Gleitschleifen Hier kommt die erste Streamfinish-Maschine für Großes

Redakteur: Peter Königsreuther

Bauteile mit einem Durchmesser und einer Länge von 650 mm, die bis 200 kg wiegen dürfen, können auch endlich auf umweltschonendere Art gleitgeschliffen werden...

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Mit der SF-HP gelingt erstmals das sogenannte Streamfinishen jetzt an großen Bauteilen bis zu einem Gewicht von 200 kg, informiert Otec.
Mit der SF-HP gelingt erstmals das sogenannte Streamfinishen jetzt an großen Bauteilen bis zu einem Gewicht von 200 kg, informiert Otec.
(Bild: Otec)

Das jüngste Familienmitglied der SF-Serie von Otec heißt SF-HP. Die Anlage gilt als erste, die schwere und große Werkstücke per Streamfinish-Prozess bearbeiten kann. Zu den Paradebeispielen der Branchen, für die die SF-HP besonders interessant sein dürfte, gehören die Luftfahrt, die Lebensmittelindustrie, der Werkzeug- und Formenbau, der Maschinenbau sowie der Energie-, Öl- und Gassektor, heißt es weiter.

Bei diesem Verfahren, erklärt Otec, spannt man die Werkstücke in einen Halter. Sie werden dann in einen sich drehenden, mit Schleif- oder Poliermitteln gefüllten, Behälter abgesenkt. Die eigentliche Bearbeitung erfolgt durch dass sich drehende Bauteil und durch das darum herum strömende Schleif- oder Poliermittel. Dadurch würden auch kleinsten Spannuten hochfeine Oberflächen mit einem Mittenrauwert von Ra = 0,01 µm gegeben.

So werden besonders langlebige Komponenten gefertigt

Durch diverse Achseneinstellungen des Prozesskopfes und der Spindel ist laut Otec jeder Durchlauf des Werkstücks durch den Prozess möglich. Das führe zu einer präzisen Oberflächenbearbeitung in kürzester Zeit, was auch bis für kleinste Geometrien gelte. Der Otec-Streamfinish-Prozess ist ein mechanischer Vorgang, der ohne aggressive Chemikalien (grüner Prozess) auskommt, betont der Hersteller. Die tribologischen Oberflächeneigenschaften der Bauteile werden dabei verbessert, um Reibung und Abrieb im späteren Einsatz zu reduzieren. Das verlängert die Lebensdauer der Teile und der Systeme in denen diese integriert sind. Trotz des möglichen Maximalgewichts der Bauteile, werden diese per integriertem Ladesystem automatisch be- und entladen, betont Otec. Man müsse das Bauteil zuvor lediglich per Wagen andocken. Möglich seien auch Roboterzellen für eine direkte Beladung. Die Bedienung der SF-HP soll übrigens ohne große Kenntnisse klappen.

Drei Antriebsarten optimieren das Schleifergebnis

Otecs erklärtes Ziel bei der Entwicklung war es, ein Höchstmaß an Flexibilität bei der Bearbeitung von verschiedenen Werkstücke zu bieten. Deshalb haben die Experten in der Spindel der SF-HP drei verschiedene Antriebsarten in einem System kombiniert, heißt es. Mit nur einem System kann sich nun entweder das Werkstück mit verschiedenen Geschwindigkeiten in einer Richtung und mit bis zu 250 min-1 drehen, oder man kann die Schrittfunktion nutzen, um das Werkstück in bestimmten Winkeln in das Bearbeitungsmedium zu legen, erklärt Otec. Es kann aber auch das Pulsfinish-Verfahren mit maximal 250 min-1 genutzt werden. Zusammen mit dem sehr flexiblen Bearbeitungskopf, bei dem eine große Anzahl von Achseneinstellungen programmiert werden kann, ist dann jeder „Fluss“ des Werkstücks durch das Prozessmedium möglich. So gelinge die bestmögliche Bearbeitung.

Otec erklärt: Das Prinzip des neuartigen Pulsfinish-Verfahrens, das sich besonders in der Linienfertigung bezahlt macht, setzt auf exakt definierte und in kurzer Folge wiederkehrende Bewegungsintervalle zwischen Bearbeitungsmedien und Werkstück. Es erreiche besonders gute Endergebnisse. Damit gelingen in unter einer Minute das Entgraten, Verrunden und Glätten, betont Otec.

Beispiele für die Einsatzmöglichkeiten des Streamfinishen

Aktuell wird das Unternehmen mit der Endbearbeitung vieler Produkte aus den oben genannten Branchen beauftragt, heißt es. Es gibt darunter etwa Anfragen zur Verbesserung der Oberfläche von Bauteilen auf Ra = 0,15 bis 0,2 µm, zur definierten Kantenverrundung von Zahnrädern bei gleichzeitiger Verbesserung der Oberfläche auf Ra = 0,08 bis 0,05 µm, zur Radiusverrundung der Tannenbaumnut von Scheiben ohne Geometrieänderung sowie zur Hochglanzpolitur von Formen und Werkzeugen oder Kugelhähnen, um nur einige zu nennen.

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