Elektroantriebe Energieeffizienz hat an Brisanz gewonnen

Von Stefanie Michel

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Energie ist deutlich teurer geworden und damit ist die Energieeffizienz in der Industrie wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt – auch bei ABB. Das Unternehmen zeigt, wie es eigene Effizienzvorgaben umsetzt und gleichzeitig die Technik für mehr Effizienz liefert.

Die elektrische Antriebstechnik ist ein wichtiger Hebel auf dem Weg zur Energieneutralität, denn 45 % der weltweit verbrauchten Energie wird für Elektromotoren eingesetzt.(Bild:  ABB)
Die elektrische Antriebstechnik ist ein wichtiger Hebel auf dem Weg zur Energieneutralität, denn 45 % der weltweit verbrauchten Energie wird für Elektromotoren eingesetzt.
(Bild: ABB)

Die aktuellen Megatrends Energieeffizienz, Elektrifizierung des Antriebsstrangs und grüne Wasserstoffproduktion verändern nicht nur unsere Gesellschaft sondern auch ABB: Das Unternehmen setzt auf Antriebstechnik als wichtigen Hebel auf dem Weg zu mehr Effizienz und Energieneutralität. Zudem hat das Unternehmen 2021 eine eigene Energieeffizienz-Initiative ins Leben gerufen, die im Einklang mit der Nachhaltigkeitsstrategie 2030 von ABB steht: Hier verpflichtet sich ABB, seine Kunden bei der Reduzierung ihrer CO2-Emissionen um insgesamt 100 Megatonnen jährlich zu unterstützen. Gleichzeitig will man selbst ebenfalls bis 2030 klimaneutral werden.

Im Rahmen der Energieeffizienz-Initiative hat ABB eine globale Studie in Auftrag gegeben, die aktuelle und künftige Investitionspläne von Unternehmen in Energieeffizienz betrachtet. Sie spiegelt also wider, welche Energieeffizienzmaßnahmen die Industrie derzeit weltweit plant, um klimaneutral zu werden (die Aussagen wurden vor dem Krieg in der Ukraine getroffen). Ein wichtiges Ergebnis: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Unternehmen investieren bereits in solche Maßnahmen, während 40 Prozent noch für dieses Jahr Energieeffizienzsteigerungen planen. Somit wird deutlich, dass Thema ist in den Entscheidungsebenen angekommen ist.

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Energieeffizienz wandelt sich vom „kann“ zum „muss“

Die Treiber dafür sind bekannt (unter anderem ein höherer Energiebedarf durch steigende Lebensstandards, gesetzlich verankerte Senkung der CO2-Emissionen), doch nun sorgen aktuelle Entwicklungen dafür, dass eine höhere Energieeffizienz immer drängender wird. Zum einen ist der durchschnittliche Strompreis im bisherigen Jahresmittel 2022 im Vergleich zu 2021 um 50 Prozent gestiegen. Zum anderen ist die Versorgung mit Erdgas nicht gesichert. Energie einzusparen ist somit auch ein politisches Ziel, um unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden. Wie Dr. Volker Lindenau, Lead Business Area Manager Motion Deutschland bei ABB, betont, hat das Thema Energieeffizienz dadurch jetzt viel mehr an Brisanz gewonnen. Und ABB kann die passenden Produkte und Lösungen liefern, um Unternehmen beim Erreichen ihrer Ziele in diesen Bereichen zu unterstützen.

Dr. Volker Lindenau: „Die Beweggründe für mehr Energieeffizienz sind vor allem Kostenersparni – was heute eher als ‚Schadensbegrenzung’ bezeichnet werden kann.“(Bild:  ABB / Luca Siermann)
Dr. Volker Lindenau: „Die Beweggründe für mehr Energieeffizienz sind vor allem Kostenersparni – was heute eher als ‚Schadensbegrenzung’ bezeichnet werden kann.“
(Bild: ABB / Luca Siermann)

Lindenau hat im Rahmen einer Pressekonferenz die Umfrage auf die deutsche Industrie heruntergebrochen (302 teilnehmende Unternehmen). Demnach investieren bereits 98 Prozent in eine effizientere Energienutzung oder planen entsprechende Investitionen. Noch in diesem Jahr wollen 31 Prozent Verbesserungen bei der Energieeffizienz vornehmen, weitere 62 Prozent sehen dies für die nächsten 2 bis 3 Jahre vor. Für 46 Prozent der Unternehmen liegt in der Produktion der größte Hebel, sodass hier vorrangig investiert wird. Der wesentliche Grund, in Energieeffizienz zu investieren, ist die Kostenersparnis (58 Prozent der befragten deutschen Unternehmen), was laut Lindenau heute angesichts der steigenden Preise eher als „Schadensbegrenzung“ bezeichnet werden kann. Aber für 51 Prozent steht das Engagement im Bereich Nachhaltigkeit im Vordergrund. Und dieses Bekenntnis zur Nachhaltigkeit kommt laut Lindenau aus verschiedenen Richtungen: so schauen Shareholder heute genauer auf solche Themen, doch auch durch „Fridays for Future“ oder politische Rahmenbedingungen wird der Druck höher.

Technik für mehr Energieeffizienz ist vorhanden

Die Befragten gaben außerdem an, dass durchschnittlich 21 Prozent ihrer jährlichen Betriebskosten auf den Energieverbrauch entfallen. Und hier sieht Lindenau in der elektrischen Antriebstechnik einen wichtigen Hebel, um Energie zu sparen. Denn elektrische Antriebe stecken überall in der Industrie: sowohl in den Maschinen als auch in der Gebäudetechnik. Würden die derzeit über 300 Millionen elektrischen Antriebssysteme in der Industrie weltweit durch hocheffiziente Ausrüstung ersetzt werden, ließe sich laut ABB der weltweite Stromverbrauch um etwa 10 Prozent reduzieren. Und hierfür muss niemand auf Innovationen warten. Wie Lindenau betont, ist es nicht nötig, auf Technik zu setzen, die noch gar existiert. Statt dessen lässt sich bereits viel bewegen, wenn man das nutzt, was schon vorhanden ist.

Der Gesetzgeber hat in den letzten Jahren die Effizienzanforderungen für Niederspannungsmotoren immer weiter verschärft. Das bedeutet, je höher die Energieeffizienz-(IE-)Klasse ist, desto höher liegt auch der Mindestwirkungsgrad des Motors. Doch diese Anforderungen gelten nur für Neuanschaffungen. ABB schätzt, dass der größte Teil der installierten Motoren nicht den heutigen Effizienznormen entspricht. Das Potenzial ist angesichts der riesigen Menge an Motoren also nicht zu unterschätzen.

Eine wichtige Rolle spielen auch Frequenzumrichter für Elektromotoren. Natürlich gibt es Motoren, die nicht mit Frequenzumrichtern ausgestattet werden können und es gibt auch Anwendungen, bei denen das keinen Sinn machen würde. Dennoch betont ABB, dass immernoch die Hälfte aller Industriemotoren von einer Drehzahlregelung profitieren würde. Vor allem bei bestehenden Motoren an Pumpen, Lüftern oder Kompressoren könnte auf diese Weise der Energieverbrauch um etwa 25 Prozent gesenkt werden. Für Anwendungen, bei denen durch Bremsvorgänge regelmäßig viel Energie anfallen (Hebevorrichtungen, Regalbediengeräte oder ähnliches), sorgen zudem rückspeisefähige Frequenzumrichter dafür, dass Energie nicht als Wärme verschwendet sondern ins Netz zurückgespeist wird.

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Unternehmen scheuen noch immer die Kosten

Das Potenzial klingt vielversprechend und ist lange bekannt. Doch warum zögern die Unternehmen bei den Investitionen in Energieeffizienz? Das Thema beschäftigt die Industrie schließlich seit vielen Jahren. Für 56 Prozent der befragten deutschen Unternehmen stellen die anfallenden Kosten die größte Hürde dar, 42 Prozent betrachten die Ausfallzeiten als Hindernis. Doch die Lage ändert sich gerade rasch: Angesichts der nach der Studie schnell gestiegenen Strompreise, fallen die Investitionskosten immer weniger ins Gewicht. Inzwischen amortisieren sich viele Investitionen in eine höhere Energieeffizienz bereits nach gut einem Jahr, so Lindenau.

Ein wichtiges Ziel ist Klimaneutralität der Betriebe: Rund die Hälfte (51 Prozent) plant innerhalb von fünf Jahren klimaneutral zu sein, während 2 Prozent dies ihrer Aussage nach bereits erreicht haben. Nur 1 Prozent der Teilnehmer hat in dieser Hinsicht keinerlei Ambitionen. Dass sich mit einer höheren Effizienz ebenso wirtschaftlich punkten lässt, entdeckt auch der Maschinenbau: Er bietet mehr und mehr effiziente Maschinenlinien an, die beim Endkunden punkten sollen. ABB selbst spürt das neue Bewusstsein am Absatz der IE5-Motoren, der sich im letzten Jahr verfünffacht hat. Laut Lindenau zeigt das, dass das Thema Energieeffizienz nun nicht mehr nur etwas für Technikfans ist sondern auch für Vorstände.

„Die Verbesserung der Energieeffizienz ist eine entscheidende Säule zur Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit wie Klimawandel oder zunehmende Urbanisierung. Nicht zuletzt ist Energiesparen angesichts der aktuellen Ereignisse dringender denn je. Daher ist es eine gute Nachricht, dass Unternehmen der Studie zufolge verstärkt in diese Thematik investieren wollen,“ betont Lindenau.

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