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Antriebssysteme

Mit künstlicher Intelligenz zum individuellen Antrieb

| Autor / Redakteur: Julia Baier / Stefanie Michel

Die mechatronischen Antriebssysteme von Wittenstein sind bekannt. Mit den Ansätzen von Industrie 4.0 und dem Einsatz von KI will man weiterhin flexibel und effizient bleiben.
Die mechatronischen Antriebssysteme von Wittenstein sind bekannt. Mit den Ansätzen von Industrie 4.0 und dem Einsatz von KI will man weiterhin flexibel und effizient bleiben. (Bild: Julia Baier)

Die Firma Wittenstein hat große Pläne im Bereich mechatronische Antriebssysteme, die Informationen eigenständig erfassen und kommunizieren können. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Harthausen ist ein kleines Dorf im Main-Tauber-Kreis; ein kleiner Ort, an dem ein großes Unternehmen seinen Sitz hat – Wittenstein. Mit einer großen Produktpalette stellt es mechatronische Antriebssysteme jeglicher Art her. Auf dem Markt ist das Unternehmen bekannt für seine digitalen Lösungen sowie seit neuestem für sein smartes Getriebe mit Cynapse. Mechatronische Antriebssysteme, die Informationen eigenständig erfassen und kommunizieren können, sieht das Unternehmen als eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung von Industrie 4.0. Künstliche Intelligenz, kurz KI, sei der Schlüssel dafür.

Smartes Getriebe mit Sensorik

Mit der Digitalisierung und KI beschäftigt sich das Unternehmen bereits seit vielen Jahren. So wurde 2016 eine neue organisatorische Einheit gegründet: das Digitalization Center. Hier spielt auch KI eine große Rolle. So sammelt die Firma riesige Mengen an Daten, welche sie direkt an den Produktionsmaschinen abgreift und auf einem zentralen Server speichert. „Die Herausforderung besteht darin, bei diesen großen Datenmengen das eine kleine interessante Muster zu finden“, so der Datenanalyst Dr. Alexander Wunderle. Mit der Sammlung und Analyse dieser Daten erhofft sich die Firma, die Produktion effizienter und smarter zu machen und ihren Kunden so individuelle Lösungen anbieten zu können.

Smarte Getriebe für intelligente Maschinen

Planetengetriebe

Smarte Getriebe für intelligente Maschinen

09.08.19 - Ab Herbst 2019 sind bei Wittenstein erstmals smarte Getriebe mit „cynapse“-Feature erhältlich. Diese Getriebe mit integrierter Sensorik können Lage, Temperatur, Vibrationen, Betriebsdauer und Einbaulage erfassen, speichern, ausgeben sowie verarbeiten. lesen

Auch bei ihren Produkten sieht sich Wittenstein als Vorreiter im Einsatz von KI. Auf der Hannover Messe 2019 hat die Firma das erste smarte Getriebe mit Cynapse präsentiert. Dieses enthält ein integriertes Sensormodul, mit dem Daten über eine Schnittstelle ausgegeben werden können. Dadurch werden Werte gemessen und direkt an die Maschinensteuerung weitergegeben. Kunden soll dadurch die Arbeit erleichtert werden und eine Predictive Maintenance, also eine vorausschauende Wartung, gewährleistet werden. „Ziel ist es, dass man im Idealfall schon vor dem Kunden weiß, was er möchte“, so Wunderle.

KI wird monotone Arbeiten wegrationalisieren

Die Digitalisierung beeinflusst jedoch nicht nur die Produkte, sondern auch die Arbeitskultur. Einige Tätigkeiten werden in der Zukunft durch KI ersetzt werden. Eine Smart Factory, die irgendwann ganz ohne Menschen auskommen soll, strebt Wittenstein jedoch nicht an. „Den Menschen werden wir in unserer Fabrik niemals substituieren können. Durch den Einsatz von KI werden monotone, repetitive Arbeiten wegrationalisiert und so schaffen wir ein Arbeitsumfeld, in dem wir mit KI einen Mehrwert schaffen“, so Patrick Hantschel, der Leiter des Digitalization Centers.

Angestellte zu entlassen sei für Wittenstein dabei keine Option. Es werden zwar stupide, monotone Arbeiten wegfallen, dafür werden jedoch neue Stellen, vorwiegend im Softwarebereich, entstehen. Dass durch die Digitalisierung und die vermehrte Entwicklung von KIs in Zukunft noch mehr hochqualifiziertes Personal benötigt werden wird, unterstreicht auch Dr. Dirk Haft, der Vorstand im Bereich Innovation: „Wir werden in Zukunft sehr viel mehr Arbeitsplätze brauchen, um diese ganzen neuen Technologien zu entwickeln, zu produzieren und natürlich zu unterhalten.“

Individuelle Kundenprodukte

Durch die Entwicklung und Fertigung individueller Kundenprodukte sind die Stückzahlen im Hause Wittenstein eher gering. Hier will das Unternehmen die Ansätze von Industrie 4.0 und KI nutzen, um wandlungsfähig und flexibel zu bleiben und eine hohe Effizienzsteigerung zu erzielen. Kundenwünsche dabei kurzfristig, flexibel und wirtschaftlich rentabel umzusetzen, sei das Ziel in der Produktion. „Wir möchten eine Fertigung erreichen, die spezialisierte und individualisierte Kundenprodukte zu denselben wirtschaftlichen Voraussetzungen produzieren kann wie eine Massenfertigung“, sagt Hantschel. „Das fordert eine hochwandlungsfähige und flexible Produktion. Das bedeutet aber auch, dass die Arbeitsplätze sehr wandlungsfähig und flexibel sein müssen“.

Passgenaue mechatronische Antriebe

Elektroantrieb

Passgenaue mechatronische Antriebe

07.02.19 - Will man keine Kompromisse eingehen, lassen sich individuelle Anforderungen in einer Maschine oft erst durch passgenaue mechatronische Antriebe umsetzen. Für deren Konzeption sind Performance, Bauraum und Umgebungsbedingungen ebenso relevant wie die Integration in die Maschine selbst. lesen

Das Arbeitsumfeld wird sich ändern und die künstliche Intelligenz soll dabei unterstützend eingesetzt werden. Flexible Arbeitsplätze stehen bei Wittenstein auch heute schon auf der Tagesordnung. So verfolgt die Firma auch beim Thema Arbeitsumfeld ein innovatives Konzept. Es gibt in dem modernen Großraumbüro des Digitalization Centers etwa keine festen Arbeitsplätze. Alle Angestellten können sich Tag für Tag neu formieren und sich in Projektgruppen zusammensetzen, um so eine effiziente Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Auch das Thema Produktivitätssteigerung spielt beim Einsatz von KI eine wesentliche Rolle. „Auf jeden Fall werden wir schnellere, bessere und individualisiertere Produkte produzieren können“, prognostiziert Haft. Die Chance für mehr Individualität durch KI unterstreicht auch Hantschel: „Wir möchten in Zukunft unsere Kunden viel schneller bedienen und individuelle Wünsche erfüllen. Darum geht es uns.“

Dieser Artikel ist ein Beitrag zum Projekt „Künstliche Intelligenz: Eine Multimedia-Reportage“. Beteiligt daran sind rund 300 Studierende der Universität Würzburg, der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft Frankfurt. Das Projekt findet im Rahmen des ‘Wissenschaftsjahres 2019‘ statt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Weitere Informationen unter: www.wissenschaftsjahr2019-kuenstliche-intelligenz.de und www.wissenschaftsjahr.de

* Julia Baier studiert Fachjournalismus an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS)

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