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Memminger zufolge sind die Werkzeuge und Prinzipien des TPS bereits ganzheitlich gedacht und haben einen bestechenden Vorteil: „Sie sind adaptierbar auf jegliche Art von Prozessen.“ Sie sind also nicht nur in der Produktion, sondern auch in Logistik oder Büro umsetzbar. Unter dem Begriff Toyota Lean Logistics (TLL) wendet TMHDE das TPS im eigenen Haus an. „Sicher bedarf es einiger Transferleistungen, die Philosophie dahinter bleibt jedoch die gleiche“, so Memminger. „Wir wollen wertschöpfend und kundenorientiert arbeiten und das schaffen wir, indem wir unsere Prozesse glätten und Verschwendungen vermeiden. Da ist es egal, ob diese im Büro verhaftet sind oder in der Werkstatt.“
Schlankheitskur für die Industrie
Natürlich ist man nicht nur bei Toyota, sondern in jedem betriebswirtschaftlich arbeitenden Unternehmen darauf bedacht, Verschwendungen möglichst zu minimieren und den Ertrag dadurch möglichst hochzu- halten. In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren machten sich dann auch immer mehr Unternehmen in Europa und den USA Gedanken darüber, wie man derartige Strategien im eigenen Unternehmen umsetzen kann. Lean Management und Lean Production waren geboren. „Die Lean-Grundprinzipien bilden neben Kontinuität und der Konsequenz im Denken und Handeln beispielsweise die Ausrichtung allen Handelns auf die Kundenzufriedenheit, Fehler- und Verschwendungsvermeidung, Wertschätzung und Ausbau des Humanvermögens, Orientierung an der Sachebene, Perfektion und Ursachenanalyse vor Ort“, so Schöllhammer. „Die funktionsunabhängigen Lean- Ziele sind dabei 0 Fehler, 100 % Mehrwert bei kürzesten Durchlaufzeiten und 100 % Just-in-time bei minimaler Verschwendung. Funktionsspezifische Optimierungsziele werden durch einen systematischen Zielableitungsprozess auf Basis der strategischen Unternehmensausrichtung definiert. Die Zielerreichung wird durch eine problemorientierte, strukturierte und aufeinander aufbauende Methodenanwendung, wie beispielsweise 5S, Poka Yoke und TPM, ermöglicht.“
Nutzen hat das Lean Management vor allem für Unternehmen, die sich in stabilen Märkten bewegen und ihre Kundenbedarfe relativ sicher einschätzen können. So sieht man das zumindest bei Inform, einem Spezialisten für Software mit intelligenter Optimierungslogik zur Produktivitätssteigerung von Betriebsprozessen. In Unternehmen, auf die diese Beschreibung zutrifft, gilt es, in einzelnen Prozessen der internen Lieferkette, wie der Absatzplanung oder Produktionsprogrammplanung, Planungshorizonte zu verlängern, auf strategische Ziele auszurichten und Ressourcen nachhaltig und wirtschaftlich einzuplanen. Hier setzen dann zum Beispiel IT-gestützte Methoden an, die durch entscheidungsintelligente Algorithmen Routinetätigkeiten übernehmen, Mitarbeiter somit entlasten und qualitativ hochwertige Planungsergebnisse erzielen können. „In volatilen Märkten, in denen individualisierte Leistungen und deren schnelle Umsetzung gefordert werden, reichen Lean-Management-Ansätze allein jedoch oft nicht mehr aus. Dort müssen agile Optimierungsansätze für eine hohe Reaktionsfähigkeit und Flexibilität herangezogen werden“, erklärt Ludger Schuh, Leiter des Geschäftsbereichs Inventory & Supply Chain bei Inform.
Beschreiben, messen und verbessern
Ein weiterer Ansatz, weitgehend fehlerfreie Prozesse in einem Unternehmen zu ermöglichen, hat seinen Ursprung ebenfalls in den USA. Basierend auf Ideen, die bereits in den 1970er-Jahren im japanischen Schiffsbau Anwendung fanden, entwickelte der US-amerikanische Elektronikkonzern Motorola 1987 das Managementsystem Six Sigma. Auch Six Sigma beschränkt sich nicht auf Produktionsprozesse, sondern kann in verschiedensten Bereichen eines Unternehmens Anwendung finden. Der Grundgedanke hinter dem Konzept war, dass in Prozessketten die Gesamtausbeute klein sein kann, obwohl die Ausbeute einzelner Prozessschritte bei 99 % liegt. In vielen amerikanischen Unternehmen, so der European Six Sigma Club Deutschland e.V. (ESSC-D), hat sich die Six-Sigma-Methodik zur Unternehmensphilosophie entwickelt. Seit Ende der 1990er-Jahre wird die Six-Sigma-Methodik dem Verein zufolge zunehmend von vielen europäischen Firmen eingesetzt. Im Vergleich zu US-Firmen wird in Europa mehr die systematische Vorgehensweise als elementarer Baustein zur Ergebnisverbesserung genutzt. Weniger häufig wird Six Sigma als Firmenphilosophie verwendet.
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