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Die iranische Industrie
Seit der Lockerung der Sanktionen gegen den Iran im vergangenen Jahr wird von Experten ein kräftiger Aufschwung und viele neue Großprojekte erwartet. Das auswärtige Amt rechnet nach der Aufhebung der Finanz- und Wirtschaftssanktionen in Europa mit einer Verdoppelung des Handelsvolumens. Als Grund wird neben dem Zugang zum internationalen Zahlungsverkehr das wieder zur Verfügung stehende Geld in Höhe „dutzender Milliarden US-Dollar“, die zuvor im Ausland eingefroren waren, genannt.
Die neuen Einnahmen aus dem geöffneten Öl- und Gasmarkt sind ein weiterer Grund den Aussagen über gefüllte iranische Kassen Glauben zu schenken. Übergreifend betrachtet, befindet sich die Wirtschaft Irans zum Großteil unter der Kontrolle des Staates und religiöser Stiftungen. Die Inflationsrate wird derzeit offiziell mit 11,5 Prozent angegeben., ähnlich wie die Arbeitslosenrate. Sie beträgt offiziellen Angaben zufolge 11,9 Prozent, dürfte in Wahrheit jedoch etwa doppelt so hoch sein.
Neben der Öl- und Gasförderung sowie der Automobilproduktion sind weitere wichtige Wirtschaftssparten die Textilindustrie, die Landwirtschaft und die Zement- und Baustoff-Produktion. Immerhin ist der Iran viertgrößter Zementhersteller weltweit. Doch auch neue Sparten wachsen heran, wie der Bereich der erneuerbaren Energien. Schon zu Zeiten der bestehenden Sanktionen wuchsen die Stromerzeugungskapazitäten, die jetzt verstärkt ausgebaut werden sollen. Zwar wird bereits in erneuerbare Energien aus Sonne und Wind investiert. Windkraftanlagen im Nordosten des Landes sind sichtbares Zeichen für den eingeschlagenen Weg, doch noch stellt die Wasserkraft mit 12 GW den weitaus größten Anteil am regenerativ erzeugten Strom.
Maschinenexporte aus Deutschland
Während die Erneuerung der Flugzeugflotte im vergangenen Jahr eine der ersten Meldungen war, die Schlagzeilen machte, ist das Geschäft im Maschinenbau zäher. Zwar erwarten auch hier alle Experten einen kräftigen Aufschwung. Großprojekte, Erweiterungsinvestitionen und die notwendige Erneuerung der Industrieanlagen in Milliarden-Dollar-Höhe lassen aber noch auf sich warten. Maschinen und Zubehörteile machen davon vermutlich etwa 20 Prozent aus.
Wie der VDMA berichtet, sind die deutschen Maschinenexporte in den Iran im vergangenen Jahr bereits um 37 Prozent auf 759 Millionen Euro gestiegen. „Das ist unter diesen Umständen ein respektables Ergebnis“, wägt Ulrich Ackermann, Leiter VDMA Außenwirtschaft die Bedeutung des derzeitigen Handelsvolumens ab. Im Deutsch/Iranischen Handel von Werkzeugmaschinen wuchs die Abnahme um sechs Prozent auf 126 Millionen Euro. Nach Einschätzungen des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) lieferten deutsche Hersteller wertmäßig gut ein Viertel der importierten Maschinen.
Wie weit diese Zahlen noch von früheren Zuständen entfernt sind, zeigt eindrucksvoll die Titelgrafik zum Thema. Die Zahlen des VDW zeigen die Maschinen-Exporte von 1992 im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren. Während Umform-, Stanz- oder Lasermaschinen für das Wachstum zwischen 2013 und 2016 sorgten, ist das noch nichts im Vergleich zu früheren Zeiten, in denen Maschinen im Wert bis zu 188 Milliarden Euro exportiert wurden.
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