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Ergonomie von Werkzeugen sicher beurteilen

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Für eine Bewertung handgeführter Kraftwerkzeuge sind außerdem die Einsatzhäufigkeit und die Gesamtdauer der Tätigkeit hinzuzuziehen. Zum Beispiel Schleif- und Poliermaschinen: Beim Einsatz von Schleifmaschinen sind Vorschub und Starterbetätigungskraft die wichtigsten äußeren Belastungen. Der Werker sollte keine großen Kräfte aufbringen und auch den Werkzeuggriff nicht besonders fest anpacken müssen, weil Schleifarbeiten oft lange dauern.

3. Gewicht

Leichtere Werkzeuge sind grundsätzlich ergonomischer. Pauschal lässt sich zwar kein Grenzwert für das Werkzeuggewicht festlegen, aber als Faustregel gilt: Werkzeuge mit einer Masse von mehr als 2,5 kg sollten entweder aufgehängt, durch ein Gegengewicht entlastet oder mit zwei Griffen versehen werden. Zu beachten ist weiterhin der Schwerpunkt des Geräts. Dieser sollte möglichst nahe am Handgelenk des Werkers liegen, damit auf dieses so wenig Kipp- oder Drehmoment wie möglich wirkt. Zum Beispiel Schleifer und Bohrmaschinen: Je nach Werkzeug kann das Gewicht auch als positiver Faktor wahrgenommen werden. Bei Schleifarbeiten an horizontalen Flächen kann der Werker „mit der Schwerkraft“ arbeiten. Ein höheres Werkzeuggewicht kann auch Vibrationen ausgleichen oder, zum Beispiel beim Bohren in Beton, die Vorschubkraft erhöhen. Allerdings macht sich speziell bei Arbeiten an senkrechten Flächen oder über Kopf das Gewicht belastend bemerkbar. Wenn derartige Arbeiten nicht vermieden oder umorganisiert werden können, ist auch bei diesen Werkzeugen weniger Gewicht mehr.

4. Vibrationen

Alle Kraftwerkzeuge vibrieren. Einige mehr, einige weniger. Starke Vibrationen können jedoch zu gesundheitlichen Schäden führen. In der Produktdokumentation von Werkzeugen muss deren Vibrationsemissionswert stehen, damit Anwender einschätzen können, wie hoch die Belastung durch die Arbeit mit diesem Werkzeug ist. So steht es in der europäischen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG für Hersteller. Die Betriebsanleitung muss den Schwingungsgesamtwert enthalten, dem die oberen Körpergliedmaßen ausgesetzt sind, falls der ermittelte Wert 2,5 m/s2 übersteigt. Dabei gibt es keinen generellen Vibrationsgrenzwert für Werkzeuge: Ausschlaggebend ist die Einsatzdauer. Weitere Faktoren hat der Anwender sprichwörtlich selbst in der Hand: Wie fest drückt er an, wie locker liegt das Werkzeug in der Hand? Zum Beispiel schlagende Werkzeuge: Drei Vibrationsquellen sind bei schlagenden Werkzeugen zu beachten: Zuerst die oszillierende Kraft, die den Kolben antreibt, dann die Stoßwelle, die der Meißel auf die Maschinen überträgt und schließlich die Schwingungen des Werkstücks, die auf die Maschine zurückwirken. Diese Belastungen können aber durch die Konstruktion minimiert werden. So kann zum Beispiel der Griff eine Rückstoßdämpfung enthalten.

5. Lärm

Auch zur Lärmexposition gibt die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung Auslösewerte vor. Werden diese erreicht oder überschritten, müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden – von der Gehörschutz-Tragepflicht bis zur Aufstellung eines Lärmminderungsprogramms. Druckluftwerkzeuge zum Beispiel verursachen Lärm durch den Lamellenmotor, durch ausströmende Luft, das Getriebe und die Vibrationen des Gehäuses. Der Einbau von Schalldämpfern ist hier eine Möglichkeit. Bei vielen Arbeitsvorgängen überwiegt allerdings der Prozesslärm den des Werkzeugs. So etwa bei Schleifern, Meißeln oder Niethämmern. Zum Beispiel schlagende Werkzeuge: Der Prozesslärm beim Nieten ist meist beträchtlich. Das beruht auf der Bewegung des Blechs während des Schlags. Die Fortpflanzung der Blechschwingungen kann zwar gedämpft werden. Dies bringt allerdings keine wesentliche Lärmminderung.

6. Weitere Kriterien zur Werkzeugbewertung

Reaktionsmoment, Temperatur, Staub und Öl sind weitere Kriterien, die betrachtet werden müssen, um die Ergonomie eines Werkzeugs bewerten zu können. In dem neu aufgelegten Handbuch „Ergonomie bei Handwerkzeugen“ beleuchten Experten von Atlas Copco jedes dieser Kriterien detailliert. Für jeden Aspekt helfen Tabellen mit Nennwerten, Punkten oder auch Erfahrungswerten aus der Praxis bei der Beurteilung von Handwerkzeugen. Anhand von Beispielen – vom Turbinenschleifer über den Niethammer und die Bohrmaschine bis hin zu verschiedenen Schraubwerkzeugen – zeigen die Autoren, wie Unternehmen selbst vor der Investition in neue Werkzeuge diese ergonomisch unter die Lupe nehmen können. Das Buch, das die Bewertungsmethode ausführlich beschreibt, erhalten Interessierte kostenlos über Atlas Copco Tools.

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