Intelligente Produktion

Fachwissen quervernetzen

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Bei unserem Exzellenzcluster „Integrative Produktionstechnik für Hochlohnländer“ – dem einzigen in ganz Deutschland übrigens, der sich voll und ganz dem Thema Produktionstechnik widmet – ersetzt das Wort „Integrativ“ das von Ihnen genannte „Intelligent“. Ich denke, in beiden Fällen ist das gleiche gemeint. Wir verstehen unter dem integrativen Charakter die ganzheitliche Sichtweise – alle Teilaspekte eines Unternehmens sollten für sich ihren Beitrag zum Ganzen klar definieren können. Und das von Ihnen verwendete Wort Intelligenz bezieht sich nicht allein auf künstli-che Intelligenz technischer Systeme. Obwohl dieser letzte Aspekt und seine Übersetzung in Produktionssysteme durchaus seine Berechtigung in der Zukunft haben wird.

Sind wandlungsfähige Produktionssysteme, oder die individualisierte Großserienproduktion, heute schon mit vertretbarem Aufwand realisierbar?

Schapp: Ich denke noch nicht in vollständiger Weise. Wenn man die Automobilkonzerne betrachtet, die das Modularisierungsprinzip mit der Anzahl der möglichen Varianten an Ausstattungslinien ja schon so auf die Spitze getrieben haben, dass quasi fast nicht das gleiche Auto mehrmals gebaut wird, könnte man meinen, dass die individualisierte Großserienproduktion bereits Realität ist. Allerdings sind hinsichtlich des Individualitätsgrads, als auch bezüglich des Grads der Erschließung der für die Großserienproduktion interessanten Skaleneffekte hier noch beträchtliche Potenziale vorhanden.

Wir nennen diesen Aspekt eines der Hauptdilemmata der Produktionstechnik – das Erreichen eines individuellen Produktes mit gleichzeitiger Erreichung der Skaleneffekte. Hierfür sind noch einige Anstrengungen zu gehen, welche meiner Meinung nach noch einiges an Forschungsarbeiten nötig machen und am Ende auch gerade bei den Anwendern der Prinzipien und Technologien ein tieferes und vor allem breiteres Verständnis der übergeordneten Aspekte verlangen. Womit wir wieder bei dem bereits angesprochenen Aspekt sind, dass aus dem bereits vorhandenen Wissen in Hochlohnländern durch Quervernetzung der maximale Nutzen erzielt wird.

Sind Begriffe wie „ressourcenschonende oder wertorientierte Produktion“ nur akademische Entwicklungsziele oder gelebte Praxis?

Schapp: Zum Einen stellt sich die Frage, ob beispielsweise die wertorientierte Produktion jemals für die Praxis relevant sein wird, also ob dieses Forschungsfeld an sich an den Bedürfnissen des Marktes vorbeigeht. Die andere Frage ist, ob die Begriffe bereits in der Praxis wirklich eingesetzt werden. Die alleinige Fokussierung auf den Wert-Aspekt sehe ich nicht als die Lösung der Probleme an. Damit sprechen Sie bereits das zweite wichtige Dilemma produzierender Unternehmen an.

Die eigentliche Fragestellung lautet: Wie viel Planungsaufwand muss ich zur Erreichung der maximalen Wertschöpfung in meinem Unternehmen einsetzen? An sich geht es also um die Fragestellung der Planungseffizienz und Planungseffektivität. Wie viel Planungskompetenz wird an welchen Stellen im Unternehmen am sinnvollsten bereit gestellt. Die reine Wertorientierung würde bedeuten, möglichst viel Planung dezentral und verteilt durchführen zu lassen. Mit einem solchen System wird man die täglich auftretenden Probleme, die aus der Dynamik des Marktes herrühren, gut lösen können. Sie haben dann aber ein Problem der Zielsynchronisierung der einzelnen Planungseventualitäten.

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