Wärmerückgewinnung

Energie aus heißer Luft wird nutzbar

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Dabei müsse man nach Temperaturniveaus differenzieren, da die verschiedenen Techniken jeweils optimale Anwendungsbereiche haben. „Für die Hochtemperaturnutzung, zum Beispiel aus dem Abgas von Motoren oder Industrieprozessen, ist ein Wasserdampfkreisprozess optimal geeignet, da dieser einen guten Kreisprozesswirkungsgrad aufweist. Im kleineren Leistungsbereich, zum Beispiel bei Blockheizkraftwerken mit 400 kW elektrischer Leistung, nutzen wir die heißen Abgase zur Erhöhung der elektrischen Leistung um 30 kW. ORC-Systeme (Organic Rankine Cycle) für die Niedertemperaturnutzung bieten sich in der Geothermie an, wo typischerweise das Temperaturgefälle zwischen Wärmequelle und -senke zu niedrig ist, um eine Turbine mit Wasserdampf zu betreiben“, erläutert Berger.

Politik bremst Abwärmenutzung in Deutschland aus

„Natürlich muss bei jeder Form der Abwärmenutzung für den Investor die Wirtschaftlichkeit der Anlage gegeben sein“, ergänzt Barbara Minderjahn, Geschäftsführerin des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). Mögliche Wirtschaftlichkeitsfaktoren könnten zum Beispiel passende Wärme- oder Kältesenken in räumlicher Nähe sein. Die Höhe der Investitionskosten spiele naturgemäß ebenfalls eine signifikante Rolle und nicht zuletzt die Frage, ob es Anreize für die verstärkte Abwärmenutzung durch Förderungen gebe.

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Doch diese Frage ist hochpolitisch. „Im Kontext der aktuellen Diskussion um den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz wird deutlich, dass die Politik den Stellenwert der Abwärmenutzung als Mittel zur Steigerung von Energieeffizienz noch stark unterschätzt“, kritisiert Minderjahn. „Während wir in Deutschland politische Förderinstrumente wie ein EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) und ein KWKG (Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz) haben, fehlt ein Wärme-Kraft-Kopplungs-Gesetz“, sagt auch Berger. Für die verstärkte Nutzung der industriellen Abwärme gebe es keine praxisgerechten Investitionsanreize durch entsprechende politische Rahmenbedingungen. Dadurch blieben gigantische Energiemengen in der Industrie ungenutzt, weil sich die Abwärmenutzung unter den gegebenen Rahmenbedingungen nur schwer wirtschaftlich darstellen lasse. „Die Nutzung der Abwärme zur Stromproduktion könnte bei richtiger Allokation von Fördermitteln ein signifikanter Beitrag zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele sein“, erläutert der Steamdrive-Geschäftsführer weiter.

Unternehmen wollen verlässliche Rahmenbedingungen – auch für Abwärmenutzung

Doch hier hat die Politik zuletzt viel Porzellan zerschlagen. „Die Unternehmen brauchen verlässliche politische Rahmenbedingungen, um in Effizienztechnologie zu investieren. Ein Beispiel für ,fluktuierende' gesetzliche Vorgaben war die Einbeziehung der Eigenstromerzeugung in die EEG-Umlage im letzten Jahr“, sagt Minderjahn. Aktuell werde das Vertrauen in die Konstanz und Durchgängigkeit energiepolitischer Weichenstellungen gerade hinsichtlich der Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung infrage gestellt durch die geplanten Änderungen des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWKG).

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 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

MM MaschinenMarkt