Auch in diesem Jahr zeichnete Microsoft gemeinsam mit Roland Berger innovative Digitallösungen von und für die produzierende Industrie aus. Wir haben einen exklusiven Vorab-Einblick in die Entscheidung der Jury erhalten, den wir hier mit Ihnen teilen.
Die sensorintegrierten Befestigungsprodukte Sensor Anchor und Sensor Disc sollen zeit-und ressourcensparend Auskunft darüber geben, welche anliegenden Kräfte aktuell in Befestigungen vorherrschen.
(Bild: Fischerwerke GmbH & Co. KG)
Das übergreifende Motto des diesjährigen Microsoft Intelligent Manufacturing Award (MIMA) lautete „Innovate, Transform, Sustain“. Teilnehmen konnten Industrieunternehmen aus dem erweiterten Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA), um ihre vielversprechendsten digitalen Lösungen für die Fertigungs-, Prozess-, Bau- und Automobilindustrie zu präsentieren.
Laut Microsoft gingen ungefähr 50 Bewerbungen ein. Aus diesen zogen anschließend 15 Unternehmen aus sieben Nationen ins Finale ein und bekamen so die Möglichkeit, ihre Projekte einer Fachjury vorstellen zu können.
Fischerwerke erringen Gesamtsieg für Construction Monitoring
Der Gesamtsieg geht in diesem Jahre an die deutsche Traditionsfirma Fischerwerke. Mit ihrem Fischer Construction Monitoring zeigte sie eine intelligente und innovative Lösung zur Überwachung von Verbindungselementen in der Bauindustrie, so die Begründung von Microsoft und Roland Berger. Spezielle Sensoren erfassen Vorspannkräfte in Befestigungen und übertragen sie per Mobilfunk in die Cloud, wo sie beispielsweise am Smartphone kontrolliert und visualisiert werden können. So soll eine Bauwerk-Überwachung in Echtzeit möglich werden. Das hat erhebliche Vorteile für die vorausschauende Wartung, denn andernfalls bleibt der Zustand von Befestigungen an Bauwerken zwischen den Wartungsintervallen oft unbekannt.
Die neue Sensorik-Lösung ermögliche zum ersten Mal, die Vorspannkräfte in Befestigungen jederzeit zu überwachen und auch aus der Ferne immer und überall verfügbar zu machen. Im Vergleich zu anderer Messtechnik für die Bestimmung von Schraubenkräften sei das Fischer Construction Monitoring zudem selbst unter Baustellenbedingungen kostengünstiger und einfacher zu handhaben. Und während mechanische Schraubensicherungen zwar eine gewisse Sicherheit gegen das Lösen von Schrauben bieten, geben sie doch keinen Einblick in den tatsächlichen Belastungszustand oder schwer erkennbare Versagensarten wie Korrosion oder Überlast. Die neue Technologie befindet sich laut Fischer aktuell in der Markteinführung.
Trumpf und Prenode überzeugen mit Laser-Schneidmaschinen as a Service
Der Preis in der Kategorie ‚Scale!‘ geht in diesem Jahr nach Baden-Württemberg. Trumpf entwickelte gemeinsam mit dem KI-Startup Prenode eine Lösung für die Fernsteuerung von Anlagen, die nun prämiert wurde. Trumps Laserschneidmaschinen werden hierfür mit Kameras und Sensoren ausgestattet sowie mit der Cloud vernetzt. Das ermöglicht es, jede Bewegung aus dem Remote Control Center in Neukirch zu steuern.
Die Preisträge nutzen zur Umsetzung den internationalen Maschinenkommunikationsstandard Umati, basierend auf OPC UA, um die Maschinen live zu überwachen, Ausfälle aus der Ferne zu erkennen und sie schnell durch das Bedienpersonal zu beheben. Zusätzliche systemoptimierende Hinweise zur Vermeidung von Ausfällen in der Produktion sollen den Service ergänzen. Gleichzeitig würden die Maschinen- und Kameradaten mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz ausgewertet, um proaktiv auf Probleme und Verbesserungen hinzuweisen, wie es in der Erklärung zur Auszeichnung heißt. Auch Nutzerfeedback solle systematisch der KI zurückgespielt werden, um den Grundstein für die Entwicklung von vollkommen autonomen Maschinen zu legen.
Besonders interessant kann das für ein Equipment-as-a-Service-Modell (EaaS) sein, bei dem nur noch pro produziertem Blechteil bezahlt wird. Die EaaS-Lösung ermögliche mehr Transparenz über Produktionskosten und Rentabilität und entlaste Blech verarbeitende Betriebe von den hohen Anfangsinvestitionen für eigene Maschinen.
Siemens‘ Trusted Traceability dokumentiert den Stammbaum von Produkten
Die Sicherstellung von Transparenz und Rückverfolgbarkeit in Wertschöpfungs- und Lieferketten gehört zu den wichtigsten Zielen von produzierenden Unternehmen. Daher gewinnt Siemens mit diesem Thema den MIMA 2023 in der Kategorie ‚Disrupt!‘. Ausgezeichnet wurde eine Lösung namens Trusted Traceability, bei der alle relevanten Daten in einem Stammbaum entlang der Wertschöpfungs- und Lieferkette verknüpft werden sollen.
Der MIMA 2023 wurde an insgesamt acht Unternehmen in sechs Kategorien verliehen.
(Bild: Microsoft Deutschland)
Der detaillierte Produktstammbaum sei mit einem Klick zugänglich, um schnell für mehr Transparenz zu sorgen. Das unterstütze unter anderem die Einhaltung umfangreicher Vorschriften und stelle Rückverfolgbarkeit sowie eine schnelle Handlungsfähigkeit beispielsweise bei Rückrufen oder Qualitätsabweichungen sicher.
Die Trusted-Traceability-Lösung kombiniere hierfür Operational Technology, Information-Technology-Know-how, den digitalen Zwilling, Trust-Technologien und das branchenspezifische Fachwissen von Siemens zu einer einsatzbereiten Anwendung, so Microsoft.
Danieli Automation und Bean Tech für integriertes Qualitätsmanagement für die Metallindustrie geehrt
Die italienischen Firmen Danieli Automation und Bean Tech teilen sich den Preis in der Kategorie ‚Innovate!‘. Ausgezeichnet wurden sie für ihre Software Q3-Premium, bei der es sich um eine modulare Lösung für Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung bei der Metallproduktion handelt. Basierend auf IIoT-, Analytik- und KI-Technologien und -Methoden bilde die Anwendung laut der Fachjury ein leistungsstarkes, qualitätsorientiertes System, das auf die Optimierung der Produktion und die Verbesserung der Endproduktqualität abzielt.
Stand: 08.12.2025
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Outokumpu: Zertifikat für Nachhaltigkeit von Edelstahl
Outokumpu erhält den Award in der Kategorie ‚Sustainability!‘ für die Einführung eines neuen Nachhaltigkeitsstandards in der Edelstahlproduktion. Das Unternehmen, das weltweit führend bei der Herstellung von nachhaltigem Edelstahl ist, erkannte laut der Jury bereits früh die Notwendigkeit, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, wofür umfangreiche Informationen über die Emissionswerte der eingekauften Materialien nötig sind. Das Team aus Helsinki, Finnland, entwickelte daher ein Modell, das den produktspezifischen CO2-Fußabdruck seiner Edelstahlprodukte auf der Grundlage von tatsächlichen und kontinuierlichen Produktions- und Energieverbrauchsdaten berechnen können soll.
So können die Kunden nachweisen, in welchem Umfang der Edelstahl des finnischen Produzenten zu der CO2-Bilanz ihrer eigenen Produkte beiträgt. Diese Lösung sei führend in der Branche, weil Outokumpu der einzige Edelstahlhersteller ist, der seinen Kunden auch spezielle Zertifikate über den CO2-Fußabdruck seines rostfreien Stahls bereitstellt – einschließlich der Scope-1- bis 3-Emissionen, die für die Nachhaltigkeitsberichterstattung relevant sind.
Danone: Digitale Transformation beschleunigen
Der MIMA in der Kategorie ‚Add Value!‘ geht an das französische Lebensmittelunternehmen Danone. Sein Digital Manufacturing Acceleration-Programm soll in Europa und später auch weltweit die Produktionsstätten auf Industrie-4.0-Niveau modernisieren. Im Rahmen dieses neuen Programms befinden sich bereits vierzig europäische Danone-Fabriken in der digitalen Transformation.
Das DMA-Programm besteht aus drei Komponenten: Blue Stream dient zur Unterstützung der Fabriken bei der Identifizierung künftiger Anwendungsfälle. Red Stream stellt standardisierte und zukunftssichere Technik-Lösungen bereit. Und Yellow Stream dient zur Verbesserung des Change-Managements in den Fabriken sowie zur strategischen Personalplanung. Dafür wird Yellow Stream zusätzlich durch die Unterstützung digitaler Weiterbildungsmöglichkeiten verstärkt.
Neben den MIMA-Gewinnern möchte die Jury auch den Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) loben, der sich nicht am Wettbewerb beteiligen konnte, weil die Preisverleihung sich an einzelne Unternehmen richtet und nicht an Organisationen. Weltweit entwickelt der VDMA seit 2017 zusammen mit 700 Unternehmen und Partnerorganisationen standardisierte Schnittstellen für Produktions- und Betriebsinformationen, die auf der OPC-UA-Technologie basieren, einem der wichtigsten Kommunikationsstandards für die Industrie 4.0.
„Durch diese Arbeit steigt die Effizienz bei der Schnittstellenentwicklung, die Integration in bestehende Systemlandschaften wird leichter, und der Interpretationsaufwand bei der Nutzung von Daten sinkt“, erklärt Jury-Mitglied Nico Hartmann.
Weitere Informationen zu Preisträgern, Finalisten und eine Auflistung der Jury finden Sie unter www.MIMAwinners2023.com.