Ingenieurdienstleistungen In der Elektrotechnik erreicht der Ingenieurmangel den Gipfel

Redakteur: Claudia Otto

Ingenieure sind Mangelware. Die Energiewende könnte diesen Fachkräftemangel noch verschärfen. Markus Präßl, Vertriebsleiter Nord-West und Spezialist für Windenergie und Engineering Competence bei Ferchau Engineering, berichtet im MM-Interview von den Erfahrungen eines Ingenieurdienstleisters.

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Nach Meinung von Markus Präßl macht die Elektrotechnik am Energiemarkt die Ingenieursuche besonders schwer.
Nach Meinung von Markus Präßl macht die Elektrotechnik am Energiemarkt die Ingenieursuche besonders schwer.
(Bild: Otto)

Herr Präßl, inwieweit spüren Sie durch die Energiewende bedingte Veränderungen in den Kundenanforderungen?

Präßl: Wir merken das einerseits im Offshorebereich der Windenergie, wo wir sehr aktiv sind. Wir kümmern uns dabei weniger um die Anlage selbst, also um das Windrad, sondern mehr um die Verankerung auf See also um die Fundamente, die Versorgungsstationen und die Umspanntechnik dabei. Durch die Energiewende wird das ganze Thema der Windkrafttechnik weiter forciert und mittlerweile liegt darauf schon relativ viel Fokus. Andererseits spüren wir die Auswirkungen der Energiewende natürlich auch, in Anführungszeichen, im Negativen, sodass wir im Bereich der Atomenergie nicht mehr so stark tätig sind. Der Rückbau steht dann bevor, da wissen wir allerdings noch nicht so genau, wie viele Tätigkeiten da wirklich sein werden, die wir als Ferchau gut machen können. Da müssen wir ein bisschen abwarten. Was die erneuerbaren Energien betrifft, so machen wir im Bereich der Solartechnik generell weniger, weil das mehr chemisch getrieben ist und in die Verfahrenstechnik hineingeht. Aber wir sind mittlerweile beispielsweise im Bereich von Biomassekraftwerken tätig. In diese Richtung haben sich Kunden von uns bewegt und die begleiten wir dann auch in diesen Bereichen.

Haben Sie Probleme, speziell im Bereich der erneuerbaren Energien, geeignete Fachkräfte zu finden?

Präßl: Ja. Dieses Problem haben wir zwar in allen Bereichen, aber speziell am Energiemarkt spielt durch die Spannungstechnik häufig Elektrotechnik eine Rolle. Und dort ist es dann im Vergleich zur Mechanik noch mal schwieriger, Personal zu finden.

Was unternehmen Sie, um Ihren Fachkräftebedarf zu decken?

Präßl: Wir sind sehr stark auf Messen – wie beispielsweise der Hannover-Messe – unterwegs, aber auch bei lokalen Messen an Hochschulen sind wir vertreten. Darüber hinaus bieten wir Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten an. Ferner haben wir ein entsprechendes Entwicklungsprogramm für unsere Ingenieure und versuchen die technischen Kräfte so ans Unternehmen zu binden.Und wir bieten natürlich auch verschiedene Qualifizierungsmaßnahmen an.

Wie hoch ist der Frauenanteil bei Ferchau?

Präßl: Wir haben einen Frauenanteil von 8 %, bezogen auf die 5500 Engineering-Mitarbeiter, die in Projekten beim Kunden arbeiten. Aber wir hätten gerne mehr, denn wir machen gute Erfahrungen mit weiblichen Fachkräften, doch die Anzahl der weiblichen Studierenden in den für uns relevanten Fächern ist leider extrem niedrig.

Unternehmen Sie auch Anstrengungen, um Fachkräfte aus dem Ausland anzuziehen?

Präßl: Wir sind nicht allzu stark auf dem ausländischen Rekrutierungsmarkt aktiv. Das haben wir vor einiger Zeit in Spanien versucht und auch in England, aber beim Kunden gab es dann Probleme mit der Integration. Das lag zum einen an kulturellen Unterschieden, aber auch an sprachlichen Hindernissen. Denn Englisch war dann in den Teams der Stammbelegschaft doch nicht so selbstverständlich. Der Fokus liegt bei uns also eindeutig auf dem deutschen Markt.

Welche Ziele haben Sie für 2013/2014?

Präßl: Zum einen wollen wir unseren IT-Engineering-Anteil von 20 auf 25 % des Umsatzes erhöhen. Zum anderen möchten wir unsere Engineering Competence, also den Anteil der Mitarbeiter, die in technischen Büros bei uns Aufträge von Kunden bearbeiten, von 22 auf über 30 % erhöhen. Natürlich wollen wir dabei keine Mitarbeiter vom Kunden vor Ort abziehen, sondern diese Aufträge zusätzlich generieren.

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