PLM Mit neuem CAD- und PLM-System für die Digitalisierung gewappnet

Autor / Redakteur: Michael Wendenburg / Stefanie Michel

Die Entwicklungsumgebung zu modernisieren ist eine Herausforderung – vor allem für Unternehmen, deren Anlagen oft Jahrzehnte betrieben und immer wieder optimiert werden. SIG Combibloc hat die Migration gemeistert und sich mit einem neuen CAD- und PLM-System zukunftssicher aufgestellt.

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In der Aseptik-Zone der SIG-Füllmaschinen werden Produkte, die zuvor einen Prozess zur Ultrahochtemperierung (UHT) durchlaufen haben, in die aufgeformten und sterilisierten Kartonpackungen gefüllt.
In der Aseptik-Zone der SIG-Füllmaschinen werden Produkte, die zuvor einen Prozess zur Ultrahochtemperierung (UHT) durchlaufen haben, in die aufgeformten und sterilisierten Kartonpackungen gefüllt.
(Bild: SIG)
  • Für das global agierende Unternehmen SIG Combibloc hat das PLM einen hohen Stellenwert. Beim Wechsel des Anbieters mussten deshalb wichtige Voraussetzungen erfüllt werden.
  • CIM Database von Contact Software war die Lösung: einfach konfigurierbar und leichte Handhabung.
  • Das PLM arbeitet als führendes System über eine Schnittstelle reibungslos mit SAP zusammen.

Mit rund 5.500 Beschäftigen und einem Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Euro ist SIG Combibloc ein globaler Player, der seinen Hauptsitz in Neuhausen (Schweiz) hat. Das Unternehmen stellt aseptische Verpackungen und Abfüllanlagen für Getränke und flüssige Nahrungsmittel her. Die Schweizer Zentrale und zwei weitere Forschungs- und Entwicklungszentren in Deutschland und China entwickeln Lösungen, die in einem Configure-to-Order-Prozess zu kundenspezifischen Systemen zusammengesetzt werden.

Neben den hohen Qualitätsanforderungen hinsichtlich Hygiene und Dosiertechnik macht die Digitalisierung die Produktentwicklung noch komplexer als ohnehin schon. „Früher reichte ein Vor-Ort-Service, heute erwarten unsere Kunden Online-Zugriffsmöglichkeiten und automatische Software-Updates“, sagt Dirk Noske, Leiter der Abteilung Legal Compliance & Documentation. „Deshalb haben wir den digitalen SIG Plant 360 Controller entwickelt, um eine maximale Verfügbarkeit der Anlagen sicherzustellen.“ Noskes Abteilung ist unter anderem verantwortlich für die standardisierte Nutzung des unternehmensweiten CAD- und PLM-Systems. Das End-of-Life, also das Auslaufen der bisherigen Softwarekombination, erforderte den Umstieg auf neue Lösungen.

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Strategischer Systemwechsel

Das Product Lifecycle Management (PLM) hat für SIG einen hohen Stellenwert, weil es die Mitarbeiter weltweit besser zusammenarbeiten lässt und durchgängige Geschäftsprozesse ermöglicht. „Für ein global aufgestelltes Unternehmen ist ein leistungsfähiges PLM das A & O, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewältigen,“ betont Noske.

Folgende Voraussetzungen sollten erfüllt werden:

  • Die neue PLM-Software sollte auf dem aktuellen Stand der Technik sein und eine bessere globale Performance bieten.
  • Ein schneller ROI sollte erreicht werden.
  • Standardschnittstellen zu SAP und den eingesetzten CAx-Systemen waren nötig.
  • Zudem wollte SIG seinen CAD-Datenbestand in der neuen Entwicklungsumgebung weiterverwenden. Das war für das Unternehmen unabdingbar, weil die Anlagen nach ihrer Auslieferung oft noch jahrzehntelang laufen und dabei immer wieder verändert werden.

Da der bisherige Anbieter keine Lösung hatte, die eine automatisierte Übernahme der CAD-Daten ermöglichte, suchte SIG nach Alternativen. Zwei Systemkombinationen kamen schlussendlich in Frage. Nach einem umfassenden Proof-of-Concept fiel die Wahl auf die Partner Contact Software und Solidline. „Unser globales Projektteam hat sich gegen die Lösung aus der Hand eines Herstellers entschieden und für die Kombination von Solidworks und CIM Database gestimmt“, erklärt Noske. „Contacts PLM-Software hat uns vor allem durch ihre gute Handhabung überzeugt, zudem ist sie einfach konfigurierbar. So können wir Anwendungen auch ohne Programmierung selbst auf unsere Anforderungen zuschneiden.“

Umfangreiche Datenmigration

Der Altdatenbestand umfasste mehrere Hunderttausend CAD-Modelle. Im ersten Schritt migrierte das Projektteam die PDM-Daten. Danach konvertierte Contact die CAD-Modelle und -Zeichnungen aus dem Altsystem mit einer Lösung von Elysium in native Solidworks-Daten. So können Anwender die Daten auch mit den Konstruktionsfunktionen des neuen CAD-Systems editieren. Zudem wurden die assoziativen Beziehungen zwischen 3D-Modellen und Zeichnungen in die neue PLM-Umgebung übernommen.

Laut Noske ist es von großem Vorteil, dass CIM Database den Migrationsprozess über einen Workflow automatisiert steuert. Dadurch lässt sich auch die Datenqualität besser kontrollieren. Die Anwender sehen im PLM-System den jeweils aktuellen Status, zum Beispiel welche Datensätze konvertiert, aber noch nicht geprüft sind. Davon müssen fünf bis sechs Prozent nachbearbeitet werden, schätzt Noske.

Neben den Daten aus Solidworks verwaltet CIM Database die Schaltpläne aus dem E-CAD-System, das vorher direkt an SAP angebunden war. Die Eplan-Integration sei überraschend einfach gewesen, so Noske, und habe den Vorteil, dass es nun nur noch eine Quelle für die Mechatronikentwicklung gibt. CIM Database ist auch das führende System für die Anlage, Änderung oder Sperrung der Stammdaten, während werksspezifische Daten wie Einkäufer, Preis, Disponent oder Lagerort in SAP verwaltet werden.

Die Stücklisten werden im PLM-System angelegt und bei Freigabe über Contacts Standardschnittstelle zu SAP ins ERP übertragen, wo sie gegebenenfalls noch beschaffungsspezifisch aufbereitet werden. Ausgenommen davon sind ältere, noch am Zeichenbrett konstruierte Anlagen, deren Stücklisten nur im ERP vorliegen. Noske erwägt, die Stammdaten und Stücklisten dieser Maschinen über den CIM Database xBOM Manager zu integrieren, um alles in einem System zu haben: „Das hätte Vorteile bei Änderungen und würde die Verwendungsnachweise vereinfachen.“

Unterstützung der Serienbetreuung

CIM Database ist seit anderthalb Jahren an allen drei F&E-Zentren im Einsatz. Ein halbes Jahr später folgte das neue CAD-System. „Das Zusammenspiel von ERP und PLM macht es für uns wesentlich leichter, die strengen Compliance-Anforderungen in der Lebensmittelindustrie zu erfüllen“, sagt Noske. Heute nutzen über 150 Anwender aus Produktentwicklung, Serienbetreuung, Produktionsplanung, Fertigung und Montage das PLM-System als zentrale Informationsquelle. Auch die externen Redakteure in der technischen Dokumentation greifen auf die Daten zu. Da SIG immer mehr neue Maschinen entwickelt und weitere Fachkräfte sucht, geht Noske davon, dass die Zahl der Nutzer steigen wird.

CIM Database unterstützt nicht nur den Produktentstehungsprozess, sondern auch die Serienbetreuung. Änderungen werden per Change Request in Confluence angestoßen, das PLM-System steuert die Statusänderungen in SAP. Dies verhindert, dass Teile während der Änderung bestellt werden. Fertigungspartner, die im Rahmen der papierlosen Bestellung eine Zeichnung herunterladen, erkennen anhand einer farbigen Markierung, dass sich das Teil in Änderung befindet. Der Workflow mündet in eine Freigabe nach dem Sechs-Augen-Prinzip, bevor das geänderte Teil wieder in SAP beschafft werden kann.

Die Produktdaten werden zentral in Deutschland verwaltet und nachts an die anderen Standorte repliziert. Noske schließt nicht aus, dass die PLM-Installation irgendwann in die Cloud verlagert wird, wenn das Vorteile bringt. Das sei aber ein Thema, das aktuell noch nicht auf der IT-Agenda stehe.

Global einheitliche Prozesse

Die neuen PLM-Anwendungen fügen sich so nahtlos in die Prozesslandschaft von SIG ein, dass die SAP-Anwender den Systemwechsel kaum bemerkt haben, den Nutzen aber schon. „CIM Database sorgt für global einheitliche Prozesse in der Entwicklung und Serienbetreuung mit einem durchgängigen Änderungsmanagement, in das alle Bereiche bis zum Einkauf, Lager oder Service eingebunden sind“, sagt Noske.

Derzeit evaluiert SIG den Einsatz der integrierten Projektmanagement-Funktionen von CIM Database, die das PLM-Team bei der Einführung bereits erfolgreich angewandt hat. Der Mix von agilen und klassischen Methoden mit konsequenter Nachverfolgung der Aufgaben hat den Systemwechsel beschleunigt. „Der Umstieg hat uns einiges abverlangt, aber das war es wert“, so Noske. „Nun haben wir eine State-of-the-Art-Lösung, mit der wir auch für künftige Anforderungen der Digitalisierung gewappnet sind.“

* Michael Wendenburg ist freier Fachjournalist. Weitere Informationen: Contact Software GmbH in 28359 Bremen, Tel. +49 421 20 153-0

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