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Aus diesem Grund muss das Hochlohnland nun selber den nächsten Entwicklungsschritt gehen, um auch bei gestiegenem Wissensniveau der Niedriglohnländer einen Mehrwert bieten zu können. Das gegenwärtig vorhandene Unwohlsein gegenüber den aufstrebenden Niedriglohnländern rührt daher, dass der eigene Wissensvorsprung durch die genannten Aktivitäten der Niedriglohnländer geringer wird. Es ist noch nicht klar erkennbar, mit welchen Mitteln der Wissensvorsprung des Hochlohnlandes aufrecht erhalten werden kann.
Für mich stellt die Vernetzung des Fachwissens, also die wirklich gelebte Umsetzung interdisziplinären Arbeitens in Forschung, Entwicklung und im alltäglichen industriellen Alltag, den für Hoch-lohnländer jetzt entscheidenden Ansatz dar, um den erwähnten Mehrwert auch noch in Zukunft bieten zu können. Niedriglohnländer können diesen Schritt noch nicht gehen, da sie sich erst noch das notwendige, tiefe Fachwissen erarbeiten müssen. Der Schritt zur Quervernetzung von Wissen kann schließlich erst gegangen werden, wenn das Wissen in den Fachdis-ziplinen vorhanden ist.
Und was bedeutet das für die mittelständischen Maschinenbauer?
Schapp: Es bedeutet, dass gerade für sie die wichtigste Ressource die im Unternehmen angestellten Mitarbeiter sind. Bestimmte Skaleneffekte können aufgrund der begrenzten Größe, auch bei einer globalen Präsenz, einfach nicht erschlossen werden. Da die gesamtheitliche Sichtweise und Lösungskompetenz in allen Unternehmenshierarchien vorliegen muss, ist die fachübergreifende Ausbildung aller Mitarbeiter von der Shopfloor-Ebene bis zur Unternehmensführung zu gewährleisten.
Was versteht man unter „intelligenter Produktion“ – virtuelle Maschinen in digitalen Fabriken?
Schapp: Das ist natürlich eine rhetorische Frage. Virtuelle Maschinen in digitalen Fabriken werden nie wirklich eine für den Maschinenbau relevante Wertschöpfung generieren, sind aber heute aus der Planung im unternehmerischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Virtuelle Produktionssysteme sind ja auch in dem von mir geführten Exzellenzcluster ein wichtiger Aspekt. Entscheidend ist bei computerunterstützten Planungswerkzeugen immer die Bedarfsgerechtigkeit. Systeme, die aufgrund ihres Umfangs oder ihrer Komplexität überdimensioniert sind, haben ebenso nur eine begrenzte Wirkung wie unterdimensionierte Systeme, die vielleicht auf den Einzelfall gut angepasst sind, doch erhebliche Mängel bezüglich der Informationstransparenz aufweisen. Den goldenen Mittelweg sehe ich in der möglichst einfachen Vernetzung der auf den Einzelfall angepassten, auch durchaus heterogenen Systemlandschaft.
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