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Und den Fahrer damit auch zwangsweise kontrolliert?
Will: Der Fahrer wird in erster Linie unterstützt. Es gibt optische und akustische Warnungen. Das Display wechselt erst auf Gelb und dann auf Rot, wenn der Fahrer zu hoch hebt. Die Bewegung des Hubmastes wird beim Anheben erst langsamer und irgendwann ganz gestoppt. Das Hubgerüst kann dann nur noch zurückgeneigt oder abgesenkt werden. Das System verhindert auf diese Weise, dass er in gefährliche Situationen kommt. Nehmen Sie den Fall, dass der Fahrer während des Fahrens das Hubgerüst anhebt. Dann wird der Stapler langsamer, sodass er im Prinzip nicht mehr kippen kann. Ich sage bewusst „im Prinzip“, denn ganz verhindern lässt sich das nicht. Der Linde Safety Pilot ist nur ein Assistenzsystem. Tritt der Fahrer beispielsweise bei Höchstgeschwindigkeit mit voller Kraft auf die Bremse, dann hebt sich das Gegengewicht. Oder wenn er in ein tiefes Schlagloch oder eine Rampe hinab fährt. Aber solange der Fahrer auf ebener Fläche bei geradem Boden fährt, schützt das System vor Kippunfällen. In diesen Fahrzuständen haben wir das so sicher gemacht, dass nichts mehr passieren kann. Damit ist der Safety Pilot deutlich besser als alle anderen Systeme, die es heute schon auf dem Markt gibt. Denn sie messen nur den Druck, die Hubkraft und die Hubhöhe. Unser System besitzt einen Sensor hinten in der Lenkachse, der das Achsgewicht misst. Über den anliegenden Hebel lässt sich ausrechnen, wo sich die Last vorne befindet. Auf diese Weise ist der Stapler immer in der Balance und es wird verhindert, dass die Achse hinten abhebt.
Herr Will, 2002 haben Sie die Dieselstaplergeneration 39X im Porsche-Design an den Start gebracht. Was war ausschlaggebend für den späteren Erfolg dieser Serie?
Will: Das Porsche-Design alleine war es nicht. Wir machen Design auch nicht des schönen Aussehens wegen, sondern Design hat immer eine gewisse Funktion. Denken Sie an die oben liegenden Neigezylinder, einer der markanten Punkte dieser Baureihe. Seit zwölf Jahren bieten wir unseren Kunden dieses Alleinstellungsmerkmal. Vorteil dieser Entwicklung ist, dass unsere Stapler den fünffachen Hebelarm zum Mast haben. Damit sind sie verwindungssteifer und können die Last besser festhalten. Gleichzeitig ermöglicht uns die Konstruktionsweise, den Mast und die Antriebsachse vom Rest des Fahrzeugs abzukoppeln. Einfach gesprochen heißt das: oben (am Hubgerüst) Gummilager, unten (in der Antriebsachse) Gummilager und der Stapler schiebt den Mast auf den Rädern vor sich her. Ein weiterer entscheidender Fortschritt ist uns bei der Baureihe 39X zudem mit langsamlaufenden Hydrostatikmotoren gelungen. Sie wurden in unserem eigenen Hause entwickelt und kommen ohne Getriebe aus. Die Kolben sind zehnmal so groß, bewegen sich mit zehnmal mehr Ölvolumen und brauchen damit kein Getriebe mehr – und das bei gleicher Feinfühligkeit wie zuvor. Damit haben wir den Verbrauch der Geräte und die Geräusche gesenkt. Das ist einmalig. Doch damit noch nicht genug. Wir haben seinerzeit auch den Arbeitsplatz revolutioniert und den Motor quer eingebaut. Durch den sehr langen Fußraum erhält der Fahrer in Verbindung mit Armlehne und Joystick, seit damals auch serienmäßig, optimale Bedingungen.
Als Weichai Power 2012 bei Linde Hydraulics eingestiegen ist, wurde vom Ausverkauf der Technologie an die Chinesen gesprochen. Ihre Mutter Kion Group ist ja nach wie vor als strategischer Investor beteiligt. Kann Linde-MH von dieser Partnerschaft profitieren?
Will: Selbstverständlich, an der engen Kooperation zwischen Linde-MH und Linde Hydraulics ändert sich nichts. Das betrifft sowohl die Entwicklung als auch die Exklusivität der Belieferung mit hydrostatischen Antrieben für Gegengewichtsstapler. Gleichzeitig ist die Kion Group über einen 30%igen Anteil an Linde Hydraulics weiterhin eng mit diesem Geschäftsfeld verbunden. Und es ergeben sich neue Chancen aus den Eigentümerverhältnissen, beispielsweise durch die Weiterentwicklung des Komponentengeschäfts oder das neue Hydraulikwerk, das zurzeit am Standort Aschaffenburg gebaut wird.
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