Materialfluss

Erste Lithium-Ionen-Stapler kommen im September

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Serienmäßig?

Will: Serienmäßig, selbstverständlich. Eine Version mit Lithium-Ionen-Batterie wird zunächst für die kleineren Fahrzeuge kommen, im ersten Schritt für die T16/T20-Niederhubwagen. Anfang nächsten Jahres geht es weiter mit etwas größeren Batterien. Der Ablaufplan hängt mit den Systemanforderungen zusammen. Die Lithium-Ionen-Batterie muss mit dem Fahrzeug vernetzt entwickelt werden. Es ist nicht so einfach wie bei den Bleibatterien – die schiebt man in ein Fahrzeug und kann losfahren. Bei der Lithium-Ionen-Technik sind zusätzliche Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen. Die Batterie braucht ein Batteriemanagementsystem, das über eine CAN-Bus-Schnittstelle mit dem Fahrzeug vernetzt ist. Nur dieses System geben wir aus Sicherheitsgründen frei. Das bei den kleineren Batterien gewonnene Know-how fließt dann in die nächstgrößeren Batteriekapazitäten ein. Dabei beginnen wir mit einer Batteriegröße, die die Hälfte des Energieinhalts der normalen Bleibatterie hat. Und wir arbeiten an einer zweiten Batterie mit mehr Leistung für Niederhubwagen, Kommissionierer und Schlepper, die über den doppelten Energieinhalt im Batterieraum verfügt. Wir machen also eine Eins-zu-eins-Substitution. Basis ist dabei immer ein Managementsystem, welches das Fahrzeug mit der Batterie verbindet und jederzeit den Zustand der Batterie überwacht. Beispielsweise, um die Batterie vor Tiefenentladung zu schützen. Die Entwicklung dieses Komplettsystems hat zwar etwas länger gedauert. Aber dafür bringen wir jetzt ein System auf den Markt, das absolut sicher und vor allem effizient ist. Aufgrund unserer eigenen Tests können wir bestätigen, dass die Lithium-Ionen-Batterietechnologie etwa 30 % energieeffizienter als eine Bleibatterie ist. Das heißt, bei einem Lade- und Entladezyklus sparen Sie etwa 30 bis 35 % der Energie ein. Grund ist der praktisch nicht vorhandene Innenwiderstand und damit höhere Wirkungsgrad. Der hohe Innenwiderstand der Bleibatterie führt zur Erwärmung und damit Verlustenergie. Das hat die Lithium-Ionen-Batterie nicht.

Sie hatten beim Material Handling Symposium im letzten September einen Vertreter Ihres Entwicklungspartners Fronius zu Gast ...

Will: Das ist aber eine andere Technologie – hier sprechen wir von der Brennstoffzelle. Auch mit dieser Antriebsform beschäftigen wir uns. Das Projekt mit Fronius und weiteren Partnern ist eines von zwei Forschungsprojekten, an denen wir uns momentan beteiligen. Wir tun dies, weil wir der Brennstoffzellen-Technologie ebenfalls gute Chancen einräumen, dass sie sich am Markt durchsetzen wird, allerdings nicht kurzfristig. Die einzelnen Testgeräte sind zwar serienfähig und erprobt, wir wollen mit den Forschungsprojekten aber zunächst noch weitere Erkenntnisse erzielen und sie wirtschaftlich machen, bevor wir damit tatsächlich in Serie gehen.

Frank Bergmann, Produktmanager Gegengewichtsstapler Deutschland bei Ihnen im Hause, hat auf der World of Material Handling den Linde Safety Pilot vorgestellt, an dessen Entwicklung Sie als CTO sicher beteiligt waren. Ist das der neue Maßstab in puncto Sicherheit?

Will: Ja, das ist der neue Maßstab. Ich sage Ihnen auch warum: Standard ist bis heute ein sogenanntes Traglastdiagramm, welches als Schild im Stapler aufgeklebt ist. Um die gewünschte Information am Diagramm ablesen zu können, brauchen Sie den Lastschwerpunkt, Sie müssen wissen, wie schwer die Last ist, und Sie brauchen die Hubhöhe – alle drei Dinge kennt der Fahrer aber nicht, er kann sie bestenfalls schätzen. Das ist ungefähr so, als wenn Sie mit dem Auto fahren und an der Fahrbahnseite ein Schild mit der Geschwindigkeitsbegrenzung „50 km/h“ steht, Sie aber keinen Tacho haben. Das verlangen wir aber von den Staplerfahrern und sagen: Du bist verantwortlich, hier ist das Traglastdiagramm, fahre entsprechend dem Diagramm. Aber wir sagen dir nicht, wie schwer die Last ist, wo sich ihr Lastschwerpunkt auf den Gabelzinken befindet und wie hoch du aktuell hebst – das birgt Gefahren, weshalb wir an diesem Thema schon fast zehn Jahre lang arbeiten, seit sechs bis acht Jahren intensiv. Mit unserer Kundenveranstaltung haben wir das Fahrerassistenzsystem auf den Markt gebracht, für die Elektrostapler Linde E20 bis E50 mit Traglasten von 2 bis 5 t. Es handelt sich dabei wirklich um eine Revolution. Es sind die ersten Fahrzeuge weltweit, die über ein solches Assistenzsystem verfügen. Wir bieten es in zwei Ausbaustufen an: „Select“ und „Active“. Select ist das kleinere System, das die Fahrer durch zusätzliche Anzeigen, eine integrierte Lastwaage und Weiteres mehr unterstützt. Im Gegensatz zum Komplettsystem greift es aber nicht in den Stapler ein. Es zeigt ihm über bestimmte Sensoren zum Beispiel Hubhöhe und Neigewinkel an. Das Active-System ist hingegen vergleichbar einem ESP- oder ABS-System im Auto. Es ist ein Assistenzsystem, das im Grenzbereich aktiv in das Fahren, das Heben und das Vorneigen eingreift. Und zwar indem ein Heben und Vorneigen der Gabeln zunächst mit reduzierter Geschwindigkeit und ab einem bestimmten Zeitpunkt gar nicht mehr möglich ist.

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