Normung Kostenfreier Zugang zu Normen - Kommt die staatliche Normung?
Kostenfreier Zugang zu Normen: Viele dürften spontan begeistert sein. Staatliche Normung: Bei ebenso vielen dürfte das alles andere als Begeisterungsstürme auslösen. Denn bei einer Finanzierung durch die öffentliche Hand ist abzusehen, dass diese versuchen wird, steuernd in die Normung einzugreifen. Dies aber wäre ein „Angriff“ auf das Prinzip, wonach die Normung in Selbstverwaltung der Wirtschaft betrieben werden soll.
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Die Europäische Kommission fordert unter anderem in ihrem „Small Business Act“ einen vereinfachten Zugang zur Normungsarbeit und zu Normen, speziell für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Sie kommt dabei zu dem Schluss, dass insbesondere für diese Unternehmen der Preis der Normen ein ernst zu nehmendes Hindernis für ihre Anwendung darstellt und fordert die Normenorganisationen auf, Wege zu finden die Normen günstiger, möglichst sogar kostenlos, zur Verfügung zu stellen.
Wie schon dargestellt – ein solches Statement löst sicherlich zunächst Begeisterung aus. Ist doch vielen in der Industrie der institutionalisierte und regulierte Verkauf von Normenwerken durch die Normungsorganisationen ein Dorn im Auge. Aber leider gibt es keine Rosen ohne Dornen, denn kostenfrei ist nicht kostenlos. Normen müssen erstellt, abgestimmt und in den Veröffentlichungsprozess gegeben werden und wer dafür das Geld gibt, der wird auch mitbestimmen wollen.
Normungsarbeit ist in Deutschland unabhängig organisiert
Wenn man über den kostenfreien Zugang zu Normen spricht, dann muss man sich zunächst einmal vor Augen führen, wofür denn eigentlich die Einnahmen des Normenverkaufs verwendet werden. In Deutschland und in vielen anderen Staaten der Europäischen Union, wird Normungsarbeit durch unabhängige Normungsorganisationen organisiert und unter großer Beteiligung der Industrie durchgeführt. In Deutschland ist diese Organisation die DIN und im speziellen Fall der elektrotechnischen Normung die DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik). Beide Organisationen arbeiten gemeinnützig und werden zu einem sehr großen Teil über die Erlöse des Verkaufs der Normenwerke finanziert, im Fall der DKE sogar bis zu 90%. Das heißt, es gilt das Prinzip, dass die Anwender und Nutznießer der Normen die Normung sowohl inhaltlich gestalten aber auch, entsprechend der jeweiligen Nutzung, durch den Kauf der Normenwerke finanzieren.
Dieses über viele Jahrzehnte etablierte Verfahren gilt nicht nur in Europa, sondern im Prinzip auch international für die IEC (International Electrotechnical Commission) Die Unabhängigkeit der Normung von staatlichen und von im privatwirtschaftlichen Interesse operierenden Organisationen ist so gewährleistet. Bevor man nun leichtfertig den Entfall dieser Einnahmequellen für die Normungsorganisationen fordert, sollte man sich sehr genau überlegen, wie denn eine alternative Finanzierung aussehen könnte. Und damit könnte man dann sehr schnell beim zweiten Teil der Überschrift sein.
Normen stellen die Interoperabilität von Systemen sicher
Normen sind in der Industriegesellschaft unverzichtbar. Sie stellen die Kompatibilität und Interoperabilität von Produkten und Systemen sicher. Und sie sind der vereinbarte Stand der Technik, um gesetzliche Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, elektromagnetischer Verträglichkeit und neuerdings auch Umweltanforderungen einzuhalten. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind auf solche Festlegungen angewiesen. Sie haben, anders als Konzerne, nicht die Marktmacht eigene Quasi-Standards durchzusetzen und erhalten durch Normen Marktzugänge und Investitionssicherheit. Auch haben Normen - vor allen Dingen weltweit harmonisierte Normen - eine strategische Bedeutung beim Abbau von globalen Handelshemmnissen. Sie sind zunehmend Garant für freie Marktzugänge. Die Unternehmen sind also gut beraten, Normen zu verwenden, auch wenn ihre Anwendung prinzipiell freiwillig ist.
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