Manufacturing-Execution-Systeme

Mit MES-Kennzahlen Anlagenstillstände um die Hälfte reduzieren

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Ein weiteres Problem in vielen Betrieben ist, dass zwar aus den Daten entsprechende Kennzahlen gewonnen werden, aber im Betrieb kein Regelkreis initiiert ist, um die Kennzahlen zu verbessern. Eine wichtige Kennzahl ist für Schumacher die Zeit: „Bei der Auftragserteilung entstehen sofort Kosten. Und die Kosten steigen mit der Zeit, denn solange der Auftrag im System ist, verursacht er Kosten.“ Könnte man diesen schneller abarbeiten, führe dies nicht nur zu einer verkürzten Lieferzeit.

90 bis 90% der Produktionszeiten sind nicht wettschöpfend

Nach Aussage von Schumacher fallen dann auch die Stückkosten. Meist liege die wertschöpfende Zeit nur bei 5 bis 10%. 90 bis 95% der Zeit sei nicht wertschöpfende Zeit. Unabdingbar sei es deshalb für die Unternehmen, festzulegen, wie man die Zeit misst. „Wichtig ist, dass man sie überhaupt misst“, bekräftigt Schumacher. Ein Unternehmen müsse sich immer fragen: „Wie viel Zeit – anteilig an der Durchlaufzeit – wird effektiv am Auftrag gearbeitet?“ Deshalb müsse jedes Unternehmen den Prozesswirkgrad bestimmen.

Overall-Equipment-Effectiveness-(OEE-)Index misst die Prozesssicherheit

Bedeutend sei auch der Overall-Equipment-Effectiveness-(OEE-)Index. „Er ist ein Maß für die Prozesssicherheit“, erklärt Schumacher. Eine entscheidende Kennzahl sei auch die Termintreue: „Sie ist ein Maß für den Anteil an pünktlich gelieferter Arbeit.“ Außer diesen gibt es natürlich noch weitere Kennzahlen, die für Unternehmen wichtig sind.

Für Herbert Hajek Produktionscontroller der Oechsler AG, Ansbach, eines Lieferanten von hochwertigen Kunststoffprodukten, ist die wesentliche Zielgröße die Bestandsreichweite, also die Abdeckung zukünftiger Aufträge durch vorhandene Bestände. Darüber hinaus seien Kennzahlen wie der Ausschuss, der Rüstkoeffizient zur Rüstzeit (also der Rüstaufwand pro Fertigungsauftrag in Relation zum Zielwert) sowie der Nutzungsgrad wichtig. „Es gibt immer die gleichen Kennzahlen für jede Kostenstelle im Unternehmen“, erläutert Hajek.

Ohne brauchbare Planzahlen droht das Aus

Auch Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government an der Universität Potsdam, hält Kennzahlen für wichtig. „Allerdings nutzen Kennzahlen alleine nichts“, schränkt Gronau ein. So habe ein Werkleiter eines Unternehmens stets auf einem Blatt die Kennzahlen des Vorjahres mit denen des laufenden Jahres verglichen und die aktuellen seien stets besser gewesen – allerdings hätten brauchbare Planzahlen gefehlt: „Das Unternehmen war kurze Zeit später nicht mehr am Markt“, resümiert Gronau.

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