsverhaltens der Kompressoren mit Hilfe einer übergeordneten Steuerung erzielen. Hinzu kämen Einsparungen durch die Beseitigung von Leckageverlusten sowie durch eine Druckabsenkung um 2 bar am Wochenende und schließlich durch eine geänderte Zuluftführung, so dass permanent laufende Elektrolüfter überflüssig würden.

Nicht angepasste Druckluftsysteme verbrauchen zu viel Energie

Eine weitere Energiekostenfalle ist es, wenn die Unternehmen ihre eigenbetriebenen Druckluftsysteme an den gestiegenen Bedarf anpassen, indem sie einzelne Kompressoren zukaufen. Vorhandenes Einsparpotenzial lässt sich dann meist nicht voll ausschöpfen. Ein Contracting-Partner wird im Regelfall ein komplett neues, anwendungsspezifisches Druckluftsystem erstellen.

„Die Höhe der Gesamteinsparung hängt von der Qualität der Altstation ab“, erklärt Dietrich Eberhardt, Verkaufsleiter bei der Kaeser Kompressoren GmbH in Coburg. „Aber 30% sind keine Seltenheit.“ Zu den wichtigsten Einsparfaktoren zählen beispielsweise energieoptimierte Kompressoren mit hohem Wirkungsgrad, Rohrleitungsnetze mit niedrigstmöglichen Fließwiderständen sowie intelligente Druckluft-Managementsysteme.

Reiner Kordt sieht einen eindeutigen Trend zum Druckluft-Contracting. „Derzeit machen die Energiekosten, über den Lebenszyklus einer Anlage gesehen, mit 65 bis 75% den Hauptanteil der Gesamtkosten aus. Allerdings dürfte dieser Anteil bei der prognostizierten Energiepreisentwicklung eher noch steigen als fallen.“ MM

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