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Auslandsmärkte Italiens Maschinenbau erlebt schwieriges Comeback

| Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Nach einem klaren Aufschwung in den vergangenen Jahren zeigten Italiens Hersteller von Werkzeugmaschinen, Robotik und Automation auf der EMO eine starke Präsenz. Doch mittlerweile hat die globale Konjunkturschwäche sie auch eingeholt.

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Werkzeugmaschinen aus Italien erlebten bis 2018 einen starken Aufschwung, derzeit leiden die Hersteller jedoch unter der weltweiten Schwäche.
Werkzeugmaschinen aus Italien erlebten bis 2018 einen starken Aufschwung, derzeit leiden die Hersteller jedoch unter der weltweiten Schwäche.
(Bild: feelMgood)

Insgesamt 230 Unternehmen aus Italien waren im September auf der Messe EMO 2019 als Aussteller dabei, wie der italienische Verband für Werkzeugmaschinen, Robotik und Automation Ucimu mitteilt. Auf einer Fläche von etwa 17.000 m² stellten sie eine der größten Ausstellernationen.

Italiens Werkzeugmaschinenbau erobert dritten Platz bei Exporteuren zurück

Dahinter steckt ein mehrjähriger Aufschwung bei den Ucimu-Mitgliedsunternehmen. Erst 2018 haben sie ihre Produktion verglichen mit 2017 um 11,3 % auf 6,78 Mrd. Euro erhöht, wie Verbandspräsident Massimo Carboniero auf der EMO Hannover 2019 sagte. Der Export stieg um 8,2 % auf 3,66 Mrd. Euro. Damit hat das Land weltweit wieder den vierten Platz bei den Herstellern und den dritten Platz bei den Exporteuren von Werkzeugmaschinen inne.

Deutlich wiederbelebt hat sich auch der italienische Inlandsmarkt. Der Konsum stieg im vergangenen Jahr um 15,7 % auf 5,16 Mrd. Euro. Die lokalen Hersteller steigerten ihre Lieferungen um 15,2 % auf 3,11 Mrd. Euro, die Importe wuchsen sogar um 16,3 % auf 2,05 Mrd. Euro.

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„Leider müssen wir auch nach vorne schauen“, sagte Carboniero bereits auf der EMO zum Ausblick auf das laufende Jahr. Und er erläuterte: „Die Verlangsamung des Marktes betrifft nicht nur Italien, sondern den gesamten internationalen Markt.“ Im ersten Halbjahr gingen die Aufträge um 19 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Dabei war der Einbruch mit - 43 % im zweiten Quartal besonders stark.

Glimpflicher, aber immer noch schwach waren die Zahlen für das dritte Quartal 2019, die der Verband nach der EMO veröffentlicht hat. Demnach sank der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18,6 %, der Indexwert auf 69 Punkte (2015 = 100). Sehr schwach entwickelte sich der Inlandsmarkt mit einem Minus von 19,3 %, doch im Auslandsgeschäft lief es angesichts eines Rückgangs von 14 % nicht wesentlich besser.

Globale Krisen haben Italiens Maschinenbauer bereits berührt

„Leider bestätigt sich 2019 als ein Jahr des Rückgangs für die italienischen Hersteller von Werkzeugmaschinen, Robotern und Automationssystemen“, sagte der Ucimu-Präsident laut einer Mitteilung seines Industrieverbandes. Was die Unternehmer der Branchen beunruhige, sei vor allem die schwierige internationale Lage, was auf vielen Märkten – auch auf dem italienischen Markt – zu einem partiellen Stillstand der Investitionen in Produktionssysteme geführt habe. „Der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China, die Krise der führenden Sektoren der verarbeitenden Industrie, vor allem der Automobilindustrie, und die Krisenherde in den Spannungsgebieten weltweit gestalten die Aktivitäten der Unternehmen der verarbeitenden Industrie besonders komplex und die Zukunft ungewiss“, meinte Carboniero weiter. Optimistisch war er allerdings angesichts der ersten positiven Ergebnisse für die Teilnehmer an der Zuliefermesse Bimu vom 14. bis 17. Oktober 2020 in Mailand, ohne jedoch genauere Angaben zu machen.

Um der Werkzeugmaschinenbranche wieder auf die Beine zu helfen, hat Carboniero zudem eine ganze Reihe von Forderungen an die Politik. Im Inland gehören dazu neben einer Zusammenfassung der bestehenden Förderungen zu einem „strukturellen Paket für Unternehmenswachstum“ auch verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in Forschung und Entwicklung einerseits sowie in Maschinen, Software und Automationssysteme – insbesondere Umwelttechnik – andererseits. „Insbesondere sollte die Hyperabschreibung wenigstens drei Jahre lang gültig sein, zudem müsste die Superabschreibung mit einer Überarbeitung der Abschreibungskoeffizienten einhergehen, die seit 1988 bestehen und deshalb den Erfordernissen des Marktes nicht mehr entsprechen“, erläuterte der Ucimu-Präsident. Außerdem wollte er für 2020 ein Schulungsprogramm 4.0.

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