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Das Gegenteil zu der Wertorientierung ist die zentrale, von oben nach unten durchgeführte, möglichst detaillierte Planung. Hier werden Sie zwar eine ausgesprochen gute, unternehmensübergreifende Zielorientierung gewährleisten können, doch zeigt die Vergangenheit, dass das System aufgrund der Informationsintransparenzen und aufgrund der Tatsache, dass Produktionssysteme soziotechnische Systeme sind, nur schwer eine hohe Planungsgenauigkeit erreicht. Die Kunst liegt nun nicht darin, den optimalen „Betriebspunkt“ zwischen der Wert- und der Planungsorientierung zu finden. Das wird schon seit langer Zeit von den Unternehmen versucht. Vielmehr muss versucht werden, die Gegensätze zu verkleinern, so dass zum Beispiel bei gleich bleibendem Planungsaufwand die Wertschöpfung erhöht wird. Dies ist auch eines der zentralen Forschungsthemen in unserem Exzellenzcluster.
Wie lässt sich die Verfügbarkeit von Gesamtsystemen erhöhen? Durch vernetzte Produktion, strategische Produktplanung, integrative Produktionstechnik, adaptive Strukturen oder kognitive Systeme, die im Betrieb lernen und sich selbst optimieren? Wie praxisnah sind diese Ansätze?
Schapp: Meiner Meinung nach ist das Thema Verfügbarkeit ein ganz wichtiges. Hier sollte in vielen Betrieben die Minimierung der Rüstzeiten im Fokus der Anstrengungen liegen. Dies ist ein wesentlicher Aspekt in dem Themenkomplex Hybride Produktionssysteme. Durch die Integration verschiedener Fertigungsverfahren in eine Anlage steigt zwar zunächst deren Komplexität, aber Umrüstvorgänge können reduziert werden. Dies führt zu einer Verringerung der Gegensätze von Wert- und Planungsorientierung.
Die gleiche Richtung wird mit dem Einsatz selbstoptimierender, und dann eine Stufe weiter eigentlich, der kognitiven Systeme verfolgt. Hier werden ja aktuell sowohl technische als auch betriebsorganisatorische Aspekte der Selbstoptimierung erforscht. Hier spielen dann auch Aspekte der künstlichen Intelligenz eine Rolle, wie sie bisher noch nicht in der Produktionstechnik angewendet werden. Hier steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen und ist von der industriellen Umsetzung noch weit entfernt.
Beide Aspekte, die hybriden und die selbstoptimierenden (kognitven) Produktionssysteme sind übrigens Schwerpunkte im Aachener Produktionstechnik-Exzellenzcluster. Dass diese Themen allerdings in der Industrie als sehr zukunftsweisend angesehen werden, zeigt sich in der sehr positiven industriellen Resonanz, die wir hier erfahren und der Kooperation namhafter produzierender Unternehmen mit dem Exzellenzcluster.
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