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Industriepark in China lockt mit Nachhaltigkeit

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Chinesischer Industriepark setzt verstärkt auf erneuerbare Energien

Die ursprüngliche Planung des Industrieparks war industrieorientiert und beinhaltete großflächige, monofunktionale Einheiten für Arbeit und Wohnen, während das neue, auf Nachhaltigkeit, Resilienz und Umweltfreundlichkeit ausgelegte Konzept eine kleinteiligere Mischnutzung vorsieht. Dabei sind die Bereiche für Arbeit, Wohnen, Freizeit, Dienstleistungen und „intelligenten“ Verkehr in mehreren unterschiedlich strukturierten Clustern entlang dem Fluss Xihe verbunden. Innerhalb eines Clusters soll eine bestimmte Nutzung nicht mehr als 75 % ausmachen. Die Planung sieht außerdem eine enge Vernetzung der Großunternehmen mit ihren Zulieferern vor. Der Industriepark, in dem sich bereits über 500 Unternehmen – davon mehr als 30 deutsche – angesiedelt haben, ist auch Pilotprojekt für die von staatlicher Seite initiierte „New Chinese Industrialisation“.

Zu den bereits ansässigen deutschen Unternehmen gehören etwa der Industriegaseanbieter Linde, der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen sowie der Automobilhersteller BMW. Dessen neues, hochmodernes Montagewerk bildet den Kern des Industrieparks. 2014 fertigte das Unternehmen hier mit 14.000 Mitarbeitern 270.000 Fahrzeuge – mittelfristiges Ziel sind 400.000. „BMW ist in Shenyang Benchmark hinsichtlich Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit“, erklärte Dr. Alexander Nick, bei BMW zuständig für Konzernplanung, Produktstrategie, Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Das Streben nach effizienterer Produktion und effizienteren Produkten stehe weiterhin im Vordergrund, denn BMW wolle nicht nur der erfolgreichste Premiumanbieter in China werden, sondern auch der nachhaltigste. Dazu beitragen soll eine möglichst ressourcenschonende, emissionsreduzierte Produktion unter verstärktem Einsatz erneuerbarer Energien. Grundlagen hierfür seien der ökologisch orientierte Industriepark und die gute Zusammenarbeit mit den Verwaltungsstellen.

Deutsche Unternehmen machen positive Erfahrungen im Industriepark in China

Positive Erfahrungen in Shenyang hat auch die Firma Neugart, Kippenheim, gemacht. Der mittelständische Hersteller von Präzisionsgetrieben beschäftigt weltweit 600 Mitarbeiter und erzielte 2014 einen Umsatz von 60 Mio. Euro. Das Unternehmen ist seit 2004 in Shenyang vertreten. Ende 2016 bezieht Neugart im Industriepark ein neues, 5500 m² großes Gebäude auf einem Grundstück mit etwa 10.000 m² Fläche. „Wir fühlen uns wohl in der Region, die stark industriell geprägt ist“, sagte Bernd Neugart, geschäftsführender Gesellschafter. „Wir haben bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Ein Beispiel ist die geringe Fluktuationsrate der industrieaffinen Mitarbeiter.“ Martin Haas, Vorstandsvorsitzender der Staufen AG, Köngen, lobte die gute Infra- und Lieferantenstruktur sowie das große Potenzial an qualifizierten und loyalen Arbeitskräften in der traditionellen Industrieregion. Die Staufen AG ist eine Beratungsgesellschaft für deutsche und chinesische Industrieunternehmen und seit 2010 in Shenyang ansässig. Haas verwies auf die günstigeren Arbeitskosten gegenüber Städten wie Shanghai und Peking und zeigte sich sicher, dass der neue, nachhaltige Industriepark für weitere Attraktivität sorge. „Ich kann nur ermutigen. Für uns war es die richtige Entscheidung, uns hier niederzulassen.“

* Dr. Bernhard Reichenbach ist freier Fachjournalist in 69207 Sandhausen

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