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Unternehmensnachfolge Industriebetriebe – beliebt und doch schwierig

Autor: Melanie Krauß

Potenzielle Nachfolger wollen gerne Industriebetriebe übernehmen. Was diese Betriebe so attraktiv macht und warum es am Ende häufig trotzdem nicht mit der Übernahme klappt, lesen Sie hier.

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Interessant für Nachfolger: Industriebetriebe versprechen hohe Renditen.
Interessant für Nachfolger: Industriebetriebe versprechen hohe Renditen.
(Bild: ©siraanamwong - stock.adobe.com)

Wer vom eigenen Unternehmen träumt, muss dieses nicht unbedingt selbst gründen. Eine mögliche Alternative ist die Übernahme eines bereits bestehenden Betriebs. Besonders beliebt bei Nachfolgeinteressenten: Industrieunternehmen. Bei der DIHK interessieren sich volle 45 % der potenziellen Übernehmer für Betriebe aus diesem Bereich. Zum Vergleich: Für Unternehmen aus dem Handel interessieren sich lediglich 23 %, für Unternehmen aus dem Hotel- und Gastgewerbe sogar nur 13 %.

Warum Industriebetriebe so beliebt sind

Was macht Industriebetriebe so begehrt? Zum einen versprechen gerade industrielle Nischenbranchen laut DIHK hohe Renditen. Zum anderen zeichnen sich für die Branche trotz Coronakrise insgesamt positive Zukunftsaussichten ab. „Zwar belasteten Umsatzrückgänge und ein schrumpfender Auftragseingang in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit die Sparte Robotik und Automation, der weltweite Absatz von Indus­trierobotern stieg aber kontinuierlich“, sagt beispielsweise Matthias Ehnert, Spezialist für Unternehmensverkäufe am Automatisierungsmarkt und Geschäftsführer der Enwito GmbH. Bei Unternehmensnachfolgen in der Robotik spricht er daher sogar von einem Verkäufermarkt.

„Internationale Branchengrößen aus Deutschland, Japan oder China haben großes Interesse, Know-how und Spezialisten, aber auch Marktanteile und etablierte Marken aus dem Mittelstand zu kaufen“, so Ehnert weiter. Einen unterstützenden Treiber für die M&A-Aktivitäten sieht er im Thema Industrie 4.0. „Neue Produktionsumgebungen bis hin zu wandlungsfähigen Smart Factorys erhöhen den Wettbewerbsdruck. Das haben strategische Käufer erkannt.“

Woran die Nachfolge trotzdem scheitert

Die Bereitschaft, ein Industrie­unternehmen zu übernehmen, ist also groß. Größer als der Anteil von Seniorunternehmern, die einen Nachfolger für ihren Indus­triebetrieb suchen. Denn dieser liegt gerade einmal bei 21 %. Im Osten ist die Differenz zwischen Interessenten (53 %) und Altinhabern (16 %) sogar noch deutlicher. Trotzdem gibt es auch einige Faktoren, die die Nachfolge am Ende zum Scheitern bringen können. Die DIHK nennt in ihrem Nachfolgereport 2019 unter anderem folgende Nachteile:

  • Der Kaufpreis von Industriebetrieben ist im Vergleich zu anderen Branchen oft recht hoch.
  • Technische Branchen setzen ein hohes fachliches Know-how voraus.
  • Kleinere Industrieunternehmen leiden bisweilen unter höherem Wettbewerbsdruck oder sind abhängig von Großkunden.
  • Der Nachfolger muss sich mit behördlichen Auflagen und Genehmigungsverfahren herumschlagen.

Tatsächlich unterschätzen der Untersuchung zufolge 44 % der potenziellen Übernehmer die Anforderungen und bei jedem vierten (25 %) reichen die Qualifikationen nicht aus. Mit Finanzierungsschwierigkeiten kämpfen sogar 39 % der Interessenten. Auch überhöhte Kaufpreise (43 %) sind ein Problem.

Auf den ersten Blick mag es also so aussehen, als könnten sich Unternehmer vor Übernahmeanfragen gar nicht retten. Auf den zweiten Blick ist es jedoch häufig gar nicht so leicht, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Das gilt selbst für die besonders begehrten Industriebetriebe – oder vielleicht auch gerade für diese.

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Über den Autor

 Melanie Krauß

Melanie Krauß

Redakteurin Management & IT und Karriere & Weiterbildung