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Schmolz + Bickenbach

Mehr Fertigungstiefe bei Blankstahl zum Vorteil der Kunden

| Redakteur: Josef-Martin Kraus

Düsseldorf (jk) – Die Schmolz + Bickenbach Blankstahl GmbH vertieft die Fertigung bei Stab- und Drahtprodukten. So steht der Ausbau der Anarbeitung, Wärmebehandlung und Qualitätssicherung im Fokus der diesjährigen Investitionen. Grund ist die Herausarbeitung eigener Stärken. Bei Halbzeugprodukten aus Blankstahl hält der Trend zur Spezialisierung an. Dabei setzt Schmolz + Bickenbach auf das Endkundengeschäft. Rund 75% der etwa 130 000 t Stab- und Drahtprodukte, die im Durchschnitt jedes Jahr das Düsseldorfer Werk verlassen, gehen direkt an die Verarbeiter und nicht über Händler.

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Gezogener Blankstahl mit rundem und sechseckigem Querschnitt. Hauptkunden sind Automobilzulieferer.
Gezogener Blankstahl mit rundem und sechseckigem Querschnitt. Hauptkunden sind Automobilzulieferer.
( Archiv: Vogel Business Media )

Grundlage dieser Strategie ist die Erfüllung spezifischer Qualitätsstandards, die bei Blankstahl über mechanische Eigenschaften, Oberflächenbeschaffenheit und Maßhaltigkeit definiert werden. Um dabei „das Ohr“ am Markt zu haben, „klinkt“ man sich frühzeitig bei Kunden in Entwicklungsprojekte ein. Insbesondere bei Automobilzulieferern ist das der Fall, den Hauptkunden von Schmolz + Bickenbach bei Lang- und Drahtprodukten. In der Luftfahrt- und Medizintechnik wird eng mit Konstrukteuren und Anwendern zusammengearbeitet, mit denen man – so heißt es – häufiger in Kontakt steht als mit Einkäufern.

„Qualitätsstandards bestimmen die Gespräche“, berichtet Peter Schubert, Geschäftsführer der Schmolz + Bickenbach Blankstahl GmbH. So .würden die Forderungen nach höherer Werkstoffreinheit und Festigkeit immer lauter. Bei der Maßhaltigkeit erreicht man inzwischen eine Genauigkeit, die zum Beispiel bei Stabprodukten hinab bis in den Tausendstel-Millimeter-Bereich reicht. Wer diese Standards erzielt, bleibt im Gespräch. Endgültig entschieden ist damit jedoch noch nichts. „Der Konkurrenzdruck “, sagt Schubert, „wird über den Preis geführt.“

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Blankstahlprodukte werden aus gewalztem Stangen- und Drahthalbzeug durch Ziehen oder Schälen hergestellt. Der Prozess besteht im Wesentlichen aus drei Schritten: Entzundern, Ziehen oder Schälen und Richten. Beim Ziehen durchläuft das Halbzeug eine Draht- oder Stabzugfertigungslinie und wird dabei durch eine Matrize gezogen. Dabei findet eine Reduzierung des Querschnitts statt, der gleichzeitig umgeformt werden kann. Beim Schälen durchläuft das Halbzeug eine Schälmaschine (ausschließlich Stab). Dort entsteht durch spanende Formgebung ausschließlich Rundmaterial.

Vorwiegend werden Blankstahlprodukte mit rundem, vier- oder sechseckigem Querschnitt – auf Haspeln gewickelt oder abgelängt – hergestellt. Davon abweichende Sonderprofile werden im Warmwalzwerk vorgefertigt. Dort wird das Halbzeug entzundert und elektrisch erwärmt. Der glühende Draht durchläuft ein Walzgerüst, in dem er entsprechend der gewünschten Geometrie umgeformt wird. Auf Draht- oder Stabzugfertigungslinien erhält das Halbzeug schließlich die blanke, maßgenaue Oberfläche.

Maßgenauigkeit höher als bei warmgeformten Stahlprodukten

Die Maßgenauigkeit ist laut Schubert dabei höher als bei warmgeformten Stahlprodukten. Außerdem lässt sie sich weiter steigern. So wird bei Schmolz + Bickenbach Endqualität erzeugt, was Abmessungen, mechanische Eigenschaften und Oberflächenbeschaffenheit betrifft. „Diese Vorarbeit hilft den Kunden, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren“, erläutert der Geschäftsführer, der darin eine Möglichkeit zur Verbesserung der Win-Win-Situation zwischen Geschäftspartnern sieht. So verrichten viele Kunden nur noch einen Bearbeitungsschritt, bevor sie die gelieferten Blankstahlprodukte verbauen.

Weiterbearbeitung wird ausgebaut

Daher wird bei Schmolz + Bickenbach die Weiterbearbeitung ausgebaut. Das Ergebnis ist eine höhere Fertigungstiefe. So wurde in eine spanende Endbearbeitung investiert, die inzwischen Prozesse wie spitzenloses Schälen, Schleifen, Phasen und Polieren von Rundstäben umfasst. Außerdem sind seit kurzem Maschinen zum präzisen Sägen von Stabprodukten auf Endlänge vorhanden. Das Gewicht der einzelnen Stücke weicht dabei höchstens um +/-3 g voneinander ab.

Das erfolgt zum Beispiel bei Stäben, aus denen später beim Kunden Getriebewellen hergestellt werden. Der Automobilzulieferer kann sich nun bei diesen Teilen auf wichtige Funktionselemente konzentrieren: auf die Einarbeitung von Nuten und die Herstellung von Zapfen zur Befestigung der Zahnräder.

Zurzeit wird die Wärmebehandlung erweitert: um eine zweite Vergütungsanlage für Einzelstäbe. Wie die erste Anlage wird sie – so heißt es – durch Steuerung der Wärmezufuhr, Haltedauer und Abkühlgeschwindigkeit eine hohe Reproduzierbarkeit erzeugen. Die Ergebnisse seien somit viel besser als bei einer klassischen Wärmebehandlung.

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