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„Im deutschsprachigen Raum ist der wesentliche Treiber im Unternehmen für den Einsatz der Six-Sigma-Methodik der Wunsch nach Qualitätsverbesserungen in Form von Kosteneinsparung durch weniger Ausschuss und Nacharbeit. Damit wird auch eine höhere Kundenzufriedenheit impliziert, weil außer geringeren Kosten auch eine höhere Liefertreue gegenüber dem Kunden angestrebt wird“, so Michael Kierdorf, Vorstandsmitglied des ESSC-D. „Unterschiedliche Studien in verschiedenen Unternehmen und Branchen haben in der Vergangenheit wiederholt gezeigt, dass Unternehmen, die Six Sigma einführen, den Vorteil der Kosteneinsparung bei Qualitätskosten bereits bei der ersten Ausbildungswelle von Six-Sigma-Spezialisten nutzen können.“ Ein weiterer, eher mittel- bis langfristiger Vorteil besteht dem Experten zufolge im Kompetenzaufbau der Mitarbeiter. Durch die Schulungen der Six-Sigma-Spezialisten soll die methodische Kompetenz für Problemlösungen im Unternehmen gesteigert werden. Das führt Kierdorf zufolge zu einem effektiveren und versachlichten Umgang mit auftretenden Problemen im Alltag.
OPEX – und jetzt?
Mit Operational Excellence gibt es jetzt einen noch umfassender gedachten Ansatz, der die vorgestellten Strategien allerdings nicht ersetzt. In vielen Fällen ergänzen sich die Ansätze sogar homogen und können nur gemeinsam zum Erfolg führen, wie Schöllhammer zu berichten weiß: „Schaut man sich das Lean Management an, sieht man viele Unternehmen, die mit ihren Lean-Vorhaben gescheitert sind. Gründe sind unter anderem, dass deren Ausrichtung projektbezogen auf Unternehmensbrennpunkte und sehr methodenzentriert war. Die Langfristperspektive sowie der ganzheitliche Handlungs- und Orientierungsrahmen für die Organisation wurden hierbei meist vernachlässigt. Die Ansätze ergänzen sich daher sehr gut und eine kombinierte Anwendung hilft, die operationale Excellence des Unternehmens langfristig und nachhaltig entwickeln zu können.“
Lean-Experte Schuh hat eine ähnliche Sicht der Dinge. So wird Operational Exzellenz als ganzheitliches Konzept Ansätze wie Lean Management nicht verdrängen, sondern dient vielmehr als eine Art Maßnahmenkatalog, aus dem jedes Unternehmen die für sich besten Herangehensweisen wählen kann. „Die Auswahl sollte in erster Linie davon abhängig gemacht werden, welche Methoden auf die Spezifika jeder Branche und jedes Unternehmens am besten angewandt werden können und außerdem im Unternehmen die größte Akzeptanz erhalten. Eine Umsetzung aller im Rahmen von Operational Excellence zur Verfügung stehenden Maßnahmen ist weder realistisch noch nachhaltig“, ist Schuh überzeugt.
Auch Six-Sigma-Experte Kierdorf sieht die verschiedenen Konzepte nicht in einem Wettbewerb, sondern als Ergänzung zueinander. „Operational Excellence sehe ich eher übergeordnet, weil hier auch stärker die Gesamtorganisation der Prozesse und der Organisation insgesamt in den Fokus genommen wird. Nach meiner festen Überzeugung braucht ein gutes Operational-Excellence-Programm Six Sigma zur Optimierung einzelner Prozesse“, so Kierdorf. „Mit anderen Worten, Six Sigma sollte Bestandteil eines jeden guten Operational-Excellence-Programms sein.“
Bei Toyota hat man, wenig überraschend, eine spezielle Sicht der Dinge, hat das Unternehmen doch sein ganz eigenes Management- und Produktionssystem, das Memminger zufolge auch mit neueren Trends wie Automatisierung und Digitalisierung gut zurecht- kommt: „Dabei handelt es sich um die Konsequenz aus einem Streben nach Effizienz und neuen Lösungen, die den dynamischen Entwicklungen des Marktes entsprechen. Sehen Sie das TPS weniger als ein feststehendes System! Ihm zugrunde liegt die Grundidee der wertschöpfenden Arbeit. Das TPS bietet entsprechend Prinzipien, die genug Flexibilität bieten, um auch in der heutigen Zeit zu bestehen.“
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