Robotik Handwerk und Hightech zwischen Schaft und Sohle

Autor / Redakteur: Yafang Li und Hans P. Fritsche / Rüdiger Kroh

Zu den noch wenig automatisierten Branchen gehört die Schuhherstellung. Doch das wandelt sich. Inzwischen steuern Roboter die differenzierten, miteinander verknüpften Prozesse des Aufrauens und Klebens, des Anspritzens der Sohlen oder des Transfers der Teile. Roboter positionieren, transferieren und verpacken.

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Bild 1: Kombi-Roboter lassen sich für unterschiedliche Aufgaben nutzen. Die verfügen in der Schuhproduktion je nach Aufgabenstellung über einen Kombinationskopf zum Aufrauen und Klebstoffsprühen oder Aufrauen und Einlegen von Stahlsohlen.
Bild 1: Kombi-Roboter lassen sich für unterschiedliche Aufgaben nutzen. Die verfügen in der Schuhproduktion je nach Aufgabenstellung über einen Kombinationskopf zum Aufrauen und Klebstoffsprühen oder Aufrauen und Einlegen von Stahlsohlen.
(Bild: ABB)

Noch stammen lediglich 10 % der weltweit rund 20 Mrd. Schuhpaare pro Jahr aus automatisierter oder teilautomatisierter Fertigung. Der Grund für die noch immer vorherrschende Handarbeit mag darin liegen, dass einerseits die Geschichte der Fertigung von Fußbekleidung viele hundert Jahre zurückreicht und zahlreiche Hersteller deshalb ein ausgeprägtes Traditionsbewusstsein pflegen, zum anderen auch daran, dass Schuhe sprichwörtlich sind für menschliche Einzigartigkeit. Endverbraucher erwarten nicht allein Schuhe für den Alltag und die unterschiedlichen Fußgrößen und -formen, sondern für vielerlei Sportarten, Anlässe, Lebensgefühle oder Sicherheitserfordernisse, in trendigem oder traditionellem Design. Spezielle Ausführungen von medizinischen, Sport- und Sicherheitsschuhen sind technologisch hoch entwickelt.

Ansohlen ist einer der bestimmenden Fertigungsschritte

Unabhängig von Art und Verwendungszweck der Schuhe ist das Ansohlen einer der bestimmenden Fertigungsschritte. Am Schaft, bestehend aus meist mehreren miteinander verbundenen Einzelteilen des Innenschafts (Futter), des Zwischen- und des Außenschafts ist die Sohle zu befestigen. Die Sohle setzt sich wiederum aus mehreren Lagen zusammen: Innensohle, Zwischensohle und äußere Laufsohle plus Absätze.

Die in Achim bei Bremen ansässige Klöckner Desma Schuhmaschinen GmbH hat sich auf Fertigungseinrichtungen zum Anbringen der Sohle an den Schaft spezialisiert. Leistungsfähige Industrieroboter können die hier erforderlichen komplexen Bewegungsabläufe schnell, sicher und in einer jederzeit reproduzierbaren Qualität ausführen (Bild 1). Die Fertigungsexperten des weltweit agierenden Schuhmaschinenspezialisten erschließen immer neue Anwendungsfelder für Roboter.

Überzeugende Vorteile füreffiziente Produktionsprozesse

Klaus Freese, einer der beiden Geschäftsführer von Desma, ist sich dessen bewusst: Im internationalen Wettbewerb sind die herstellenden Unternehmen gefordert, die Effizienz ihrer Produktionsprozesse zu erhöhen. Dazu müssen sie die Arbeitsabläufe entschlacken, das heißt die unterschiedlichen, teilweise komplexen Bewegungsabläufe beim Handling oder dem Materialfluss analysieren und Schwachstellen beseitigen. Roboter zeichnen sich durch Präzision und Wiederholgenauigkeit, konstante Qualität und Prozesssicherheit aus. So liegt allein die durchschnittliche Betriebszeit zwischen zwei Ausfällen (MTBF: Mean Time Between Failures) für Industrieroboter bei über 80.000 Stunden. Diese Werte erreichen konventionelle Maschinen nicht.

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