Drahterodieren Metallabfälle werden zur Ressource

Autor / Redakteur: Hertha Kerz / Ulrike Gloger

Drahterodieren ist ein hochpräzises Schneidverfahren. Doch die Präzision hat ihren Preis: Die beim Erodierprozess anfallenden Metallrückstände müssen entsorgt werden. Die Kosten lassen sich mit regenerierbaren Filtersystemen senken. Und beim umweltgerechten Aufbereiten des Wassers werden wiederverwertbare Schwermetalle abgetrennt.

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Ein Blitz, ein Knall, das Wasser brodelt. Was wie ein Experiment in einem Hochenergielabor aussieht, ist eine effektive Methode, präzise Teile aus härtesten Metallen mittels Drahterosion anzufertigen. Mit Tausenden von elektrischen Einschlägen pro Sekunde werden kleinste Krater in den Werkstoff geschlagen. Dabei verdampft und schmilzt jedes Material.

Geschnitten wird in einem Becken mit entionisiertem Wasser, dem sogenannten Dielektrikum, das das geschmolzene Material aus dem Schnittspalt spült. Zwar ist der Produktionsverlauf teuer und lang, aber kein anderes Schneidverfahren bietet ähnlich gute Resultate.

Doch die Metallrückstände, die beim Erodierprozess anfallen, müssen entsorgt werden. Durch Filtersysteme und Ionenaustauscher werden sie zwar aus dem Dielektrikum gefällt, doch bis sie die Sondermülldeponie erreicht haben oder zurück in den Stoffkreislauf gelangt sind, ist es ein weiter Weg.

Es sind Szenarien, die Öko-Auditoren kalte Schauer verursachen: In der Wanne mit dem Dielektrikum wird der Stöpsel gezogen, und das schwermetallhaltige Wasser fließt ungefiltert in die Kanalisation. Das Mischbettharz der Ionentauscher und der Filterkuchen der Grobfilter finden sich als Blumendünger oder als Hausmüll wieder.

Schwermetallhaltiges Wasser illegal entsorgt

„Behördliche Erhebungen, die vor 10 Jahren erstellt wurden, haben ergeben, dass lediglich 10% des beladenen Harzes auf Sondermülldeponien entsorgt werden“, bedauert Dipl.-Ing. Bernward Groß, Vertriebsleiter der UT&S Umwelttechnik und Service GmbH & Co. KG. „Der Rest wurde auf diffusen und unzulässigen Wegen beseitigt.“

Tatsächlich äußern sich Experten besorgt, dass auch heute große Mengen der anfallenden schwermetallhaltigen Abfälle nicht fachgerecht entsorgt oder in den Verwertungskreislauf zurückgebracht werden, obwohl das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz zwingend vorschreibt, dass Vermeidung vor Verwertung geht. „Was nutzen die Gesetze, wenn sie niemand befolgt“, äußert sich Groß verstimmt. „Denn eigentlich darf zum Beispiel Einwegharz nicht eingesetzt werden, wenn es eine Möglichkeit gibt, eine Kreislaufführung zu machen. Dann sind die Betriebe gehalten, diese Möglichkeit auch zu nutzen.“

Sorgloser Umgang mit Metallabfällen

Die Gründe, warum Betriebe einen so sorglosen Umgang mit schwermetallhaltigen Abfällen pflegen, sind nicht immer ganz klar. Zu vermuten sind Unwissenheit über die Gefährlichkeit von Schwermetallen in der Umwelt, Bedenken, dass die Entsorgung zu teuer ist, das fehlende Bewusstsein, welche Mengen an schwermetallhaltigen Materialien in metallverarbeitenden Betrieben tatsächlich anfallen, und fehlendes Fachwissen, wie belastete Abfälle schnell und kostengünstig zu behandeln sind.

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