Wärmerückgewinnung

Energie aus heißer Luft wird nutzbar

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Ein anderer Bereich, in dem relativ viel Wärmeenergie gebraucht wird, ist die Oberflächentechnik – und auch hier lässt sich einiges zurückgewinnen. Konkret dargestellt hat dies die BVL Oberflächentechnik in einem Projekt zusammen mit der Hochschule Osnabrück. Dabei wurde deutlich, dass der Großteil der Energie bei Reinigungsanlagen (fast 90 %) für die Wärmeenergie aufgebracht wird.

Wärmerückgewinnung auch für die Teilereinigung interessant

Auch für die Teilereinigung werden häufig Systeme zur Wärme- und Wasserrückgewinnung aus der Abluft diskutiert. Im Fokus stehen dabei meist Kondensatoren, die der Abluft die Wärme und Feuchtigkeit entziehen. Allerdings treiben sie die Anschaffungskosten für eine Wärmerückgewinnung in die Höhe. Die Investition rentiert sich laut BVL häufig erst nach 15.000 Betriebsstunden. Bei Anlagen mit weniger Betriebsstunden im Amortisationszeitraum lohne sich eher eine Kombination aus Rohr- und Tankisolierung sowie Abluftmanagement.

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Ein ähnliches Potenzial ergibt sich beim Lackieren, wie das das Lackiercenter Schulte im Emsland zeigt. Energie gespart wird über einen Rotationswärmetauscher, der die Wärme aus der Abluft wieder in die Zuluft einspeist. „Wir sparen circa 20 % durch die Wärmerückgewinnung“, freut sich der Geschäftsführer Herbert Schulte.

Zurückgewonnene Wärme kann zur Stromerzeugung genutzt werden

Die zurückgewonnene Wärme muss dabei nicht unbedingt in Wärmeprozesse eingespeist werden, man kann sie auch verstromen. Möglich ist dies zum Beispiel über eine Organic-Rankine-Cycle-Anlage (ORC), wie Projekte bei Franken Guss Kitzingen oder Elbe-Stahlwerke Feralpi (ESF) zeigen: Bei Franken Guss wurde mit Förderung des Bundesumweltministeriums eine neuartige Anlagenkombination zur Abwärmenutzung von Rauchgas umgesetzt. Bei ESF hat Turboden, ein Hersteller von ORC-Turbogeneratoren und Tochter der Mitsubishi Heavy Industries Ltd. (MHI), das weltweit erste ORC-basierte Wärmerückgewinnungssystem in einen Elektrolichtbogenofen integriert. Die neue ORC-Einheit mit einer Ausgangsleistung von 3 MWel verwertet einen Teil der Sattdämpfe aus den Abgasen eines Lichtbogenofens.

„Abwärmenutzung in der Industrie ist heute mehr als die Rückführung von Wärmeenergie und deren Nutzung in den Haupt- oder Nebenprozessen eines Unternehmens“, sagte denn auch Jürgen Berger, Geschäftsführer der Steamdrive GmbH in Heidenheim, bei der Podiumsdiskussion „Optimierungskonzepte für industrielle Abwärmenutzung“ auf der Hannover-Messe 2015. Vielmehr gehe es vermehrt um die Erzeugung von „edlem“ Strom aus der Abwärme.

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 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

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